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Weltweit Industrieaufträge legen in Deutschland überraschend stark zu
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Industrieaufträge legen in Deutschland überraschend stark zu
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17:10 07.09.2009
Auch die Rohstahlproduktion hat sich weiter von der Absatzkrise erholt.
Auch die Rohstahlproduktion hat sich weiter von der Absatzkrise erholt. Quelle: ddp
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Die Anzeichen für eine allmähliche Erholung der deutschen Wirtschaft nach der Rezession halten an. Der Auftragseingang der Industrie stieg im Juli gegenüber dem Vormonat deutlich kräftiger als erwartet. Die Bestellungen stiegen Juli preis- und saisonbereinigt erneut kräftig um 3,5 Prozent, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Montag in Berlin mitteilte. Im Vormonat hatten sie bereits um 3,8 Prozent zugenommen. Volkswirte hatten nur ein Plus von 2,0 Prozent erwartet. Zudem hellt sich das Geschäftsklima im Mittelstand weiter auf.

Das gute Ergebnis im Juli wurde den Angaben zufolge durch überdurchschnittliche Großaufträge begünstigt. Die Inlandsnachfrage erhöhte sich dadurch um 10,3 Prozent. Die Aufträge aus dem Ausland nahmen demgegenüber um 2,3 Prozent ab. Von einer vollständigen Erholung ist die Industrie allerdings noch weit entfernt. So lagen die Bestellungen im Juli immer noch um 19,8 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats.

Das Ministerium wertete die neuesten Daten als Hinweis auf einen Anstieg der Industrieproduktion. „Auf der Grundlage der deutlich gestiegenen Aufträge dürfte auch die Industrieproduktion im dritten Quartal erstmals wieder zulegen“, erklärte das Ministerium. Die Auftragseingänge seien in den vergangenen Monaten gegenüber ihren Tiefständen Anfang des Jahres „wieder beträchtlich“ gestiegen. „Diese Entwicklung speiste sich aus dem In- und Ausland und erstreckte sich insbesondere auf Vorleistungs-, aber auch auf Investitionsgüter“, hieß es.

Für Carsten Brzeski von der ING Bank war dabei von besonderem Interesse, dass die Inlandsaufträge für Investitionsgüter gegenüber dem Vormonat um 17 Prozent anzogen. Offenbar gebe es in Deutschland durchaus noch eine Investitionstätigkeit. So bestehe auch eine gewisse Hoffnung, dass der Arbeitsmarkt nicht ganz so stark wie erwartet leiden werde.

Unterdessen nimmt auch die Erholung des Geschäftsklimas im deutschen Mittelstand weiter Fahrt auf. Das sogenannte KfW-Ifo-Mittelstandsbarometer für August verbesserte sich um 5,5 Zähler auf jetzt minus 6,8 Punkte, wie die staatliche KfW Bankengruppe in Frankfurt am Main unter Berufung auf den zusammen mit dem Münchener Ifo-Institut berechneten Index berichtete. Das sei der fünfte Anstieg in Folge und zugleich der kräftigste Zuwachs seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1991. Sowohl die Geschäftserwartungen als auch die Geschäftslage habe sich verbessert. Für die Studie werden monatlich rund 7000 Unternehmen befragt.

„Das August-Ergebnis ist rundum erfreulich“, kommentiert KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch die Zahlen. „Man darf allerdings nicht vergessen, auf welch niedrigem Niveau die Anstiege aufsetzen“, fügte er hinzu. Für die kommenden Monate sieht Irsch zwar eine positive konjunkturelle Entwicklung, die negativen Folgen der historischen Rezession zum Beispiel für Beschäftigung und Staatsfinanzen stünden aber noch bevor. „Auch Rückschläge sind möglich“, warnte er.

ddp