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Weltweit Continental will Antriebssparte Powertrain in jedem Fall abspalten
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Continental will Antriebssparte Powertrain in jedem Fall abspalten
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20:13 02.09.2019
Die Produktion von 48-Volt-Antrieben für E-Mobilität ist ein wichtiges Geschäftssegment der Powertrain-Sparte. Quelle: Timm Schamberger
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Hannover

Continental will die Antriebssparte Powertrain offenbar um jeden Preis auf eigene Beine stellen – damit soll die Division flexibler auf den Wandel der Branche reagieren können. Falls ein Teilbörsengang an einem mangelnden Interesse der Investoren scheitern sollte, prüft der Vorstand nun die Variante eines sogenannten Spin-offs. Dabei würden den Aktionären des Autozulieferers nach einer Abspaltung des Unternehmensbereichs Powertrain-Aktien ins Depot gebucht. „Mit diesem Vorgehen stellen wir sicher, dass unser Antriebsgeschäft seinen vielversprechenden Zukunftskurs 2020 zu den dann bestmöglichen Bedingungen einschlagen kann“, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart am Montag in Hannover.

Die Ausgliederung von Powertrain ist Teil des geplanten Konzernumbaus. Continental will sich zu einer Holding mit drei Säulen wandeln – der Rubber-Gruppe mit dem Reifengeschäft, der Automotive-Gruppe mit dem Zuliefergeschäft und der Antriebstechniksparte, die künftig als Vitesco Technologies firmiert. Die absehbare Abkehr vom Verbrennungsmotor setze die Branche immer stärker unter Druck, hieß es. Daher benötige Powertrain einen „schnell verfügbaren, unternehmerischen Freiraum“, sagte Spartenchef Andreas Wolf: „Wir sind bereit für den Sprung vom Startblock in die Zukunft.“

Börsengang steht auf der Wunschliste weiter oben

Dem Vernehmen nach bevorzugt der Vorstand weiterhin einen Börsengang, auch weil dadurch Geld in die Kasse käme. Ursprünglich konnte der Konzern auf Einnahmen zwischen 3 und 4,5 Milliarden Euro für ein Aktienpaket von 25 Prozent spekulieren – doch die Basis für solche Rechenspiele ist inzwischen eine andere: Im März musste Continental die Börsennotierung der Sparte wegen der veränderten Marktlage auf das nächste Jahr verschieben; seither hat sich die Stimmung weiter verdüstert.

Als Alternative werde deshalb ein Spin-off geprüft, teilte Conti mit. Wie dieses Szenario aussehen könnte, zeigt das Beispiel Osram: Siemens hatte seine Lichttechnik-Tochter im Jahr 2013 auf diesem Weg an die Börse gebracht. Siemens-Aktionäre erhielten seinerzeit für zehn Anteilsscheine des Elektrokonzerns eine Aktie von Osram. Die Voraussetzung für einen solchen Schritt wäre die Zustimmung der Conti-Hauptversammlung, auf der die Familie Schaeffler als größter Aktionär den Ton angibt. Die Details eines möglichen Spin-offs seien derzeit offen, hieß es.

IG Metall ist gegen „Auswildern aus dem Konzern“

Ungeklärt ist auch, in welcher Gestalt Powertrain aus dem Konzern ausgegliedert wird. Derzeit verhandelt das Management mit den Arbeitnehmervertretern über einen Sparplan – dabei stehen dem Vernehmen nach neun von weltweit 32 Standorten auf dem Prüfstand. Auch deutsche Werke könnten geschlossen werden, berichten Gewerkschafter.

Die vom Continental-Vorstand gegebene Beschäftigungsgarantie bis 2023 für die rund 12 000 Beschäftigten der Sparte in Deutschland soll nur „für den Fall gesellschaftsrechtlicher Veränderungen“ gelten, wie Degenhart bekräftigte. Ein Stellenabbau wegen eines Mangels an Aufträgen wäre demnach also möglich. Die Arbeitnehmervertreter fordern dagegen, alle Arbeitsplätze zu erhalten: „Ein Auswildern aus dem Konzern zulasten der Powertrain-Beschäftigten werden wir nicht akzeptieren“, sagte die zweite Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, die auch stellvertretende Aufsichtsratschefin bei Continental ist.

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Von Jens Heitmann

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