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Weltweit Jeder dritte Fernzug der Bahn kommt zu spät
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10:24 08.05.2013
Im neuen Bahntest des Verkehrsclubs VCD war der größte Mangel die häufige Verspätung der Fernverkehrszüge. Quelle: dpa
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Berlin

Verspätungen, verpasste Anschlusszüge und mangelnde Sauberkeit sind für viele Fahrgäste weiterhin die größten Ärgernisse im deutschen Schienenverkehr. Im neuen Bahn-Test des Verkehrsclubs VCD beurteilte zwar die Mehrzahl der Befragten den Fernverkehr der Deutschen Bahn überwiegend positiv – dennoch bemängelten Reisende auch veraltete Fahrzeuge und schmutzige Toiletten.

„Wenn fast jeder dritte Fernverkehrszug verspätet ankommt und Reisende dadurch ihre Anschlusszüge nicht erreichen, hat der Bahnverkehr ein Problem“, fasste VCD-Chef Michael Ziesak gestern in Berlin die Ergebnisse der Untersuchung zusammen. Man habe klaren Handlungsbedarf bei den Kernpunkten Pünktlichkeit, Sauberkeit und Informationen festgestellt.

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Im Auftrag des Verkehrsclubs hat das Hamburger Forschungsinstitut Quotas im vergangenen Winterhalbjahr mehr als 1000 Bahnfahrten von Testpersonen ausgewertet. Der Schwerpunkt des Tests lag beim Fernverkehr, also bei den IC-, EC- und ICE-Zügen. Jeder sechste Zug fuhr dabei nach Angaben des VCD mit Verspätung ab. Fast 29 Prozent der Züge kamen sechs Minuten und mehr verspätet an. 38 Prozent der Anschlusszüge wurden dadurch bei Umsteigeverbindungen verpasst – in der Hauptverkehrszeit mehr als 44 Prozent.

Verglichen mit der vergangenen Untersuchung von 2011 war der Bahnverkehr insgesamt etwas pünktlicher. Damals waren 18 Prozent der Abfahrten und fast 33 Prozent der Ankünfte verspätet. Doch die Zahl der verpassten Anschlüsse war damals mit rund 30 Prozent niedriger. Gerade verpasste Umsteigeverbindungen können die Reisezeit insgesamt oft stark verlängern.

„Reisen mit der Bahn ist nur dann attraktiv und eine Alternative zum Pkw, wenn die Reisekette von Tür zu Tür zuverlässig funktioniert“, sagte Ziesak. Bei der „Kunden- und Qualitätsoffensive“, die von der Deutschen Bahn im Jahr 2010 gestartet wurde, sieht der VCD noch einigen Nachholbedarf. Der Staatskonzern will bis 2015 rund 330 Millionen Euro investieren, um Verlässlichkeit, Qualität und Service sowie die Kundeninformation zu verbessern.

Das Problem einer veralteten Fahrzeugflotte werde die Bahn weiter begleiten, betonte VCD-Expertin Heidi Tischmann. Mit teilweise bis zu 40 Jahre alten Intercity-Zügen mute die DB ihren Fahrgästen einiges zu. Daran werde sich bis Ende 2014 auch nichts ändern, denn der Konzern habe zu spät neue Züge bestellt. Erst dann soll die Bahnindustrie eine neue Generation von Fernzügen liefern.

Für fehlende und teilweise veraltete Züge macht der VCD nicht die Bahn allein verantwortlich. Auch die Bahnindustrie trage dazu bei, da sie Züge teilweise nicht fristgerecht liefere. Das Eisenbahn-Bundesamt habe Verzögerungen bei der Zulassung zu verantworten. Dies sei „ein Desaster“, sagte Ziesak.

Thomas Wüpper