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Weltweit 100 000 Euro Pacht für ein Windrad
Nachrichten Wirtschaft Weltweit 100 000 Euro Pacht für ein Windrad
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19:56 21.04.2014
Von Jens Heitmann
Nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie (BWE) klettern die Pachtkosten auf breiter Front. Quelle: Hauke-Christian Dittrich
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Hannover

Die steigenden Pachten für Windkraftanlagen stellen die Betreiber vor Probleme. Nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie (BWE) klettern die Pachtkosten auf breiter Front. Vor fünf Jahren hätten die Betreiber durchschnittlich 4 bis 5 Prozent ihrer Erträge an den Landeigentümer abgeben müssen, inzwischen seien es 6 Prozent. Zuweilen würden aber auch mehr als 10 Prozent verlangt – und gezahlt, heißt es. Für Anlagen an windstarken Standorten im Norden kassierten Grundbesitzer bis zu 100 000 Euro Pacht im Jahr. „Das ist zuletzt ein bisschen ausgeufert“, sagt der Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig vom Auricher Marktführer Enercon, der hierzulande die meisten Anlagen installiert.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen führen die kräftigen Einschnitte bei den Vergütungen für Solarparks dazu, dass etliche Projektentwickler auf die Windkraft umgeschwenkt sind. „Die ziehen zum Teil wie Drückerkolonnen durchs Land und akquirieren Stellflächen fast um jeden Preis“, berichtet ein Beteiligter. „Absurderweise werden diese an der Zahl der Abschlüsse gemessen und nicht an der Höhe der Kosten.“

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Hinzu kommt, dass vielerorts windreiche Standorte allmählich knapp werden. Insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg liegen solche Flächen häufig in den Staatsforsten, in Ostdeutschland bestimmt oft die staatliche Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH, wo und zu welchem Preis neue Windkraftanlagen installiert werden dürfen. Forderungen von 10 Prozent des Ertrages als Pacht seien keine Seltenheit, heißt es in der Branche. „Der Staat ist damit ein Preistreiber“, sagt BWE-Präsidentin Sylvia Pilarsky-Grosch.

Beispiel Baden-Württemberg: Seit in Stuttgart Grün-Rot die Landesregierung stellt, wird dort der Ausbau der Windkraft aktiv vorangetrieben – der Energiewende wegen, aber auch aus fiskalischem Interesse. Dank der Pachtverträge mit den Betreibern der Anlagen, die auf staatlichen Stellflächen stehen, steigen die Einnahmen steil an: Von 2011 bis 2013 haben sie sich auf rund 200 000 mehr als verdoppelt – bei nur neun in Betrieb genommenen Windrädern. Das soll aber erst der Anfang sein. Nach Angaben der Landesregierung haben die staatlichen Forste bis Ende Januar bereits 25 neue Standortsicherungsverträge abgeschlossen, 100 weitere könnten folgen.

Die Rendite ist beträchtlich: In den 2012 abgeschlossenen Pachtverträgen sicherte sich das Land Umsatzbeteiligungen zwischen 4 und 9,1 Prozent, im vergangenen Jahr waren es bereits 5 bis 10,1 Prozent, für 2014 sollen Vertragsabschlüsse mit Margen von 6 bis 10 Prozent folgen. Damit liege das Ländle im Trend, heißt es in der Branche: Staatliche Stellen zeigten sich „sehr einnahmeorientiert“.

In Norddeutschland müssen die Projektierer meist mit Landwirten über Stellflächen verhandeln. Die Bauern seien zwar auch darauf bedacht, einen guten Schnitt zu machen – sie zeigten sich aber deutlich flexibler als staatliche Stellen, auch weil für sie Beteiligungsmodelle infrage kämen, heißt es.

Der Anstieg der Pachten schaffe für die Branche auch ein Legitimationsproblem, sagt BWE-Präsidentin Pilarsky-Grosch. Die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz sei nicht dazu gedacht, dass sich Außenstehende die Taschen vollmachten. „Wir können keine Vergütung darauf aufbauen, dass ein Betreiber ein Zehntel seiner Einnahmen an den Landeigentümer abgeben muss.“

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