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Weltweit Sparkassen halten ihre Taschen zu
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Sparkassen halten ihre Taschen zu
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16:10 21.12.2018
Die Zentrale der Nord/LB in Hannover. Quelle: dpa
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Hannover

Die niedersächsischen Sparkassen wollen der Norddeutschen Landesbank kein frisches Geld zur Verfügung stellen. Nach HAZ-Informationen sind der Sparkassenverband und seine 43 Mitglieder nicht bereit, sich an der Kapitalerhöhung der Nord/LB zu beteiligen. „Wir werden keinen Cent mehr in diese Bank investieren“, verlautete am Freitag aus verbandsnahen Kreisen. Die Sparkassen halten 26 Prozent an der Nord/LB, knapp 60 Prozent liegen beim Land Niedersachsen.

Die Landesbank benötigt dem Vernehmen nach eine Kapitalstärkung von 3,5 Milliarden Euro, weil deren Bilanz durch faule Schiffskredite belastet ist. Ende September standen hier noch 7,3 Milliarden Euro in den Büchern. Die verbleibenden Kredite will die Bank verkaufen – wegen der zu erwartenden Abschläge wird das jedoch ein Loch in die Bilanz reißen.

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Um dieses zu stopfen, sind die Bank und ihre Träger auf der Suche nach einem Investor. Das Land Niedersachsen darf die Kapitalerhöhung nicht allein schultern, weil das gegen die EU-Beihilfe-Regeln verstößt. Aus diesem Grund soll per Bieterverfahren ein externer Geldgeber gefunden werden. Dem Vernehmen nach sind noch die US-Finanzinvestoren Cerberus und Centerbridge im Rennen – hinter den Kulissen werde auch noch mit der Landesbank Hessen-Thürigen (Helaba) gesprochen, hieß es.

Bei den Verhandlungen mit der Helaba und dem Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen als deren größtem Träger geht es nicht nur um eine Kapitalspritze für Nord/LB, sondern um einen Zusammenschluss beider Häuser. Sie könnte der Auftakt für eine Art Flurbereinigung im öffentlich-rechtlichen Bankensektor werden. Doch es hakt bereits beim ersten Schritt: Die Sparkassenverbände aus Niedersachsen und Hessen-Thüringen tun sich mit einer Annäherung schwer.

Die Nachbarn im Süden fordern, dass ihre Kollegen im Norden bei der Kapitalerhöhung für die Nord/LB mitziehen – die Niedersachsen werfen den Hessen vor, sie im Fall einer Fusion über den Tisch ziehen zu wollen. Dabei geht es um die Absicht der Helaba-Träger, vor einem Zusammenschluss mit der Nord/LB die wertvollsten Teile aus ihrer Landesbank herauszulösen – die GWH Immobilien Holding mit 40.000 Wohnungen und die Frankfurter Sparkasse. Die GWH wies zuletzt bei einem Umsatz von 320 Millionen einen Überschuss von 194 Millionen Euro aus, das ist eine höhere Rendite als die von Apple.

Sollte die gegenseitige Blockade zwischen den Sparkassenverbänden aus Niedersachsen und Hessen-Thüringen andauern, rückt der Einstieg eines Finanzinvestors bei der Nord/LB näher. Die Landesregierung ist darauf eingestellt: „Die Gespräche der Bank und ihrer Träger mit den Finanzinvestoren laufen wie geplant“, sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums. „Wir sind optimistisch, dass wir die Verhandlungen erfolgreich abschließen können.“

Von Jens Heitmann