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Weltweit Montag eröffnet Leitmesse der Pflegewirtschaft
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Montag eröffnet Leitmesse der Pflegewirtschaft
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19:55 21.03.2010
Von Veronika Thomas
Morgen kommen die Besucher: Aufbauarbeiten an den Messeständen der Altenpflege 2010 in Hannover. Quelle: Martin Steiner
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Die immer älter werdende Gesellschaft beschert der Pflegewirtschaft glänzende Zukunftsperspektiven, stellt Kommunen und Wohnungsunternehmen aber vor große Herausforderungen. Für die Beschäftigten entwickelt sich die Branche indes zum Jobmotor. Bereits heute sind mit rund 800.000 Mitarbeitern in der Pflege so viele Menschen beschäftigt wie in der Automobilindustrie – mit steigender Tendenz. Jeder fünfte Bundesbürger ist älter als 65 Jahre, bis zum Jahr 2035 steigt der Anteil auf mehr als 30 Prozent an, wobei die Gruppe der über 80-Jährigen auf sieben Millionen Menschen anwachsen soll.

Am Montagabend eröffnet Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) die Altenpflege 2010, die Leitmesse der Pflegewirtschaft, die vom 23. bis 25. März auf dem hannoverschen Messegelände neueste Trends und Entwicklungen zeigt. „Die Pflegebranche bietet gute Karrierechancen und sichere Arbeitsplätze, hier geht es nicht um einen Billiglohnsektor“, sagt Herbert Mauel, Geschäftsführer des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (BPA).

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Der derzeit geforderte Mindestlohn für die Pflege bezöge sich ausschließlich auf Pflegehilfskräfte. Weil die gesamte Branche unter einem Mangel an Fach- und Führungskräften leide, könnten diese nur über höhere Gehälter rekrutiert werden, sagte der Pflegeexperte Holger Göpel von dem in Hannover erscheinenden Branchendienst Care Invest des Fachverlags Vincentz Network.

Besonders für Wohnungsunternehmen bedeutet die immer älter werdende Bewohnerschaft ein „Megathema“, denn sie haben ein großes Interesse daran, ihre alten Mieter in den Wohnungen zu halten, sagte Göpel weiter. Weil erst etwa fünf Prozent aller Wohnungen altengerecht umgebaut worden seien, bestehe hier ein großer Nachholbedarf. Aus Kostengründen werde aber künftig nicht mehr überall barrierefrei umgebaut, sondern nur noch barrierearm. Die Versorgung der betagten Mieter werde künftig in Kooperation mit sozialen Diensten, durch Nachbarschaftszentren, 24-Stunden-Notrufsysteme und jederzeit abrufbare Serviceleistungen gesichert.

Während die Nachfrage nach klassischen Altenwohnanlagen stark rückläufig ist, boomt der Bau von Pflegeheimen. „Jeden Tag wird bundesweit ein Pflegeheim neu eröffnet oder mit dem Bau begonnen“, berichtete Göpel. Aufgrund des schwindenden Zusammenhalts in den Familien gewinne professionelle stationäre Pflege an Bedeutung. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass bis 2020 mehr als eine Million Menschen auf stationäre Pflege angewiesen sind, heute sind es rund 710 000.

Im gleichen Zeitraum soll das Marktvolumen der Pflegebranche nach Expertenschätzungen von heute 27 auf 45 Milliarden Euro steigen. Branchenkenner prognostizieren eine Zunahme stationärer Pflegeeinrichtungen von derzeit knapp 11 000 auf bundesweit mehr als 13 000. Die Lebenserwartung der Bevölkerung steigt ebenfalls weiter an. Jedes zweite heute geborene Mädchen hat die Chance, 100 Jahre alt zu werden.

Der anhaltende Boom beim Pflegeheimbau führt nach Ansicht von Fachleuten in den nächsten Jahren zu einem Verdrängungswettbewerb, der über bauliche Konzepte, Serviceangebote und Spezialisierungen etwa im Bereich Palliativpflege oder Hospizversorgung ausgetragen wird. Schon heute richteten einzelne Heime Supermärkte und Andachtsräume in den Häusern ein und entwickelten sich zu Dienstleistungszentren in den Stadtteilen. Dort werde nicht mehr nur das Essen für die Heimbewohner gekocht, sondern auch für die Kinder der benachbarten Kita. Die alten Schwimmbäder werden zu Wellnesszentren auch für externe Besucher ausgebaut.

Neuesten Zahlen zufolge wird die Mehrzahl der bundesweit 2,25 Millionen Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Rund eine Million Menschen werden ausschließlich von ihren Angehörigen gepflegt, 504 000 durch ambulante Pflegedienste. 32 Prozent der Pflegebedürftigen, das sind 709 000 Menschen, leben in einem der 11 000 Pflegeheimen im Bundesgebiet. Ihr Durchschnittsalter beim Einzug beträgt 85 Jahre.

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