Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit Genug ist nie genug
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Genug ist nie genug
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:04 07.09.2013
Von Klaus von der Brelie
Steuerung per Touchscreen: In der Lüneburger Heide hat die Kartoffelernte begonnen. Quelle: dpa (Symbolbild)
Anzeige
Bergen

Ein grüner Trecker zieht eine große rote Maschine über den Acker. Es staubt. Auf den ersten Blick ein gewohntes Bild, ein Heidebauer erntet Kartoffeln. Und doch ist hier nichts mehr so wie früher. Per Touchscreen werden die Roder gesteuert. Ein halbes Dutzend Kameras vermitteln dem Treckerfahrer jederzeit einen Einblick in das Geschehen auf und hinter der Maschine. Diese ist so konstruiert, dass die Knollen in jedem Arbeitsgang äußerst sanft behandelt werden. Schäden an der Schale müssen unbedingt vermieden werden – sie würden  den Verkaufserlös nachhaltig senken.

Karl-Hinrich Mayer baut seit Jahrzehnten Kartoffeln an. Der Landwirtschaftsmeister aus Hoope im Kreis Celle sagt, dass ihm das Freude bereite und auch gute Erlöse einbringe: „Aber alles muss optimal laufen – man muss immer ein Auge dafür haben, was man noch besser machen kann.“ Mit diesem Rezept scheint er Erfolg zu haben. Vor 15 Jahren, als der 48-Jährige den Betrieb von seinem Vater übernahm, spielte die Kartoffelerzeugung auf dem typischen Heidehof nur eine Nebenrolle. Inzwischen ist die Anbaufläche von 22 auf 150 Hektar gewachsen. Auch der Ertrag je Hektar ist gestiegen, auf 60 bis 70 Tonnen. „Normal sind gut 40 Tonnen“, sagt Mayer. Seine extrem guten Erträge führt er unter anderem auf die hohe Bodenqualität zurück. In Hoope, am Westrand des Truppenübungsplatzes Bergen, gibt es gute, helle Lehmböden. Da gedeihen Kartoffeln besser als im kargen Heidesand.

Anzeige

Bis zu 10 000 Tonnen will Bauer Mayer auch in diesem Jahr ernten und bundesweit vermarkten. Theoretisch könnte er die Rodearbeiten in 15 Tagen erledigen. „An guten Tagen schaffen wir zehn Hektar“, sagt er, „früher waren es meist nur zwei.“ Personalintensiv ist die Kartoffelernte schon lange nicht mehr. Mayer kommt mit sechs Arbeitskräften aus. Sein Vater (75) fährt den Roder, ein Treckerfahrer und zwei Mitarbeiter sind mit dem Einsammeln der Knollen beschäftigt. Ein weiterer Fahrer bringt die Ernte mit großen Muldenkippern vom Feld zum Hof. Dort ist Mayer als Staplerfahrer im Einsatz, in großen Kisten verteilt er die Kartoffeln in den Lagerhallen.

Nach dem Roden gönnt Mayer seinen Knollen aber zunächst ein Sonnenbad auf dem Acker. Dafür hat er einen modernen Reihenleger angeschafft. Er holt die Erdäpfel von jeweils vier Anbaureihen aus dem Boden und befreit sie vom Kraut. Dabei werden sie behutsam gesäubert. Vater Mayer ist dabei allein auf dem Feld unterwegs. In der Kabine des Treckers bietet ihm Hightech höchsten Komfort. Per Knopfdruck bedient er den Roder. Dass ihm die Arbeit gefällt, sieht man ihm an.

Der Platz an der Sonne, der den Knollen für etwa eine Stunde zugewiesen wird, bringt dem Kartoffelbauern bares Geld ein. „Sie trocknen ab, lassen sich so besser lagern – und sie hellen optisch ein bisschen auf“, erzählt Mayer. „Helle Ware verkauft sich besser.“

Mit einem zweireihigen Vollroder werden die Kartoffeln im zweiten Schritt aufgelesen. Dabei laufen sie über Bürsten und Rotorwellen in einen 8,5 Tonnen fassenden Bunker. Er ist mit allerlei Folien gepolstert, damit sie nicht beschädigt werden, wenn sie hineinplumpsen.

Die Muldenkipper, mit denen die Ernte zum Hof gefahren wird, sind mit Kunststoffmatratzen ausgestattet. Auch in dieser Phase werden die Kartoffeln fast so behutsam behandelt wie rohe Eier. Dann  werden sie vorsortiert, erneut gereinigt und dann vollautomatisch in Kisten gefüllt. Jeweils 1,5 Tonnen passen in eine Box. 5000 dieser Kartoffelkisten kann Mayer in seinen Hallen unterbringen. Um die Klimatisierung dort kümmert sich eine elektronische Steuerung. Sie regelt Kühlung und Lüftung und kann jederzeit per Smartphone kontrolliert werden. „Die Technik ist ihr Geld wert“, sagt der Bauer: Sie erlaubt ihm, die Knollen bis zu neun Monate in der Scheune zu behalten, ohne dass die Qualität leidet. Dass er seine Ware auch mit elektronischer Unterstützung in 25-Kilo-Säcke verpackt, bevor er sie verkauft, ist für Mayer längst selbstverständlich. Auch das spart Personalkosten.

Wer in dem Betrieb nach Schwachstellen sucht, hat es schwer. „Wir sind inzwischen ganz gut aufgestellt“, sagt Technik-Freak Mayer. Über Zahlen spricht er nicht. Nur so viel lässt er sich entlocken: Der Kapitaleinsatz sei ziemlich hoch. Aber in den vergangenen Jahren habe man mit Kartoffeln auch gutes Geld verdienen können.

Auf den Feldern des 260 Hektar großen Betriebes, der auch Zuckerrüben und Getreide anbaut, wachsen 15 verschiedene Kartoffelsorten. Neben rund 6000 Tonnen Speisekartoffeln werden 2000 Tonnen Pflanzkartoffeln produziert. Weitere 1000 Tonnen erhält die Stärkefabrik im benachbarten Wietzendorf. Frühkartoffeln hat Mayer nicht im Angebot. „Aber wir liefern den Kollegen im Raum Burgdorf schon lange die Pflanzkartoffeln.“

Auf die Frage, welche Sorten ihm persönlich am besten schmecken, kommt Mayers Antwort sofort: „Allians und Belana. Aber schön klein sollten sie sein – dann ist das Aroma besonders konzentriert.“

Weltweit Opposition: „Scheitern der Versicherungspflicht“ - Nur wenige Minijobber zahlen Rentenbeiträge
06.09.2013
06.09.2013