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Weltweit Kraft aus Algen
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Kraft aus Algen
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00:25 31.07.2014
Von Gabriele Schulte
Ein Meilenstein: Eugene Roebroeck vom Anlagenhersteller LGem erläutert bei der Eröffnung die Produktion. Quelle: Süderelbe AG
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Mengebostel

Viel Geduld brauchen die Landwirte in Obernhausen nicht für ihre neuen Pflänzchen: Erntezeit ist nach sechs bis zehn Tagen. In dem Ortsteil von Mengebostel (Heidekreis) haben sie zu dritt den bundesweit ersten Feldversuch mit Mikroalgen gestartet, für deren Anbau die Abluft einer Biogasanlage genutzt wird. Ihr „Schaufenster Algentechnologie“ soll zeigen, welche Einsatzmöglichkeiten es für die Algen als Kraftstoff und für die Kosmetik-, Arznei- und Futtermittelindustrie gibt. „Wir sind dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kinde“, sagt Landwirt Bernd Wrigge.

Zufällig war der im Heidekreis angesiedelte Wirtschaftsverein Deltaland bei einer Messe auf ein Projekt der Technischen Hochschule Wildau in Brandenburg gestoßen. Die Wissenschaftler suchten nach einem Standort, um ihre Laborversuche durch „echten“ Algenanbau auf einem Hof zu ergänzen.

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Deltaland brachte drei Obernhausener Landwirte ins Gespräch; und nun bauen Bernd Wrigge, Harald Meyer und Volker Schwesig dort außer Rüben, Raps und Roggen auch Mikroalgen an – in mit 750 Liter Wasser gefüllten Rohren unter einem Folientunnel.

Der geerntete grüne Schleim, der zentrifugiert wird, könnte als Energielieferant eine Alternative zum Mais werden. Je nach Algenart und Wetter kommen die Pflanzen, die auch Proteine und Fette liefern, aber auch für Cremes und Make-up in Betracht. Durch viel Sonne seien bereits gelbe und orangefarbene Algen gewachsen, die dafür vermutlich besonders geeignet wären, sagt Wrigge. Jede Ernte wird von Mitarbeitern aus Wildau abgeholt und ausgewertet. Die Aufgabe der Landwirte besteht nicht zuletzt im Überwachen der Temperatur von Luft und Wasser. Sie steuern die Zufuhr von Wärme und Kohlendioxid aus der Biogasanlage. „Wir schlagen viele Fliegen mit einer Klappe“, meint Wrigge. Die Algen verwerteten das Treibhausgas CO2 und produzierten mehr Energie, als ihr Anbau verbraucht.

Wirtschaftsverein und Stadt unterstützen das zunächst auf eineinhalb Jahre angelegte Projekt mit je 4000 Euro. „Wir setzen darauf, dass wir gute Karten haben, wenn es eines Tages darum gehen sollte, eine größere Anlage im industriellen Maßstab zu verwirklichen“, sagt Michael Krohn, Geschäftsführer von Deltaland. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Wildauer Forscher stehen die Chancen nicht schlecht. „Wir wollen den Nachweis erbringen, dass die Algenbiotechnologie unter den klimatischen Bedingungen Norddeutschlands großtechnisch effektiv eingesetzt werden kann“, sagt Projektleiter Prof. Franz Xaver Wildenauer. Die Pilotanlage in Obernhausen sei ein „Meilenstein“ auf dem Weg.

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