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Weltweit Wirtschaftsminister will Reeder schützen
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Wirtschaftsminister will Reeder schützen
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00:19 09.02.2019
Containerschiffe werden im Hamburger Hafen abgefertigt. Quelle: dpa
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Hannover

Das niedersächsische Wirtschaftsministerium will verhindern, dass die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) weitere faule Schiffskredite an einen Finanzinvestor verkauft. Der Grund dafür sei die Sorge deutscher Reeder, „dass die Käufer die Kredite fällig stellen und dann die Schiffe zu Crash-Preisen abstoßen“, sagte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) am Mittwoch der HAZ. Das gefährde die von den Reedern gegebenen Sicherheiten und könne die Unternehmen in eine Schieflage bringen.

Die Nord/LB hat am Wochenende ein Kreditportfolio von 263 Schiffen im Volumen von rund 2,7 Milliarden Euro an den US-Investor Cerberus verkauft. Zugleich kündigte die Bank an, ihre Altlasten im Schiffsbereich bis Ende dieses Jahres nahezu komplett abzubauen. Für ein zweites Kredit-Paket im Volumen von 3,9 Milliarden Euro hat die Bank bereits nach Interessenten gesucht. Ob es bereits bindende Angebote gibt, wollte ein Konzernsprecher nicht sagen.

„Wir sind uns der Sorgen der Reeder bewusst“, sagte Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU). Das Land müsse aber auch die Interessen der Nord/LB im Blick haben. Ohne den Abbau der notleidenden Schiffskredite gebe es keine Zukunftsperspektive für die Bank. Hilbers betonte, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Auch der Verkauf der Kredite werde weiterhin geprüft.

Althusmann plädiert dafür, die zweite Tranche notleidender Kredite entweder über eine landeseigene „Abbaubank“ zu veräußern oder dies gemeinsam mit Schleswig-Holstein und Hamburg zu tun. Das Kieler Finanzministerium hat bereits Erfahrungen mit diesem Geschäft aus der Abwicklung fauler Schiffskredite für die frühere HSH Nordbank. Deren Verwertung obliegt seither zu einem Teil der HSH Portfoliomanagement.

Diese Anstalt des öffentlichen Rechts betreiben Hamburg und Schleswig-Holstein gemeinsam, das Ziel ist die „möglichst wertschonende Abwicklung des Übertragungsportfolios“. Diese Aufgabe könne man möglicherweise auch für die verbleibenden faulen Schiffskredite der Nord/LB übernehmen, sagte die Kieler Finanzministerin Monika Heinold (Grüne). Man sei mit den Kollegen aus Hannover bereits in Gesprächen: „Klar ist, dass das Land Schleswig-Holstein dabei auf keinen Fall neue Risiken eingehen wird.“ Auch die Schiffsexperten der Nord/LB hätten die Option mit der HSH Portfoliomanagement bei Verhandlungen mit Finanzinvestoren bereits im Hinterkopf, sagte ein Insider: „Es ist immer gut, eine Alternative zu haben.“

Wenn Private-Equity-Gesellschaften wie Cerberus notleidende Kredite erwerben, befürchten Reeder den Verkauf von Schiffen gegen ihren Willen. „Schlimmer hätte es nicht kommen können“, sagte der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Harener Reeder, Bernd Sibum, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die kleine Stadt im Emsland gehört neben Leer und Hamburg zu den Top Drei der deutschen Reeder-Standorte. Etwa jeder zehnte nicht mehr bediente Kredit aus dem von der Nord/LB an Cerberus verkauften Paket soll für ein Schiff aus Haren ausgegeben worden sein.

Das Geschäftsmodell von Cerberus & Co. sei im Kern simpel, sagte ein Branchenkenner: „Die wollen sofort ans Blech.“ Die Nord/LB habe sich auch mal darauf eingelassen, einen Kredit zu strecken – so viel Entgegenkommen könnten Reeder von Finanzinvestoren nicht erwarten. Wenn Landesbanken unter dem Druck der Aufsichtsbehörden ihre Bilanzen von faulen Krediten befreien müssen, winken Bietern wie Cerberus beim Kauf hohe Rabatte. „Wenn sie die Schiffe dann einziehen und verkaufen, machen sie fast immer ihren Schnitt“, sagte der Insider. Die Renditeerwartungen solcher Investoren bewegten sich im Bereich von 15 Prozent.

Von Jens Heitmann

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