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Weltweit Maßhemd per Mausklick
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11:02 19.01.2015
Tester Christoph Nowak probiert sein im Internet bestelltes Maßhemd an. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Das perfekte Hemd muss gut sitzen - und das ist gar nicht so einfach. Denn vielen Männern passen die Hemden von der Stange nicht. Deshalb haben einige Internetanbieter das Segment für sich entdeckt. Der Onlineshop „iTailor“ bietet zum Beispiel maßgeschneiderte Hemden schon ab 19,95 Euro an. Aber sitzen die Hemden dann auch so, wie sie sollen? Und kann die Qualität mit dem Maßschneider vor Ort mithalten? Wir haben den Test gemacht.

Die Stoffauswahl

„iTailor“ bietet dem Kunden eine riesige Auswahl an Stoffen. Die Modelle für 19,95 Euro, mit denen die Plattform wirbt, sind allerdings wenig überzeugend. „Merkwürdige Farben, unstrukturierte Stoffe und sehr dünn“, urteilt unsere Testperson Christoph Nowak. Besser ist die Auswahl dagegen bei der nächst höheren Preiskategorie. Für 34,95 Euro gibt es mehr als 300 verschiedene Muster, die Qualität wirkt gut. Auf der Suche nach einem schönen Stoff für den Büroalltag klickt sich der Projektmanager durch das vielfältige Angebot. „Leider ist es nicht möglich, die Ergebnisse zu filtern - sich also zum Beispiel nur einfarbige oder karierte Stoffe anzeigen zu lassen“, sagt Nowak. Das macht die Auswahl mühsam. Am Ende entscheidet er sich für einen etwas dickeren, strukturierten Stoff mit blau-weißem Karomuster.

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Der Schnitt

Steht der Stoff fest, kann der Kunde den Schnitt seines Hemdes bestimmen. Zur Auswahl stehen zum Beispiel die Armlänge - auch kurzärmelige Hemden sind möglich - die Kragenform sowie die Farbe der Knöpfe und Knopfleiste. Er kann sich für Schulterklappen entscheiden, für oder gegen Manschettenknöpfe, eine Brusttasche oder ein Monogramm im Hemdinneren. Klick für Klick stellt sich unser Tester so sein Wunschhemd zusammen. Ein 3D-Programm zeigt dabei an, wie das Hemd aussehen wird, wenn es fertig ist.

Maß nehmen

Jetzt geht es ans Ausmessen. In kurzen Videos wird auf der Internetseite gezeigt, wie man zu Hause richtig Maß nimmt. Dafür braucht man ein Maßband und Hilfe - denn allein ist das Messen schwierig. Los geht es: Zuerst ist der Halsumfang dran, dann der Brustumfang, die Taille, Hüfte, Länge des Oberkörpers, Armlänge und die Schulterbreite. Wem das alles zu umständlich ist, der kann auch einfach in den üblichen Standardgrößen S, M, L und XL bestellen.Dann kann der Kunde zumindest Stoff und Stil seines Hemdes individuell bestimmen - ein Maßhemd ist das Ergebnis aber natürlich nicht. Bei unserem Testversuch stürzt beim Eintragen der Maße einmal die Internetseite ab und wir müssen von vorn beginnen - so dauert der Bestellvorgang insgesamt mehr als eine Stunde.

Erst ganz zum Schluss wird uns angezeigt, dass zu dem Hemdpreis von knapp 35 Euro noch Verschiffungsgebühren in Höhe von knapp 10 Euro hinzukommen. Das Unternehmen „iTailor“ hat nämlich seinen Sitz in Thailand und produziert auch dort. Nur so ist es wohl auch möglich, für den immer noch erstaunlichen Gesamtpreis von rund 45 Euro ein Maßhemd zu fertigen.

Die Lieferung

Der Onlineschneider verspricht, dass das Maßhemd nach fünf bis sechs Wochen geliefert wird - und hält sich daran. Nach nur fünf Wochen kommt das Paket an. Vom Inhalt ist unser Tester angetan. „Ich hätte nicht erwartet, dass ich für den Preis so eine gute Qualität bekomme“, sagt Nowak. Der Stoff ist hochwertig und die Farben genauso, wie sie im Internet angezeigt wurden. Und das Wichtigste: Das Hemd passt. „Es sitzt so, wie es sitzen soll.“ Christoph Nowak ist zufrieden und würde wieder bei dem Anbieter bestellen.

Aber wir haben auch andere Erfahrungen gemacht. Denn zeitgleich mit dem Hemd von „iTailor“ bestellten wir ein Hemd vom deutschen Anbieter „Youtailor“. Die Hemden sind etwas teurer, sollen dafür aber in Europa gefertigt werden. Um es vorwegzunehmen: Das Hemd ist nie angekommen.

Die Pleite

Das Hemd von „Youtailor“ kostet mit Versand 72,90 Euro. Das Geld bezahlen wir per Paypal - und setzen es in den Sand, wie sich herausstellen wird. Auch der deutsche Anbieter verspricht eine Lieferzeit von fünf bis sechs Wochen. Als auch nach acht Wochen kein Paket angekommen ist, versuchen wir Kontakt mit dem Anbieter aufzunehmen. Aber das erweist sich als schwierig, denn auf der Internetseite gibt es keine Telefonnummer, sondern nur eine E-Mail-Adresse. In einer E-Mail fragen wir nach: Was ist aus dem Hemd geworden, das wir schon bezahlt haben? Vier Wochen warten wir ab und bekommen keine Antwort. Inzwischen mehren sich in Internetforen die Kommentare von Kunden, die die gleiche Erfahrung gemacht haben. Manche warteten auf mehrere Maßhemden - für sie geht es um hohe Geldbeträge. Niemand erhält eine Antwort auf seine E-Mail.

Wir starten eine Recherche auf anderen Wegen: Über die Webseite denic.de erfahren wir, dass die Internetdomain Youtailor.de dem Unternehmen M2M Fashion gehört, einer GmbH mit Sitz in Berlin. Da GmbHs verpflichtet sind, bestimmte Firmendaten öffentlich zu machen, suchen wir nach der Firma auf www.unternehmensregister.de. Alle veröffentlichungspflichtigen Dokumente sind hier für jeden einzusehen. Bei M2M Fashion ist das letzte hochgeladene Dokument ein Insolvenzantrag - die Firma ist pleite.

Der Test zeigt, dass Bestellungen im Internet bei kleinen Firmen auch zur Enttäuschung werden können. „Ich habe mich sehr geärgert, dass das Geld einfach so weg ist - und man nichts dagegen tun kann“, sagt Hemdtester Nowak. Wird die Insolvenzmasse irgendwann unter den Gläubigern aufgeteilt, könnten Kunden, die ihre Bestellung nie erhalten haben, einen Teil des bezahlten Geldes zurückbekommen. Wenn sich aber viele Gläubiger wenig verbliebenes Vermögen teilen müssen, wird der Betrag sicherlich nicht üppig ausfallen.

Von Anne Grüneberg

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