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Weltweit Megaprojekt der Bahn in Stuttgart kostet eine Milliarde mehr
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14:46 09.12.2009
So soll es einmal aussehen: Das Bauprojekt "Stuttgart 21" der Deutschen Bahn. Quelle: ddp/Deutsche Bahn
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Das Bahn-Großprojekt „Stuttgart 21“ wird offenbar rund eine Milliarde teurer als bislang kalkuliert. Nach Medienberichten vom Mittwoch werden die Kosten mittlerweile auf mehr als vier Milliarden Euro geschätzt. Bislang war von knapp 3,1 Milliarden Euro die Rede. Der Sprecher des Projekts, Wolfgang Drexler, sagte auf ddp-Anfrage: „Ich kann keine konkrete Zahl bestätigen.“ Der Aufsichtsrat der Bahn beriet am Mittwoch die neue Schätzung; am Donnerstag sollen die Projektpartner in Stuttgart über die Umsetzung des Vorhabens entscheiden. Der unabhängige Bahnexperte Michael Holzhey rechnet mit einer weiteren Kostensteigerung.

Drexler sagte, zwar sei ihm die Zahl von 4,1 Milliarden Euro bekannt. Jedoch könne er nicht bestätigen, dass es sich dabei um das Ergebnis der neuen Kostenschätzung handle. „Morgen wird der Lenkungsausschuss entscheiden“, fügte der Landtagsvizepräsident von Baden-Württemberg hinzu. Im Anschluss sei eine Pressekonferenz in Stuttgart geplant.

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Dem Lenkungsausschuss gehören neben Bahn-Chef Rüdiger Grube und Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) Vertreter von Stadt und Verband Region Stuttgart an. Das Gremium entscheidet über die Umsetzung von „Stuttgart 21“. Die Partner können das Projekt laut einer Ausstiegsklausel noch kippen, falls die geschätzten Kosten über der Höchstmarke von 4,5 Milliarden Euro liegen.

Nach einem Bericht der „Stuttgarter Zeitung“ (Mittwochausgabe) hatte die Bahn bei ihrer aktualisierten Kostenschätzung zunächst Kosten in Höhe von 4,9 Milliarden Euro errechnet. Diese seien durch „abgespeckte Planungen am Projekt“ auf unter 4,5 Milliarden Euro gedrückt worden. Die Zeitung „Die Welt“ (Mittwochausgabe) berichtete, dass die Kosten nach der neuen Kalkulation 4,08 Milliarden Euro betragen. Hinzu komme ein Risikofonds in Höhe von bis zu 500 Millionen Euro als Puffer für einen weiteren Kostenanstieg.

Bahnexperte Holzhey von der Berliner Beratungsgesellschaft KCW sagte, die Kosten „sind noch lange nicht das Ende der Fahnenstange“. „Stuttgart 21“ sei „im Grunde nur der Anfang“, fügte Holzhey hinzu, der mehrfach im Verkehrsausschuss des Bundestags als Sachverständiger auftrat. Die mit dem Projekt verbundene Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm koste nach bisherigen Berechnungen zwei Milliarden Euro. „Realistisch dagegen sind eher vier Milliarden“, sagte Holzhey.

Von der bisher geplanten Summe für die Bundesstrecke zahlt das Land Baden-Württemberg mit rund 950 Millionen Euro fast die Hälfte. Zusätzlichen Kosten dagegen müsse voll der Bund tragen, auf den damit Gesamtausgaben von bis zu drei Milliarden Euro zukommen könnten. „Durch die Ausgaben für diese Strecke, für ’Stuttgart 21’ und für die etwa acht Milliarden Euro teure Strecke Nürnberg-Erfurt-Halle-Leipzig drohen dramatische verkehrspolitische Effekte“, sagte Holzhey. Als Folge könnten “über Jahre hinaus“ notwendige Investitionen in die Schieneninfrastruktur nicht geleistet werden.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) verlangte einen Stopp des Projekts. Bei „Stuttgart 21“ sei zu vermuten, „dass viel zu optimistisch kalkuliert wurde“, teilte der bayerische Landesverband mit. Weitere Kostensteigerungen seien schon jetzt abzusehen.

Stuttgart 21“ ist Teil des Bahnprojekts „Stuttgart-Ulm“. Mit dem Vorhaben soll der Stuttgarter Hauptbahnhof vom Kopf- zum Tunnelbahnhof umgestaltet und samt Schienennetz unter die Erde verlegt sowie an den Flughafen angebunden werden. Zusätzlich soll eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke von Wendlingen nach Ulm gebaut werden.

ddp

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