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Weltweit IG Metall macht viel Wind bei Enercon
Nachrichten Wirtschaft Weltweit IG Metall macht viel Wind bei Enercon
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08:58 11.04.2014
„Das wird eine Debatte im politischen Raum bedeuten“: Bislang hatte Enercon – hier der Stand auf der Hannover Messe – seinen Konzern gewerkschaftsfrei gehalten. Das ändert sich nun. Quelle: dpa
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Aurich/Hannover

IG-Metall-Chef Detlef Wetzel warf Enercon am Donnerstag vor, einerseits von der in Deutschland gesellschaftlich geleisteten Ökostrom-Förderung zu profitieren, aber andererseits das Recht auf faire Betriebsratswahlen zu torpedieren. „Das wird auch eine Debatte im politischen Raum bedeuten“, sagte Wetzel und kündigte sogar an, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) einzuschalten.

Enercon-Chef Hans-Dieter Kettwig wollte die Vorwürfe gestern auf der Hannover Messe nicht erörtern. Er lege aber Wert darauf, dass die Enercon-Mitarbeiter seit Jahren ohne die IG Metall mitbestimmten und sich das Unternehmen von dieser „internen Kultur“ auch nicht abbringen lasse. Damit stehen die Zeichen auf Konfrontation.

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Die Gewerkschaft versucht seit gut fünf Jahren, in der Branche der erneuerbaren Energien mit ihren rund 400 000 Arbeitsplätzen Fuß zu fassen. Dort sieht sie neben der Informationstechnologie ein zukunftsträchtiges Gewerkschaftsfeld. Politisch unterstützt die stärkste deutsche Gewerkschaft den Ausbau der Windenergie und streitet gegen schwindende Subventionen für die Solartechnik, die 2013 zum Abbau zahlreicher Jobs geführt haben.

Nach Gewerkschaftsangaben hat       Enercon in Deutschland 11 000 Mitarbeiter, 2000 davon in Servicefirmen, die mit mehr als 130 Stützpunkten über ganz Deutschland verteilt sind. In diesen Servicegesellschaften hat die Gewerkschaft nun zuerst angesetzt. „Was uns jetzt mit der Gründung von Betriebsräten in den Serviceniederlassungen gelungen ist, wollen wir auch in Magdeburg wiederholen“, sagte Hartmut Meine, IG Metall-Chef für Niedersachsen. Das Ziel ist klar: Die IG Metall dringt auf Einbindung in den Metall-Flächentarif.

In den schnell gewachsenen und häufig auch dezentral organisierten Windkraftfirmen ist es für Gewerkschafter nicht leicht, Fuß zu fassen. Oft sind kleine Teams auf Montage unterwegs. Daher gehört beispielsweise auch das Internetforum „Windstärke 13“ zur Organisationsstrategie. Ansatzpunkte gibt es viele: Bei einer Betriebsrätebefragung im Jahr 2012 klagten Beschäftigte über häufige, kaum planbare Überstunden. Unflexible Schichtpläne sowie der starke Einsatz von Leiharbeitern und befristeten Arbeitsverträgen waren weitere Kritikpunkte.

In der Windkraft verdienen die Beschäftigten nach einer IG-Metall-Erhebung zwar besser als bei Solar-Firmen. Doch lägen die Einkommen immer noch bis zu 30 Prozent unter dem Metall-Flächentarif, obwohl die Arbeiten der Branche kaum vom klassischen Maschinen- oder Anlagenbau abweichen. Einen Flächentarifvertrag für die Windbranche mit ihren rund 120 000 Beschäftigten gebe es bislang nicht, nur vereinzelte Haustarife, berichtete eine Gewerkschaftssprecherin. „Es gibt gar keinen richtigen Arbeitgeberverband, mit dem man verhandeln könnte.“

Der sei auch nicht nötig, hält der Bundesverband Windenergie dagegen. Zahlreiche Zulieferer seien in ihren Herkunftsbranchen wie etwa der Metallindustrie organisiert und dort auch gut aufgehoben.

dpa

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