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Karl Gerhold baut sein Getec-Imperium um

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10:00 30.11.2021
Karl Gerhold konzentriert sich künftig auf die Getec Energie. Die Gesellschaft investiert auch in Immobilien wie beispielsweise in Hannover-Misburg.
Karl Gerhold konzentriert sich künftig auf die Getec Energie. Die Gesellschaft investiert auch in Immobilien wie beispielsweise in Hannover-Misburg. Quelle: Irving Villegas
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Hannover

Der hannoversche Unternehmer Karl Gerhold baut seine Firmengruppe um. Seine Holdinggesellschaft Getec Energie und der schwedische Finanzinvestor EQT haben ihre Anteile an dem Magdeburger Energiedienstleister G+E Getec, der Wärme und Strom an Industrie- und Immobilienkunden liefert, an den zur US-Bank JP Morgan gehörenden Fonds IIF verkauft. Finanzkreisen zu Folge liegt der Übernahmepreis bei etwa 4 Milliarden Euro – ein Viertel dieser Summe fließt an Gerholds Holding. „Es geht darum, uns für die Zukunft einfacher und stabiler aufzustellen“, sagt der 70-Jährige.

Gerhold blickt auf eine ungewöhnliche Karriere zurück: Der promovierte Volkswirt war bis September 1991 Chef der Staatskanzlei in Sachsen-Anhalt – und suchte anschließend nach einer neuen Beschäftigung. „Spitzenpolitiker sind oft Juristen und können leicht in eine Anwaltskanzlei wechseln“, sagt der Unternehmer: „Ich konnte das nicht und musste daher etwas anderes finden.“ Die Lösung lag nahe: Beim Blick auf die maroden Heizsysteme der großen Plattenbausiedlungen in den neuen Ländern kam ihm die Idee, diese auf Vordermann zu bringen. „Damit bin ich zu einem der Väter des Contracting-Modells geworden“, sagt Gerhold.

Contracting-Modelle sind zum Standard geworden

Die 1993 gegründete G+E begann als erster Anbieter damit, für Wohnungsbaugesellschaften kleine, moderne Gasheizkraftwerke zu bauen und zu betreiben – die Immobilieneigentümer zahlten nur für Wärme und Strom und konnten somit hohe Investitionen vermeiden. Das Konzept fand großen Anklang und viele Nachahmer. „Wir haben sofort schwarze Zahlen geschrieben“, sagt Gerhold. Heute beschäftigt G+E rund 2200 Mitarbeiter und betreibt 11.500 Anlagen zur dezentralen Energieerzeugung mit einer Kapazität von insgesamt mehr als 5200 Megawatt, die rund eine Million Menschen mit Wärme, Kälte und Strom versorgen.

Vor fünf Jahren hatte Gerhold seinen Ausstieg bei G+E eingeleitet und drei Viertel der Anteile an EQT verkauft. Auch dank der vom schwedischen Investor bereitgestellten Mittel ist die Gruppe stark gewachsen – auch durch Übernahmen, wie etwa des italienischen Konkurrenten Antas, der Industrieparks der Chemie- und Pharma-Konzerne Clariant und Novartis bei Basel und des Contracting-Geschäftes des Bauriesen Apleona (früher: Bilfinger Berger). „Wir zählen heute zu den Marktführern“, sagt Gerhold.

Getec bündelt Energieeinkauf für Großkunden

Künftig will der Unternehmer seine übrigen Geschäfte vorantreiben. Unter dem Dach der Holdinggesellschaft Getec Energie sind verschiedene Aktivitäten mit insgesamt rund 1000 Mitarbeitern gebündelt – der größte Bereich ist das Energiemanagement für Großverbraucher. So kümmert man sich um die Strom- und Gasversorgung von Konzernen wie der Deutschen Wohnen, der Deutschen Bahn und um die Filialen eines Discounters. „Wir profitieren davon, dass sich die großen Versorger aus diesem Geschäft zurückziehen“, sagt Gerhold. Die Getec-Gruppe betreibt auch eigene Stromnetze, Biogasanlagen und Solarparks und investiert in Immobilien und Start-up-Firmen.

Zwei von Gerholds drei Töchtern arbeiten bereits im Unternehmen, mit neun Enkeln stünden die Chancen gut, dass sich auch in der nächsten Generation mögliche Nachfolger finden, sagt Gerhold: „Ich stamme aus einer Familie mit Unternehmergenen und habe auch immer gern zugepackt.“ Seine künftige Rolle sieht der Senior-Chef eher als Stratege – für das Tagesgeschäft seien in erster Linie die Manager in den einzelnen Gesellschaften zuständig.

Von Jens Heitmann