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Weltweit Hauskauf wird teurer
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Hauskauf wird teurer
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08:44 23.10.2013
Von Albrecht Scheuermann
Die Kosten für den Hausbau steigen kräftig. Dazu tragen auch die Bundesländer mit Steuererhöhungen bei. Quelle: Archiv
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Hannover

In Niedersachsen ist das entsprechende Gesetz zwar noch nicht verabschiedet, aber das dürfte nur noch eine Formalität sein. Die Landesregierung will die – in den Landeshaushalt fließende – Grunderwerbsteuer von derzeit 4,5 Prozent auf 5 Prozent anheben. Zum Beispiel verteuert sich dadurch der Kauf eines Hauses im Wert von 300 000 Euro um 1500 Euro.

In Bremen klettert der Steuersatz ebenfalls um einen halben Prozentpunkt auf 5 Prozent. Dieser Wert ist dann in den meisten Bundesländern üblich. Wer sich also den Traum vom eigenen Häuschen im Wert von 300 000 Euro (einschließlich Erwerbsnebenkosten wie zum Beispiel Maklergebühren oder Vermessungskosten) erfüllen will, muss allein 15 000 Euro an Grunderwerbsteuer berappen.

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Es geht allerdings noch weitaus teurer. Das Saarland verlangt heute schon 5,5 Prozent. In Berlin steigt die Steuer Anfang 2014 auf 6 Prozent, und Schleswig-Holstein verlangt dann sogar 6,5 Prozent. Dies ist fast das Doppelte dessen, was Bayern und Sachsen den Immobilienkäufern abknöpfen.

Die Mehrbelastung fällt ausgerechnet in eine Zeit, in der die Kaufpreise für Immobilien zumindest in vielen Ballungsräumen schon dramatisch steigen. Allerdings profitieren die Erwerber von Häusern oder Wohnungen von den derzeit außergewöhnlich geringen Zinsen für Baugeld.
Die Grunderwerbsteuer liefert ein gutes Beispiel dafür, wie sich einst gut gemeinte Reformen im Lauf der Zeit ins Gegenteil verkehren. Ältere Semester werden sich noch an Zeiten erinnern, als das selbst genutzte Wohneigentum ganz von dieser Steuer befreit war. Dagegen wurden alle anderen Immobilien mit 7 Prozent belastet. Diese Unterscheidung wurde 1983 aufgehoben. Zum Zweck der Steuervereinfachung wurden die Befreiungsmöglichkeiten weitgehend abgeschafft, stattdessen galt nun ein bundesweit einheitlicher Steuersatz von 2 Prozent für alle Arten des Immobilienerwerbs. Wie üblich wurde einige Zeit später beim Staat wieder das Geld knapp – das Jahressteuergesetz 1997 brachte daher eine Erhöhung auf 3,5 Prozent.

Seit 2006 schließlich können die Bundesländer selbst über die Höhe des Steuersatzes entscheiden. Diese nutzten den neuen Spielraum allerdings, wie zu erwarten, ausschließlich zu Steuererhöhungen. Nur in Bayern und Sachsen gilt noch der ursprüngliche Wert von 3,5 Prozent. Dagegen müssen die Immobilienkäufer ganz im Norden der Republik schon fast wieder den Steuersatz zahlen, der vor der Grunderwerbsteuerreform von 1982 galt – mit dem Schönheitsfehler, dass es heute keine Befreiung für diejenigen Käufer gibt, die in die eigenen vier Wände einziehen wollen.
Anders als der Begriff vermuten lässt, wird die Grunderwerbsteuer stets auf den Gesamtwert der Immobilie einschließlich des Gebäudes berechnet. Dies gilt manchmal sogar dann, wenn das Haus noch gar nicht steht, sondern nur geplant ist – sofern ein „einheitliches Vertragswerk“ vorliegt. Dies ist etwa der Fall, wenn ein Bauträger Haus oder Wohnung zusammen mit dem Grundstück zum Kauf anbietet.

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