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Weltweit Pilotbetrieb erfolgreich: 242 000 Metallangestellte haben acht freie Tage mehr
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Pilotbetrieb erfolgreich: 242 000 Metallangestellte haben acht freie Tage mehr
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16:18 20.06.2019
242000 Metall-Angestellte haben sich im vergangenen Jahr für mehr Freizeit statt für mehr Geld entschieden. Quelle: dpa
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Frankfurt/Main

In diesem Juli wird in der deutschen Metall- und Elektroindustrie erstmals das neuartige tarifliche Zusatzgeld an die Beschäftigten ausgezahlt. 400 Euro fix plus 27,5 Prozent eines Monatsentgelts haben IG Metall und Arbeitgeber im Februar vergangenen Jahres für den Pilotbezirk Baden-Württemberg ausgehandelt, die dritte tarifliche Sonderzahlung nach Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Doch ein erheblicher Teil der Beschäftigten hat sich stattdessen für mehr Freizeit entschieden.

Möglich ist das dank des Tarifvertrags, der im vergangenen Jahr ausgehandelt wurde. Der sah erstmals vor, dass jeder einzelne Beschäftigte statt einer Sonderzahlung auch einen Antrag auf acht zusätzliche freie Tage stellen konnte. Was offenbar viele gemacht haben. Laut Gewerkschaft verzichteten etwa 242 000 Menschen auf das zusätzliche Geld und hatten stattdessen mehr Freizeit.

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Aus Sicht der Gewerkschaften ist das ein Erfolg. „Ein zentrales Motiv war die Vereinbarkeit von Beruf und Leben“, erzählt der Ressortleiter im Funktionsbereich Tarifpolitik bei der IG Metall, Juan-Carlos Rio Antas.

Widerstand der Arbeitgeber

Die Gewerkschaft wollte eine Wahlmöglichkeit für alle Beschäftigten durchsetzen, traf aber auf den Widerstand der Arbeitgeber, die eine selbst geschaffene Fachkräftelücke befürchteten. Dennoch sieht Rio Antas wichtige strategische Ziele umgesetzt. „Es ging uns nicht um eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung, sondern um mehr Souveränität über die eigene Arbeitszeit“, sagt er.

Die acht freien Tagen sind nun drei besonders stark belasteten Gruppen vorbehalten, die dafür jeweils nur auf einen Teil der Sonderzahlung verzichten müssen, den Sockelbetrag von 400 Euro aber erhalten. Das Gros stellen mit 170 000 Leuten die Schichtarbeiter. Danach folgten 55 000 Metaller, die zu Hause kleine Kinder betreuen, und 17 000 Beschäftigten, die für die Pflege von Angehörigen mehr Zeit haben wollen.

Nach einem Jahr neu entscheiden

Die Beschäftigten mussten bereits im vergangenen Jahr entsprechende, meist auf ein Jahr befristete Anträge bei ihren Arbeitgebern stellen. Für das kommende Jahr können sie neu entscheiden. Laut IG Metall waren 93 Prozent der Anträge auf mehr Freizeit im laufenden Jahr erfolgreich. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat keine eigene Zahlen erhoben und widerspricht den Angaben nicht.

„Dass diese Tarifregelung so von den Beschäftigten angenommen wird, zeigt, was Tarifpolitik gesellschaftlich bewegen kann“, meint nun Jörg Hofmann, Vorsitzender der IG Metall. Diese gab außerdem bekannt, dass ihre Mitgliederzahl im vergangenen Jahr um 8000 auf 2,227 Millionen zugelegt hat.

Von RND/dpa