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Weltweit Piëch droht Magna mit Auftragsentzug
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Piëch droht Magna mit Auftragsentzug
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19:28 15.09.2009
Müssen noch viel Überzeugungsarbeit leisten: Magna-Chef Siegfried Wolf (l). und German Gref, Chef der russischen Sberbank, am Dienstag bei einer Präsentation von Opel-Boss Carl-Peter Forster auf der Automesse IAA.
Müssen noch viel Überzeugungsarbeit leisten: Magna-Chef Siegfried Wolf (l). und German Gref, Chef der russischen Sberbank, am Dienstag bei einer Präsentation von Opel-Boss Carl-Peter Forster auf der Automesse IAA. Quelle: ddp
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Wenn Ferdinand Piëch leise spricht, wird es meistens gefährlich. „Wir als Konzern mögen es nicht, wenn aus unseren Zulieferanten unsere Konkurrenten werden“, sagte der VW-Aufsichtsratsvorsitzende in kleiner Runde am Rande der Branchenmesse IAA zu der Opel-Übernahme durch Magna. Und das gelte wohl auch für die anderen Autohersteller, ergänzte Piëch.

Zwar machen die Wolfsburger rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz mit dem kanadisch-österreichischen Konzern Magna, aber man könne „locker“ auch andere Lieferanten finden. VW-Chef Martin Winterkorn, der Magna bereits im August vor möglichen Interessenkonflikten gewarnt hatte, wenn das Unternehmen Opel übernehmen sollte hatte, kündigte denn auch ganz offiziell an, dass man die Geschäftsbeziehungen überprüfen wolle.

Auch bei einigen anderen Autoherstellern ist man noch nicht davon überzeugt, dass das Versprechen von Magna-Chef Siegfried Wolf auch eingehalten wird, dass man beide Geschäftsbereiche streng voneinander trennen wolle. Man müsse das genau beobachten, sagte BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner. Daimler-Chef Dieter Zetsche dagegen sieht keine grundlegende Änderung in den Geschäftsbeziehungen zu Magna.

Wolf erklärte noch einmal, dass es keine Bevorzugung von Opel geben werde. Opel könne am freien Markt einkaufen können und die Produkte bekommen, die am besten sind. Wenn Magna gute Angebote habe, werde Magna auch zum Zuge kommen. „Aber da wird es keine feste Regel geben“, betonte Wolf.

Der deutsche Ford-Chef Bernhard Matthes sieht neben den möglichen Interessenkonflikten bei Magna noch ein weiteres Problem. Die massive Staatshilfe für Opel sei eine Wettbewerbsverzerrung, sagte Matthes. Solche Vorwürfe wies der Aufsichtsratsvorsitzende von Opel, Carl-Peter Forster, umgehend zurück. Die Kritiker, die zum Teil selbst gerade erst von Staatshilfen profitiert hätten, sollten lieber ruhig sein. Er sei froh, dass jetzt endlich Klarheit geschaffen wurde. „Nun lasst uns erst mal in Ruhe arbeiten“, sagte Forster.

Weder der Opel-Aufseher noch Magna-Chef Siegfried Wolf erwarten, dass die Politik ihren Plänen noch einen Strich durch die Rechnung machen wird. Zwar hat die EU-Kommission angekündigt, die zugesagten Bürgschaften der Regierung prüfen zu wollen, aber ein Opel-Manager betonte am Rande der IAA, dass man das Vorgehen bereits vor der Entscheidung des GM-Verwaltungsrates mit der Brüsseler Kommission abgestimmt habe.

Der Opel-Betriebsrat möchte jetzt so schnell wie möglich die Verhandlungen über den nötigen Stellenabbau aufnehmen. Er könne sich sogar vorstellen, dass man auch das Werk im belgischen Antwerpen halten könne, sagte Betriebsratschef Klaus Franz.

von Klaus Dieter Oehler