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Weltweit Piloten dürfen weniger fliegen
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Piloten dürfen weniger fliegen
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00:15 12.10.2013
Piloten sind unzufrieden mit dem Beschluss des EU-Parlaments die Dienstzeit von Flugzeugführern um eine knappe Stunde zu senken. Quelle: dpa
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Straßburg

Wenn Piloten weniger fliegen müssen, ist das eine gute Nachricht auch für die Passagiere. Doch kaum hatte das Europäische Parlament in Straßburg am gestrigen Mittwoch die Dienstzeiten der Flugzeugführer und ihrer Crews um eine knappe Stunde verkürzt, hagelte es auch schon massive Kritik. Sogar von spontanen Streiks der Piloten bereits am frühen Donnerstagmorgen war die Rede. Die Verbände zogen es allerdings vor zu schweigen. Dabei hatte die Mehrheit der Europa-Abgeordneten alle bisherigen Beratungen kurzerhand auf den Kopf gestellt und sich der zuvor heftig kritisierten Vorlage der EU-Kommission angeschlossen.

Diese sieht vor, dass die Piloten in der Nacht nicht mehr knapp zwölf, sondern nur noch höchstens elf Stunden im Cockpit sitzen dürfen. Als Nachtflugzeiten soll der Neuregelung zufolge die Zeitspanne zwischen 17 Uhr und fünf Uhr morgens gelten. Heute ist dies für die Zeitspanne von 19 Uhr bis vier Uhr morgens der Fall. Aufs Jahr gerechnet wird die Dienstzeit am Steuerknüppel von 1300 auf 1100 Stunden reduziert, der Bereitschaftsdienst muss auf 16 Stunden begrenzt werden. Doch was zunächst gut klingt, ist nach Meinung der Pilotengewerkschaften, die sich auf namhafte Wissenschaftler berufen, weiterhin ein gefährliches Spiel: Im Vorfeld hatten Mediziner von höchstens zehn Stunden in der Nacht und elf (statt 13) Stunden am Tag gesprochen. Die EU-Agentur für Flugsicherheit (EASA) machte daraus in ihrem Vorschlag für die EU-Kommission elf Stunden in der Nacht und zwölf am Tag.

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Erbost reagierte der SPD-Verkehrsexperte Knut Fleckenstein: „Wenn die von der EASA selbst beauftragten Wissenschaftler einstimmig zu dem Ergebnis kommen, dass eine Nachtflugzeit von mehr als zehn Stunden die Sicherheit gefährdet, kann ich doch nicht einer Regelung zustimmen, die einfach eine Stunde draufschlägt.“ Die Grünen-Abgeordnete Eva Lichtenberger hatte sogar ausgerechnet: „Laut Studien würde ein weiterer Pilot auf Langstrecken jeden Passagier nur 1,50 Euro mehr kosten. Günstiger ist Sicherheit nicht zu haben.“ Das Problem der Flugzeugführer sind Dienstzeiten, die sich addieren, sodass unterm Strich Wachphasen von bis zu 22 Stunden herauskommen. „Wenn Bereitschaft und Flugdienst kombiniert werden, kann es vorkommen, dass wir nach 19 Stunden 30 Minuten noch eine komplizierte Landung schaffen müssen“, hatte im Vorfeld ein Pilot erklärt, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Die Europa-Abgeordneten aber steckten in einem Dilemma. Sie konnten nur zwischen den als unzureichend geltenden kürzeren Dienstzeiten der EU-Kommission und dem jetzigen Status wählen. Hätten sie das zur Abstimmung stehende Papier abgelehnt, wären die Piloten weiterhin verpflichtet gewesen, nach den heutigen Regelungen zu fliegen. Die sind noch schlechter. Ob die Betroffenen sich mit der weniger schlechten Lösung zufrieden geben, ist nun offen. Mit Streiks, so hieß es in den vergangenen Tagen, müsse aber wohl in jedem Fall gerechnet werden.

Von Detlef Drewes

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