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Weltweit IG Metall ringt bei VW-Haustarif wieder um „einen Schnaps mehr“
Nachrichten Wirtschaft Weltweit IG Metall ringt bei VW-Haustarif wieder um „einen Schnaps mehr“
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14:47 04.05.2013
Vor einem Jahr gab es „einen Schnaps mehr“, sagte IG-Metall-Verhandlungschef Hartmut Meine damals. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Bei Volkswagen ist historisch ein Haustarif gewachsen. Um ihn ringen die IG Metall und der Autoriese wieder von diesem Montag an. Die Verhandlungen starten parallel zum Konflikt im Flächentarif, in dem schon Warnstreiks laufen. Fragen und Antworten:

Warum gibt es einen VW-Haustarif?

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Volkswagen ist der einzige unter der deutschen Autobauern mit einer derartigen Regelung. Die Wurzeln für den VW-Sonderweg sind historischer Natur und reichen bis in die Nachkriegszeit zurück, als das VW-Stammwerk in Wolfsburg unter britischer Besatzung stand.

Für wen gilt der Haustarifvertrag bei Volkswagen?

Zum VW-Konzern in Deutschland gehörten Ende vergangenen Jahres 249.500 Beschäftigte. 102.000 von ihnen werden mit dem Haustarif bezahlt. Den Großteil davon bilden die 97.000 Mitarbeiter der sechs westdeutschen Werke Braunschweig, Emden, Hannover, Salzgitter, Wolfsburg (alle in Niedersachsen) und Kassel (Nordhessen). Die zweite große Gruppe unter dem Haustarifvertrag - kurz HTV - ist die VW-Bank (VW Financial Services AG) mit ihren ungefähr 5000 Angestellten. 

Was ist mit den übrigen fast 150.000 Mitarbeitern?

Die fallen zum Großteil unter das Niveau der Metall-Flächentarife in Ost und West. Beispiele sind die Töchter Audi und Porsche oder die VW-Standorte beispielsweise in Osnabrück und Zwickau. Aber auch diverse Tarife anderer Branchen greifen unter dem großen VW-Dach. 

Was macht den VW-Haustarif so speziell?

Er ist eine Art Insellösung. Das Niveau der jeden Monat gezahlten Grundvergütung liegt nach IG-Metall-Angaben über dem Flächentarif in Niedersachsen, aber noch unter dem in Baden-Württemberg. Außerdem ist direkt im HTV eine entscheidende Erfolgsbeteiligung verankert. 

Was hat es damit auf sich?
Der Zuwachs der monatlichen Grundvergütung wird in den nächsten Wochen neu verhandelt - ein Prozedere wie in der Fläche auch. Darüber hinaus gibt es aber jährlich einen Tarifbonus, damit die Mitarbeiter am Konzernerfolg teilhaben: Zehn Prozent vom operativen Ergebnis der Kernmarke VW fließen als Gewinnbeteiligung an die Belegschaft. 

Wie rechnete sich das zuletzt?

Für 2012 gab es pro Kopf brutto 7200 Euro Bonus. Ein Abschlag floss im November, der Rest folgt nun im Mai. 1000 Euro davon plus 100 Euro Zuschuss vom Arbeitgeber gehen in die Altersvorsorge. 

Haben Metaller im VW-Haustarif regelmäßig viel mehr als die Kollegen?

Jein. Früher war das so, doch Mitte des vergangenen Jahrzehnts stürzte auch VW in eine Krise und es folgten Reformen. Die monatliche Grundvergütung liegt zwar leicht über der der Flächentarifkollegen in Niedersachsen, das schafft aber kein großes Gefälle. Die aktuellen 7200 Euro Bonus sind ein Spitzenwert und Rekorden bei VW geschuldet. Zudem steckt in ihnen eine Sonderzahlung, die auch im Flächentarif als Weihnachtsgeld fließt. Im Kern funktioniert der Bonus so: Läuft es bei VW super, profitieren davon auch die Mitarbeiter stärker. In Krisenzeiten schrumpft ihre Extrawurst dagegen. Dann greift nur ein Mindestbonus, der in etwa der Sonderzahlung in der Fläche entspricht. 

Wie lauten die aktuellen Forderungen für den HTV?

Wie in den Verhandlungen zum Flächentarif will die IG Metall 5,5 Prozent mehr Geld für zwölf Monate. VW hat noch kein Angebot gemacht. Die Arbeitgeber in der Fläche offerierten bisher 2,3 Prozent für elf Monate, fordern jedoch anfangs zwei Nullmonate ohne ein Entgeltplus. Das drückt den Wert des Angebots laut IG Metall real auf unter 2 Prozent. Die IG Metall erwartet vom VW-Konzern ein besseres Angebot. 

Wie schaute das Ergebnis vor einem Jahr aus?

Die 3,6 Millionen Metaller in der Tariffläche bekamen 4,3 Prozent, allerdings mit einem Nullmonat zu Start. Das senkte das Plus real auf etwa 4 Prozent. Beim HTV dagegen entfiel der Nullmonat, es gab „einen Schnaps mehr“, sagte IG-Metall-Verhandlungschef Hartmut Meine damals. 

Und wie geht es VW derzeit?

Nach glänzenden Gewinnen aus dem vergangenen Jahr zeigte die jüngste Bilanz aus dem Auftaktquartal erste Schrammen. Es wird immer schwieriger, Europas Absatzflaute noch mit dem Wachstum aus Übersee auszugleichen. Dennoch hält VW an den Zielen für 2013 fest und stellt einen spürbaren Schub für die zweite Jahreshälfte in Aussicht. Das wiederum spielt der Gewerkschaft bei ihren Forderungen in die Karten. 

dpa

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