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Weltweit Nord/LB kommt bei Sanierung voran – rechnet aber weiter mit Verlust
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Nord/LB kommt bei Sanierung voran – rechnet aber weiter mit Verlust
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19:57 29.08.2019
„Die notwendige Verschlankung der Bank hat begonnen und trägt erste Früchte“: Der Sitz der Nord/LB in Hannover. Quelle: dpa
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Hannover

Die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) kommt beim Abbau ihrer Not leidenden Schiffskredite voran. Von 7,3 Milliarden Euro zu Jahresbeginn sei dieses Portfolio bis Ende Juni auf 4,3 Milliarden Euro geschrumpft, teilte das Institut am Donnerstag bei der Vorlage der Zwischenbilanz mit. Bis zum Jahresende wolle man die Summe auf unter 3 Milliarden Euro senken. „Mit dem Geschäftsverlauf in der ersten Jahreshälfte können wir durchaus zufrieden sein“, sagte Vorstandschef Thomas Bürkle.

In den ersten sechs Monaten hat die Nord/LB ihr Ergebnis deutlich verbessert: Mit 149 Millionen Euro fiel der Konzerngewinn Ende Juni fast dreimal so hoch aus wie im Vorjahreszeitraum. Diese Entwicklung werde jedoch nicht anhalten, sagte Bürkle. Angesichts der anstehenden Restrukturierungsaufwendungen für den geplanten Stellenabbau rechne man für das Gesamtjahr weiterhin mit einem Verlust: „Die Neuausrichtung der Nord/LB wird uns alles abverlangen, und sie dürfte sich auch im kommenden Jahr dämpfend auf das Unternehmensergebnis auswirken.“

Warten auf grünes Licht aus Brüssel geht weiter

Die Landesbank ist aufgrund maroder Schiffskredite in Schieflage geraten. Vor allem wegen der Wertberichtigungen auf dieses Portfolio verbuchte die Nord/LB im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von 2,35 Milliarden Euro. Deshalb braucht die Bank frisches Geld von ihren Trägern. Mit einer Kernkapitalquote – das ist das prozentuale Verhältnis zwischen dem Eigenkapital einer Bank und den Kreditrisiken – von aktuell 6,63 Prozent unterschreitet die Nord/LB die Vorgaben der Aufsicht von 10,6 Prozent deutlich. Durch eine Zahlung von 2,8 Milliarden Euro in bar durch die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie durch die Sparkassen-Familie soll die Kernkapitalquote auf 14 Prozent steigen.

Noch immer steht jedoch die Entscheidung der EU-Kommission aus, ob die vorgesehene Finanzspritze mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar ist. Erst dann kann das Geld fließen. Ursprünglich hatte die Nord/LB damit bis Ende September gerechnet, nun deuten die Zeichen aus Brüssel auf das vierte Quartal hin. Dem Vernehmen nach soll die Entscheidung noch von der aktuellen Kommission getroffen werden; der scheidende Haushaltskommissar Günther Oettinger hatte kürzlich entsprechende Signale gegeben.

Hilbers wertet Kostensenkung als gutes Omen

Die Nord/LB steht vor einer deutlichen Verkleinerung: Die Bilanzsumme soll von zuletzt 154 auf 95 Milliarden Euro schrumpfen, die Zahl der Mitarbeiter wird den Plänen zufolge auf 2800 bis 3000 Vollzeitstellen zurückgehen – damit würden 1650 bis 1850 Jobs wegfallen. Die Bank will ihre Verwaltungskosten bis zum Jahr 2024 von rund einer Milliarde Euro auf 625 Millionen Euro drücken.

Im ersten Halbjahr lag der Verwaltungsaufwand mit 487 Millionen Euro rund 7 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Die Kosten für die Restrukturierung stiegen hingegen deutlich auf 71 (Vorjahr: 16) Millionen Euro. Die Risikovorsorge verringerte sich erheblich. „Es ist ein gutes Signal, dass sowohl die Personalaufwendungen als auch die Verwaltungsaufwendungen rückläufig sind“, sagte Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU), der auch Aufsichtsratschef der Nord/LB ist. Damit werde deutlich, „dass die notwendige Verschlankung der Bank begonnen hat und erste Früchte trägt“.

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Von Jens Heitmann

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