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Weltweit Ballmer kündigt Rücktritt an
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Ballmer kündigt Rücktritt an
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10:23 24.08.2013
Steve Ballmer, CEO des Soft- und Hardwarehersteller Microsoft, bei der Vorstellung des Projekts "Schlaumäuse" in Berlin. Quelle: dpa / Archiv
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Redmond/Berlin

Beim Windows-Riesen Microsoft endet eine Ära: Konzernchef Steve Ballmer wird seinen Posten innerhalb der kommenden zwölf Monate aufgeben. Zunächst solle ein Nachfolger gefunden werden, kündigte Ballmer am Freitag an. Der 57-Jährige steht seit 2000 an der Spitze des weltgrößten Software-Konzerns. Die Aktie reagierte auf die Nachricht mit einem Kurssprung von sieben Prozent. Microsoft brauche einen Chef, der für längere Zeit den Wandel zu einem Spezialisten für Geräte und Dienstleistungen begleiten werde, erklärte Ballmer.

Damit bestätigte er den Umbruch, in dem Microsoft schon seit einiger Zeit steckt: Das reine Software-Geschäft mit dem Betriebssystem Windows und Programmen wie Office reicht nicht mehr aus. Auch das neue Windows 8 hatte bisher nicht den erhofften Erfolg. "Es gibt nie eine perfekte Zeit für einen solchen Übergang, aber jetzt ist die richtige Zeit", erklärte Ballmer in der Mitteilung.

Microsoft-Gründer Bill Gates kündigte an, dass er bei der Suche nach einem neuen Konzernlenker helfen werde. Multimilliardär Gates hatte Ballmer einst die Firmenspitze überlassen, zog sich inzwischen ganz aus dem Tagesgeschäft zurück und kümmert sich hauptsächlich in seiner Stiftung um den Kampf gegen gefährliche Krankheiten. Der Microsoft-Verwaltungsrat setzte einen Sonderausschuss für die Suche nach einem Nachfolger ein. Microsoft war getragen vom Erfolg des Windows-Betriebssystems zur dominierenden Kraft im PC-Markt geworden. Allerdings schrumpft das Geschäft mit klassischen Computern inzwischen, weil Smartphones und Tablets auf dem Vormarsch sind.

Das macht Microsoft und seinen alten Verbündeten wie Dell und HP zu schaffen. Das Unternehmen versuchte unter Ballmer zwar, in diesen Bereichen Fuß zu fassen, die Marktanteile sind aber bisher gering. Trotz gewaltiger Investitionen war es Microsoft auch nie gelungen, die Vorherrschaft von Google bei der Internet-Suche zu brechen. Das Online-Geschäft fährt immer wieder hohe Verluste ein.

Zuletzt wurden die Rufe von Investoren nach einer Ablösung Ballmers angesichts schwächerer Zahlen lauter. So handelte ein missglückter Zukauf bei Online-Werbung dem Unternehmen vor einem Jahr den ersten Verlust in der über 30-jährigen Firmengeschichte ein. Im jüngsten Quartal konnte Ballmer zwar ein Umsatzplus von zehn Prozent und rund fünf Milliarden Dollar Gewinn präsentieren.

Doch ein näherer Blick in die Geschäftszahlen offenbart die Probleme: Der Gewinn der Windows-Sparte halbierte sich auf knapp 1,1 Milliarden Dollar. Und Microsoft schrieb alleine 900 Millionen Dollar auf seinen Tablet-Computer Surface RT ab, der sich schlechter verkaufte als erwartet.

Cholerischer "Business Man" mit schwierigem Erbe

Steve Ballmer kommt oft als harter Hund rüber, hat aber einen weichen Kern: Tränen erdrückten seine Worte, als er 2000 seinen langjährigen Freund und Weggefährten Bill Gates an der Microsoft-Spitze ablöste. Bis dahin war Ballmer stets der starke zweite Mann innerhalb des Softwarekonzerns. Seine exaltierten Auftritte nicht nur auf firmeninternen Veranstaltungen hatten ihm den Spitznamen "Monkeyboy" eingebracht. Legendär ist etwa die Szene, in der er hüpfend und schreiend skandiert: "I love this company". Steve Ballmer kam 1956 zur Welt und wuchs in der Autostadt Detroit auf. Bis heute behielt er seine Vorliebe für die Firma Ford bei, in der sein Vater, ein gebürtiger Schweizer, arbeitete. Seine Herkunft aus einfachen Verhältnissen hatte Ballmer nie geleugnet. Während Bill Gates durch und durch als Softwarespezialist und Visionär des Unternehmens galt, gab Ballmer den Geschäftsmann mit herausragenden Verkaufstalenten. Ballmer lernte Gates während des Studiums an der Harvard University in den 70er Jahren kennen. Sein Studium der Angewandten Mathematik und Ökonomie absolvierte er mit Auszeichnung. Nach zwei Jahren bei dem Konsumgüter-Hersteller Procter & Gamble brach er eine anschließende Management-Ausbildung in Stanford kurzerhand ab, um mit Gates Microsoft aufzubauen. Im Jahr 1980 war Ballmer der erste Manager der jungen Firma. Im gleichen Jahr heiratete er Connie Snyder, eine Microsoft-Mitarbeitern, mit der er drei Söhne hat. Bis zuletzt verbindet ihn eine intensive Freundschaft mit Gates, der ihm als Gründervater bei internen Machtkämpfen stets den Rücken gestärkt haben soll. Ein glückliches Händchen bei der Entwicklung neuer Technologien und Trends wie sein Wegbegleiter Gates es hatte, ließ Ballmer allerdings vielfach vermissen.

dpa

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