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Weltweit Land und Sparkassen wollen die Bank retten
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Land und Sparkassen wollen die Bank retten
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19:32 31.01.2019
Ein Passant läuft an einer Filiale der Sparkasse in Hannover vorbei. Quelle: dpa
Berlin/Hannover

Das Land Niedersachsen und die Sparkassen wollen die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) gemeinsam retten. Der Deutsche Giro-und Sparkassenverband erklärte sich am Donnerstag bereit, sich ihm Rahmen einer Beteiligung an der Sanierung der Nord/LB zu beteiligen. Damit sei der Weg „für einen wertschonenden Umbau“ frei – sofern die Aufsichtsbehörden dieser Lösung zustimmen, teilte der Sparkassen-Verband am Donnerstag nach einer Mitgliederversammlung in Berlin mit.

Die niedersächsische Landesregierung begrüßte die Entscheidung. Das Sparkassen-Lager zeige mit seinem Beschluss „ein hohes Maß an Verantwortung“, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Das Finanzministerium kündigte an, die Abstimmung mit den anderen Trägern der Nord/LB, der EU-Kommission und der Aufsicht jetzt zügig voranzutreiben. Die Übereinkunft mit den Sparkassen biete eine „vielversprechende Perspektive“, erklärte Ressortchef Reinhold Hilbers (CDU).

Weil faule Schiffskredite ihre Bilanz belasten, benötigt die Landesbank eine Kapitalspritze von etwa 3,5 Milliarden Euro. Da das Land Niedersachsen, das rund 59 Prozent der Anteile an der Nord/LB hält, diese Summe wegen der EU-Beihilferichtlinien nicht allein aufbringen darf, sind weitere Geldgeber gefragt. Der Sparkassenverband Niedersachsen (rund 26 Prozent der Anteile) hatte vor Weihnachten weitere Hilfen noch kategorisch ausgeschlossen – zuletzt war jedoch wieder Bewegung in die Debatte gekommen.

Verantwortlich für den Stimmungswandel waren auch die beiden Finanzinvestoren Cerberus und Centerbridge, die ein gemeinsames Angebot für einen Einstieg bei der Nord/LB vorgelegt haben. Beide sind bereit, zusammen 600 Millionen Euro zu investieren und fordern dafür jeweils einen Anteil von 24,9 Prozent an der Landesbank, für Niedersachsen würde dann eine knappe Mehrheit von 50,2 Prozent bleiben. Das Land hätte als Träger der Bank in diesem Fall weitere 2 Milliarden Euro zuführen müssen.

Die Finanzinvestoren hatten jedoch die Politik gegen sich aufgebracht, weil mit ihrem Angebot weitere Bedingungen verknüpft sind: So sollte das Land Niedersachsen für die Pensionsverpflichtungen der Nord/LB-Mitarbeiter einstehen – diese Verpflichtungen belaufen sich auf rund 1,5 Milliarden Euro. Zudem verlangen Cerberus und Centerbridge, dass die Träger der Bank für Ausfallrisiken von Anleihen haften. Ein solches Angebot sei „nicht unterschriftsreif“, verlautete aus dem Landtag. Die Finanzinvestoren hätten sich damit selbst aus dem Spiel genommen.

Auch bei der Auffanglösung der Sparkassen ist vorgesehen, dass die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt den größten Anteil der Hilfen für die Nord/LB beisteuern – einen kleineren Teil sollen die an der Bank beteiligten Sparkassen aus Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stemmen. Darüber hinaus soll dem Vernehmen nach auch der Sicherungsfonds aller deutschen Sparkassen in Anspruch genommen werden – die Hilfen der Sparkassen addierten sich insgesamt auf rund 1,2 Milliarden Euro, hieß es.

Als sicher gilt, dass die Nord/LB künftig deutlich schrumpfen wird. Die Bilanzsumme der noch achtgrößten deutschen Bank von derzeit 155 Milliarden Euro könne sich nahezu halbieren, hieß es. Von den aktuell 5900 Mitarbeitern könnten mittelfristig etwa 3500 übrig bleiben, verlautete aus der Landespolitik. Die Bank selbst hat bereits den Abbau von 1250 Stellen angekündigt – das soll nach Einschätzung von Insidern aber nicht reichen. Ohne frisches Kapital würde der Nord/LB die Abwicklung drohen.

Von Jens Heitmann

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