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Weltweit Mobilfunkbranche droht mit Preiserhöhungen
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Mobilfunkbranche droht mit Preiserhöhungen
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20:47 12.09.2013
Streitpunkt: Wie preiswert darf eine SMS vom Strand sein?
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Brüssel

Der Traum von einem europäischen Telefonmarkt ohne lästige Auslandszuschläge könnte zu einem Albtraum werden. Nur einen Tag, nachdem die Brüsseler EU-Kommission ihre Pläne für ein Auslaufen der bisherigen Roaminggebühren bis 2016 vorgelegt hatte, warnten Experten vor einem Schuss, der nach hinten losgehen könnte. Vor allem der Branchenverband Bitkom sprach offen von der Gefahr „steigender Preise für Inlandstelefonate und mobile Internetnutzung“. Auch die bisherige Subventionierung von Smartphones, Tablet-Computern und Handys durch die Netzbetreiber werde „künftig niedriger ausfallen“, die Geräte könnten also teurer werden.

Dabei hatte EU-Telekommunikationskommissarin Neelie Kroes am Donnerstag in Brüssel noch einmal für ihre Pläne geworben. „Der Wegfall der Roaming-Zuschläge und die Möglichkeit der Provider, EU-weit mit ihren Dienstleistungen tätig werden zu können, ist der größte Schritt, den die EU machen konnte, um zu mehr Wachstum zu kommen.“Zwar wurden die Aufpreise für grenzüberschreitende Gespräche bereits in den vergangenen Jahren deutlich heruntergefahren. Doch bis 2016 sollen sie auf null gesenkt werden.

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Zusätzlich zu den Inlandskosten für ein Telefonat, eine SMS oder Surfen im Internet zahlt der Kunde derzeit 24 Cent (ab 1. Juli 2014: 19 Cent, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer) für abgehende Anrufe, 7 Cent (5 Cent) für ankommende Gespräche, 8 Cent (6 Cent) für eine verschickte SMS (Empfang ist kostenlos) sowie 45 Cent (20 Cent) für ein Megabyte an Daten. Eine echte Ersparnis.

Sollten die Konzerne diese Mindereinnahmen, die angeblich in die Milliarden gehen, wieder hereinholen wollen, könnten sie tatsächlich ihr Tarifgefüge so umstellen, dass am Ende diejenigen, die wenig reisen, die Ersparnisse der Vielreisenden bezahlen.

In Brüssel will man das jedoch verhindern und verweist auf die künftige EU-Regulierungsbehörde, die alle neuen Preistabellen genehmigen muss. Gleichzeitig will man per Verordnung festlegen, dass die Provider dem Kunden preisgünstige Alternativen für Telefonate wie Skype oder für SMS wie Whatsapp oder Threema nicht verstopfen. Die bisher verbreitete Praxis, solche Anbieter gar nicht zuzulassen oder deren Daten verzögert zu übertragen, soll verboten werden.

Viel Verwirrung hat die Kommissarin offenbar auch mit ihrem Vorschlag zu den Internetgeschwindigkeiten gestiftet. Am Donnerstag betonte sie noch einmal, dass heute etwa 200 Millionen (von 508 Millionen) EU-Bürgern mit reduzierter Datengeschwindigkeit leben müssten, ohne davon zu wissen. Doch das vorgeschlagene Gegenrezept löste dennoch Kritik aus.

Denn die EU-Kommission will zwar das Drosseln des Datenverkehrs nicht zulassen, gleichzeitig sehen Fachleute im Europäischen Parlament aber Lücken, die sich Anbieter zunutze machen könnten, um eigene Dienste gegen Bezahlung mit bevorzugter Geschwindigkeit zu übertragen. Denn ein klares Bekenntnis zur sogenannten Netzneutralität – also der Gleichbehandlung aller Daten – gebe es nicht. Dieser Punkt dürfte in den kommenden Beratungen noch für heftige Auseinandersetzungen sorgen.

Von Detlef Drewes

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