Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit Opel entdeckt das Einstiegsmodell wieder
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Opel entdeckt das Einstiegsmodell wieder
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:45 22.07.2014
„Sehr interessantes Billigsegment“: Unterm Dacia-Blech steckt alte Renault-Technik. Quelle: dpa
Anzeige
Rüsselsheim/Wolfsburg

 Nachdem der Mutterkonzern General Motors (GM) entschieden hat, die Marke Chevrolet aus Europa abzuziehen, fehlt hier ein Angebot. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann lobte in der „Financial TimesRenaults Billigmarke Dacia. Zwar sei General Motors definitiv nicht Dacia: „Aber dieses ganze Billig- und Einstiegssegment ist sehr interessant. Wir schauen uns das sehr genau an.“ Mit neuen Modellen und Motoren peilt Opel spätestens 2016 die Gewinnschwelle an. 2022 soll die Marke die Nummer zwei in Europa hinter VW sein.

Schon Anfang Juni hatte Neumann gesagt, er könne sich ein Auto unterhalb des Modells Adam sehr gut vorstellen. Der in Eisenach gebaute Adam wurde bewusst als Lifestyle-Mini konzipiert und preislich etwas höher angesetzt – die Preisliste beginnt bei knapp 12 000 Euro. Doch nicht zuletzt durch die Wirtschaftskrise in Südeuropa gewinnen wieder praktische, einfache Autos an Bedeutung. So verkaufte Dacia im ersten Halbjahr in Europa 193 000 Autos – gut ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Der Markt legte nur um 6 Prozent zu.

Anzeige

Der Automarkt wächst am oberen und am unteren Ende der Preisskala. Premiummarken und Billiganbieter haben Erfolg, das mittlere Segment dünnt aus. „In Europa sind immer mehr Premiumhersteller in untere Segmente vorgedrungen. Dadurch sind die Marktanteile der Mittelklasse-Autobauer geschrumpft“, heißt es in einer Studie des Beratungsunternehmens IHS Automotive. Autobauer wie Opel könnten dies kompensieren, indem sie noch kleinere Autos anbieten. Doch je kleiner die Wagen, umso kleiner die Marge.

Den Vergleich mit der rumänischen  Renault-Tochter scheut Opel. Man plane „kein Billigmodell à la Dacia“, hieß es in Rüsselsheim. Aber man wolle ehemalige Chevrolet-Kunden an Opel binden. Die Marke mit Produktion in Südkorea ist – Corvette und andere US-Klassiker ausgenommen – bei GM für das Billigsegment zuständig.

Auch bei Volkswagen wird ein Auto entwickelt, das rund 7000 Euro kosten, zunächst aber nicht in Europa verkauft werden soll. Das „Budget Car“ wird vor allem für China konzipiert und wird wahrscheinlich unter einer eigenen Marke verkauft. Das Projekt macht allerdings beträchtliche Mühe: Seit Monaten heißt es, man sei kurz vor der endgültigen Entscheidung – gefallen ist sie aber offenbar noch nicht.

Den Einstieg in die Konzernwelt bieten bisher Skoda Citigo und Seat Mii – Schwestermodelle des VW Up – zu Startpreisen von rund 9000 Euro. Für den Bedarf in Schwellenländern bieten sie allerdings zu wenig Platz. Das künftige „Budget Car“ wird wohl nicht auf ihrer Plattform aufbauen. Eine Partnerschaft mit Suzuki war ursprünglich auch geschlossen worden, um das Know-how der Japaner im Billigsegment zu nutzen. Doch man hat sich zerstritten, die Partnerschaft liegt auf Eis, und VW muss sein Auto selbst entwickeln.

Opel wird gestärkt

Europazentrale in Rüsselsheim: Die neu gegründete Opel Group übernimmt die Verantwortung für das gesamte GM-Geschäft in Europa. Die Änderung gilt rückwirkend zum 1. Juli 2014, wie die Adam Opel AG gestern in Rüsselsheim mitteilte: „In der neuen Gesellschaft bündelt das Unternehmen die Verantwortlichkeiten für Opel/Vauxhall sowie alle anderen Aktivitäten von GM in Europa – inklusive Russland.“ Dazu gehören die Marken Chevrolet und Cadillac. Die Geschäftsführung der Opel Group unter Leitung von Karl-Thomas Neumann sei fast identisch mit dem bisherigen Vorstand der Adam Opel AG, der auf zwei Mitglieder schrumpft und von Entwicklungsvorstand Michael Ableson geführt wird. Zudem ziehen Finanzvorstand Michael Lohscheller und Neumann in den Aufsichtsrat der Adam Opel AG ein. Das operative Geschäft der Adam Opel AG bleibe von der Neuorganisation unberührt. Rund 100 Mitarbeiter der AG wechseln in die Schwestergesellschaft. Die IG Metall begrüßte, dass die Mitbestimmung der Arbeitnehmer unverändert sichergestellt sei.

Von Harald Schmidt
und Stefan Winter

21.07.2014
Weltweit Aldi-Gründer Karl Albrecht ist tot - In aller Stille
Lars Ruzic 24.07.2014
Weltweit Günstiges Einstiegsmodell geplant - Ein Opel für unter 10.000 Euro
21.07.2014