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Weltweit Mit Charme-Offensive gegen Fachkräftemangel
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Mit Charme-Offensive gegen Fachkräftemangel
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08:26 27.10.2013
Torsten Slink, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertags (NIHK): „Der Wettbewerb um die besten Köpfe ist längst im Gange.“ Quelle: dpa (Archiv)
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Hannover

Die Suche nach Fachkräften belastet Niedersachsens Betriebe durch höheren Aufwand für Betreuungsangebote oder Nachhilfe für schulisch schwächere Auszubildende. „Wir haben Umfragen, wonach bis zu 60 Prozent unserer Betriebe Nachhilfe organisieren“, sagt Torsten Slink, der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertags (NIHK). Firmen umwerben gute Mitarbeiter zudem gezielt durch Charme-Offensiven im In- und Ausland. Nach Schätzungen des Wirtschaftsministeriums dürften in Niedersachsen bis zum Jahr 2030 insgesamt rund 670.000 Erwerbstätige fehlen, wenn sich der Trend nicht dreht. Eine Aufschlüsselung nach fehlenden Fachkräften gibt es nicht.

„Der Wettbewerb um die besten Köpfe ist längst im Gange, wir suchen auch aus Niedersachsen heraus in anderen Bundesländern nach Fachkräften“, sagte Slink der Nachrichtenagentur dpa. „Die Betriebe versuchen etwa auf Messen gezielt Menschen anzusprechen, die mal in der Region gelebt haben, um sie zu animieren, zurück in die Heimat zu kommen.“ Der Fachkräfte-Mangel werte zugleich die Berufschancen älterer Mitarbeiter auf und habe schon vor geraumer Zeit zum Umdenken geführt: „Die Trendwende ergibt sich aus der Tatsache heraus, dass die Zahl der Jugendlichen zahlenmäßig nicht mehr ausreicht.“

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Chance für ältere Mitarbeiter

Gerade im Nordwesten Niedersachsens gebe es viele interessante Betriebe, bei denen sich die ländliche Lage als Nachteil erweise. „Wie wollen Sie jemanden aus Süddeutschland oder dem Ausland in ein eher unbekannteres Dorf irgendwo in Niedersachsen bekommen? Da muss man schon etwas mehr tun als nur nur zu sagen: Du verdienst auch hier gutes Geld - sowas reicht heute nicht mehr aus.“ Die Betriebe hätten heute zudem ein verstärktes Interesse daran, ältere Mitarbeiter länger aktiv im Betrieb zu behalten. Slink: „Sie müssen dann aber auch verstärkt in die Aus- und Weiterbildung älterer Mitarbeiter investieren.“

Viele niedersächsische Unternehmen reagierten bereits auf die Situation - auch wenn es da noch Luft nach oben gibt. Das gleiche gelte für die Frauen-Beschäftigungsquote, sagte Slink. Verstärkte Unterstützungsangebote wie Kindertagesstätten oder andere Betreuungsangebote - auch durch Partnerschaften verschiedener Betriebe - seien dafür gerade auf dem Land unabdingbar. Hier sei auch die Landesregierung gefordert, entsprechende Angebote zu fördern.

Slink fordert angesichts der stärker werdenden Mobilität zudem eine größere Durchlässigkeit der Schulsysteme, um einen Ortswechsel zwischen den Bundesländern zu erleichtern. Nachbesserungs-Bedarf macht er bei der von neun auf acht Jahre verkürzten Abitur-Ausbildung (G8) aus: „Wir sind vom Grundsatz für G8 - aber dann muss man die Lehrpläne auch so gestalten, dass sie für Kinder und Lehrer in der kürzeren Zeit auch umsetzbar sind.“ Das duale Ausbildungssystem in Deutschland wertete er als Erfolg, der bei internationalen Bildungsstudien noch immer viel zu wenig gewürdigt würde.

dpa

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