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Weltweit Karstadt-Eigentümer Berggruen will Kaufhof übernehmen
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Karstadt-Eigentümer Berggruen will Kaufhof übernehmen
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16:37 02.11.2011
Karstadt-Eigentümer Berggruen hebt die Finger und schmiedet Pläne für eine Großfusion. Quelle: dpa
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Düsseldorf

Die Idee ist nicht neu, die Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen auf die Tagesordnung hebt: Die Verschmelzung von Kaufhof und Karstadt zu einer schlagkräftigen „Deutschen Warenhaus AG“. Und doch überraschte der Unternehmer am Mittwoch, als seine Pläne öffentlich bekanntwurden - strategisch gut platziert zur Aufsichtsratssitzung des Metro-Konzerns in Düsseldorf.

Denn bei dem Handelsriesen standen in den vergangenen Wochen mit den Personalquerelen an der Spitze von Vorstand und Aufsichtsrat völlig andere Themen im Fokus: Die Zukunft von Konzernchef Eckhard Cordes und des Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Kluge, die beide das Unternehmen verlassen werden, sowie der Streit mit den Minderheitsaktionären bei den Elektronikmärkten Media-Saturn.

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Noch sind keine Details der möglichen Übernahmepläne Berggruens bekannt. Zudem ist er als potenzieller Käufer von Galeria Kaufhof nicht allein. Angeblich soll sich auch die österreichische Immobilienfirma Signa, hinter der nach einem „Handelsblatt“-Bericht der griechische Reeder und Milliardär George Economou steht, für die Kölner Warenhauskette interessieren. Mindestens 2,4 Milliarden Euro sollen für Kaufhof geboten worden sein.

Während Signa ein Angebot einschließlich der werthaltigen Immobilien unterbreitet haben soll, hat Berggruen nach Angaben aus Unternehmenskreisen alleine für das operative Geschäft und mit weiteren Investoren für die Immobilien Kaufofferten vorgelegt. Doch Metro-Chef Cordes favorisiere offenbar den Komplettverkauf an Signa, heißt es in der Branche. Anders als bei Karstadt sei die Metro bei der Teilung von operativem Geschäft und Immobilien immer sehr vorsichtig gewesen.

Tatsächlich geht es um viel Geld: Jeder zweite der mehr als 130 Kaufhof-Standorte befindet sich im Besitz des Warenhauses. Das sorgt für Unabhängigkeit und reduziert hohe Mietzahlungen - vor allem in Toplagen. Auch wenn Galeria Kaufhof seit fast vier Jahren nicht mehr zum Kerngeschäft der Metro gehört, ist das von Lovro Mandac geführte Unternehmen trotz Wirtschaftskrise und Konsumflaute profitabel geblieben.

Im vergangenen Jahr erzielte das Warenhaus, das vor mehr als 130 Jahren von Leonhard Tietz in Stralsund mit einem kleinen Textilgeschäft gegründet worden war, ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern in Höhe von 138 Millionen Euro. Rund 20 000 Mitarbeiter erwirtschaften einen Umsatz von gut 3,5 Milliarden Euro (2010). Bei Karstadt sind es nach der Insolvenz und Übernahme durch Berggruen heute etwa 22 000 Beschäftigte in 120 Filialen.

Dass nun der Karstadt-Eigentümer Berggruen den Spieß umdreht, ist Ironie der Geschichte: Schließlich hatte Cordes selbst in der tiefsten Krise der ehemaligen Arcandor, zu der die damals verlustreichen Karstadt-Warenhäuser gehörten, mehrmals eine Fusion von Karstadt und Kaufhof und damit den Gedanken einer „Deutschen Warenhaus AG“ ins Spiel gebracht. 2003 hatte der frühere Karstadt-Chef Wolfgang Urban als erster laut über einen solchen Zusammenschluss nachgedacht.

Doch die Pläne scheiterten. Vor allem stoßen sie bei Gewerkschaften und Betriebsräten auf wenig Gegenliebe, weil die Arbeitnehmervertreter ein solches Projekt als Jobkiller sehen. „Unsere Skepsis gegen eine Deutsche Warenhaus AG ist seit langem bekannt“, sagt ein Verdi-Sprecher. Er hofft dabei auch auf die künftige Metro-Spitze und stellt die Frage: Warum sollte sie die heutige Geschäftsstrategie - sprich den Verkauf von Galeria Kaufhof - nicht noch einmal überdenken?

dpa

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