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Weltweit Eine Absage, die Freude macht
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Eine Absage, die Freude macht
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20:52 16.09.2013
Von Albrecht Scheuermann
Lawrence Summers ist als möglicher Fed-Chef aus dem Rennen. Quelle: dpa (Archiv)
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Was machen die Notenbanken? Diese Frage gehört zu den wichtigsten, die sich Börsianer Tag für Tag stellen. Schließlich haben es auch die Geldpolitiker in der Hand, in welche Richtung sich die Kurse bewegen. Treten sie bei der Geldversorgung der Wirtschaft auf die Bremse, tut das den Aktienkursen in der Regel nicht gut – während diese oft nach oben gehen, wenn die Notenbanker das Gaspedal drücken.

Deshalb fand eine Meldung aus den USA am Montag an den Finanzmärkten große Beachtung: Der ehemalige US-Finanzministers Lawrence Summers will nicht die Nachfolge von Ben Bernanke als Chef der US-Zentralbank Federal Reserve, kurz Fed genannt, antreten. Summer gilt jedoch eher als ein „Falke“: Darunter versteht man die Geldpolitiker, die im Zweifel lieber einen harten Kurs fahren – also eine Politik des knappen Geldes vertreten. Um so größer war die Begeisterung an den Aktienmärkten. Schließlich steigt mit dieser Absage von Summers die Chance, dass es bei der eher lockeren Geldpolitik bleibt. Als heiße Kandidatin für die Bernanke-Nachfolge gilt Vizechefin Janet Yellen, sie steht im Ruf einer „Taube“.

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In Deutschland zogen die Kurse spürbar an, der Standardwerte-Index Dax erreichte mit bis zu 8626 Punkten ein Rekordhoch. Ähnlich erfreulich sah es an anderen Börsenplätzen aus, auch die Wall Street legte in den ersten Handelsstunden deutlich zu.

Unter ihrem Chef Bernanke fährt die Fed seit Jahren einen äußerst lockeren Kurs, um die US-Wirtschaft aus der Krise zu führen. Er hat sich intensiv mit der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre befasst – und daraus den Schluss gezogen, dass die Notenbanken im Ernstfall unbegrenzt Liquidität zur Verfügung stellen sollten, um einen Absturz der Wirtschaft zu verhindern. Zur Not müssten man Bargeld drucken und aus dem Hubschrauber abwerfen. Dies Bemerkung verschafft dem Fed-Chef den Spitznamen „Helicopter-Ben“.

Zu seiner Strategie gehört der Einsatz einer geldpolitischen Waffe, die früher als verpönt galt. Die Notenbank kauft seit 2009 im großem Stil Staatsanleihen und andere Zinspapiere auf, um Geld in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen. Andere Notenbanken betreiben inzwischen eine ähnliche Politik. Die dadurch verursachte Geldschwemme drückt zusammen mit Leitzinsen von knapp über 0 Prozent das allgemeine Zinsniveau auf Rekordtiefs und gilt als ein wesentlicher Grund für den Aufschwung der Aktienbörsen.

Allerdings hat „Helicopter-Ben“ selbst schon vor wenigen Monaten klargemacht, dass er die Geldschwemme nicht unbegrenzt fortsetzen will, wenn die Wirtschaftslage sich weiter bessert. Egal wer auf Bernanke folgt – die Zeiten einer extrem lockeren Geldpolitik dürften bald vorbei sein. Der Jubel der Börsen könnte sich also als übertrieben erweisen.

Dirk Stelzl 16.09.2013
19.09.2013