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Weltweit Messe „Altenpflege 2010“ startet in Hannover
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Messe „Altenpflege 2010“ startet in Hannover
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08:28 23.03.2010
Von Jens Heitmann
Pflegereform 2013? Gesundheitsminister Philipp Rösler gestern Abend in Hannover. Quelle: Steiner
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Die Deutschen werden immer älter – das ist die gute Nachricht. Doch die schlechte folgt auf dem Fuße: Mit jedem gewonnenen Jahr steigt auch die Zahl der Pflegebedürftigen, im kommenden Jahrzehnt bundesweit um 37 Prozent. Während die Pflegekassen den Trend mit Sorge betrachten, frohlocken die Betreiber von Altenheimen und ambulanten Diensten. „Die Pflegebranche ist ein Wachstumsmarkt und wird dies trotz vereinzelter Überkapazitäten auch bleiben“, sagte Prof. Christoph Schmidt vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung Montagabend zur Eröffnung der „Altenpflege 2010“ in Hannover.

Bei dem Branchentreffen zeigen von Dienstag bis Donnerstag mehr als 700 Aussteller in vier Messehallen, wie sie sich auf die veränderten Bedürfnisse der „neuen Alten“ einstellen. Der Wandel werde umfassend sein, meint Schmidt. Zum einen fielen Familienangehörige als Pflegekräfte immer öfter aus – weil viele Bedürftige keine eigenen Kinder mehr haben oder weil Töchter oder Schwiegertöchter zunehmend berufstätig sind und zu Hause keine umfassende Betreuung mehr leisten könnten. Zum anderen unterschieden sich die Präferenzen von Pflegebedürftigen aus der 68er-Generation deutlich von denen der (Vor-)Kriegsjahrgänge. „Das Pflegeangebot muss daher vielfältiger werden“, sagte Schmidt. Es sei daher kontraproduktiv, wenn der Pflegemarkt durch 16 verschiedene Heimgesetze der Bundesländer verbürokratisiert werde.

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Schmidt, der die Bundesregierung als einer der fünf Wirtschaftsweisen berät, plädierte dafür, alle Träger – ob freigemeinnützig, öffentlich oder privat – unter den gleichen Bedingungen tätig werden zu lassen. „Auch Gewinnerzielung im Pflegebereich ist nicht unmoralisch“, sagte der Wissenschaftler. Angesichts einer stark wachsenden Nachfrage sei gerade auch privates Kapital nötig, um das Angebot auszuweiten und den Wettbewerb zwischen den Anbietern aufrechtzuerhalten: „Ohne eine marktübliche Verzinsung des Kapitals wird jedoch kein privates Kapital zur Verfügung stehen, und ohne Wettbewerb leiden Pflegebedürftige unter schlechter Qualität und hohen Preisen.“

Dass das freie Spiel der Kräfte auch auf dem Pflegemarkt gelten soll, stößt in der FDP auf Zustimmung. Der demografische Wandel stelle die Gesellschaft zwar vor große Herausforderungen, erklärte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler. Man könne die Entwicklung auch positiv sehen. „Die Pflege ist zu einer Wissenschaft geworden, die Branche zum Jobmotor“, sagte der FDP-Politiker.

Doch ein Problem bleibt ungelöst: die Finanzierung. Rösler sieht die Pflegekassen nur bis zum Jahr 2013 ausreichend gefüllt – danach gelte es nachzubessern. In der Bundesregierung ist bereits vom Zwang zu einer privaten Zusatzversicherung die Rede.

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