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Weltweit Industrie kommt langsam wieder in Schwung
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Industrie kommt langsam wieder in Schwung
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08:13 24.02.2017
Von Jens Heitmann
Neue Zuversicht: Von den Autozulieferern in Niedersachsen will jeder fünfte neue Mitarbeiter einstellen. Quelle: Friso Gentsch/dpa
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Hannover

Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Niedersachsen-Metall unter 900 Betrieben. „Die Industrie insgesamt nimmt wieder Fahrt auf“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Gemeinschaft der Arbeitgeberverbände, Volker Schmidt, am Donnerstag in Hannover.

Besonders zuversichtlich sind die Dienstleister, von denen knapp zwei Drittel bessere Geschäfte erwarten - 30 Prozent wollen mehr Mitarbeiter einstellen. In der Metall- und Elektroindustrie ist dazu fast ein Viertel der befragten Betriebe bereit, bei den Autozulieferern knapp jeder fünfte.

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Getragen werde der verhaltene Aufschwung vornehmlich von der privaten und staatlichen Nachfrage, hieß es. Allein die Aufwendungen für die Flüchtlinge hätten sich im vergangenen Jahr auf 18 Milliarden Euro belaufen - ohne diese Ausgaben hätte das Wachstum in Deutschland nur bei einem Prozent gelegen.

Bei den Investitionen scheint der stete Rückgang vorerst gestoppt. „Wir erleben hier zwar keinen Boom, aber zumindest eine Stabilisierung“, sagte Schmidt. Geld geben die Firmen in erster Linie für den Ersatz oder die Modernisierung ihres Maschinenparks aus - nicht aber für die Erweiterung der Kapazitäten. Wer sich dennoch dafür entscheide, fahre die Produktion eher im Ausland hoch.

Im Arbeitgeberlager macht man dafür die immer engere Verzahnung der Märkte verantwortlich. Auf der einen Seite profitiere der Maschinen- und Anlagenbau wie keine anderen Branche davon, dass seine Expertise beim Bau neuer Produktionsstätten weltweit gefragt sei - andererseits würden die neuen Märkte nur noch zum Teil von Standorten in Niedersachsen beliefert, hieß es.

Auch wegen der zunehmenden wechselseitigen Abhängigkeiten in der Wirtschaft halten sich Befürchtungen über Hürden im Handel mit den USA in Grenzen: 20 Prozent der Unternehmen erwarten, dass ihre Exporte in die Vereinigten Staaten aufgrund höherer Zölle oder anderer Handelsbeschränkungen schrumpfen - vor einem Jahr waren es nur 2 Prozentpunkte weniger.

Für dieses Selbstbewusstsein gebe es gute Gründe, sagte Schmidt: „Die Amerikaner sind zwingend auf Investitionsgüter aus Deutschland angewiesen.“ Pressen im Automobilbau, Laseranlagen für die Blechbearbeitung oder Fräsmaschinen müssten importiert werden, weil es in den USA seit drei Jahrzehnten keinen wettbewerbsfähigen Werkzeugmaschinenbau mehr gebe. Vor diesem Hintergrund werde sich der neue US-Präsident Donald Trump schwertun, wie versprochen Zigtausende Industriearbeitsplätze aus dem Boden zu stampfen, sagte Schmidt.

„Digitale Spaltung Niedersachsens verhindern“

Unternehmen in ländlichen Regionen tun sich deutlich schwerer als in Städten angesiedelte Betriebe, geeignete
Mitarbeiter zu finden. Auf dem Land haben vier von fünf Firmen Probleme, frei werdende Stellen zu besetzen – in Städten ist es knapp die Hälfte, wie aus der Umfrage der Arbeitgeberverbände hervorgeht.
Für die fehlende Qualität vieler Bewerber machen die Unternehmen auch die schlechtere Ausstattung der Berufsschulen auf dem Land verantwortlich. Vor allem bei den Lehrmitteln und bei Breitbandanschlüssen gebe es große Defizite, heißt es.
Die Arbeitgeberverbände appellieren deshalb an die Politik, „die digitale Spaltung Niedersachsens zu verhindern“. Man dürfe die Berufsschulen nicht wie ein „modernes Antiquariat“ behandeln, sagte Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt. Die duale Ausbildung sei ein Markenzeichen der deutschen Wirtschaft. Ziel müsse es sein, alle Berufsschulen rasch mit schnellem Internet zu versorgen.