Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit Porsche offenbar höher verschuldet als bisher bekannt
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Porsche offenbar höher verschuldet als bisher bekannt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:33 25.07.2009
Porsche einen Schuldenberg von rund 14 Milliarden Euro angehäuft.
Porsche einen Schuldenberg von rund 14 Milliarden Euro angehäuft. Quelle: ddp
Anzeige

Nach Informationen von „Focus“ und des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ hat Porsche einen Schuldenberg von rund 14 Milliarden Euro angehäuft. Laut Angaben von Teilnehmern der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch wäre Porsche ohne die Einigung mit VW in etwa zwei Wochen zahlungsunfähig gewesen, schrieb „Focus“. Porsche selbst hatte zuletzt von einer Verschuldung von neun bis zehn Milliarden Euro gesprochen.

Der „Spiegel“ berichtete, nach Informationen aus Bankenkreisen müssten zu den Kreditschulden noch weitere Anleihen gezählt werden, die das Unternehmen herausgegeben hat. Deshalb benötige Porsche schnell frisches Kapital. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann habe Porsche-Miteigentümer Wolfgang Porsche in einem vertraulichen Gespräch darauf hingewiesen, wie schwierig die Lage sei.

Laut „Focus“ wollen in den nächsten Tagen VW-Experten anfangen, alle Bilanzen von Porsche sorgfältig zu prüfen. Erst danach entscheide sich, wie hoch der Kaufpreis sein werde. VW will spätestens bis Jahresende 49,9 Prozent der Porsche AG übernehmen, den Rest im nächsten Jahr.

Erst 2011 wird der neue Konzern dem Magazin zufolge wohl endgültig geformt sein. Laut internen VW-Unterlagen sähen die Besitzverhältnisse dann wie folgt aus: Den Familien Porsche und Piech sollen rund 34 Prozent gehören, dem Land Niedersachsen etwas über 20 Prozent sowie dem Staatsfonds aus Katar 19 Prozent. Zu den Eigentümern des geplanten Fahrzeuggiganten sollen dann auch die Arbeitnehmer gehören. Die Beschäftigten sollen einen Anteil von zwei bis fünf Prozent am Konzern erhalten.

Der „Spiegel“ schrieb, obwohl der Anteil der Familien Porsche und Piëch an einem vereinten VW-Porsche-Konzern geringer ausfallen werde als bislang unterstellt, sollen jetzt bereits Hans Michel Piëch und Oliver Porsche in den VW-Aufsichtsrat einziehen und die Plätze des zurückgetretenen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking und des Ex-Porsche-Finanzchefs Holger Härter einnehmen. Wolfgang Porsche rücke sogar ins Präsidium des VW-Kontrollgremiums auf.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstagausgabe), die Sonderregeln für das Unternehmen, die dem Land Niedersachsen und der Belegschaft spezielle Rechte garantieren, sollen auch für die Porsche-Belegschaft festgeschrieben werden. Er gehe davon aus, dass der Europäische Gerichtshof - wenn die EU-Kommission das noch einmal aufs Tableau heben wolle - zu der Überzeugung kommen würde, dass das VW-Gesetz europarechtskonform sei.

Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ will die EU-Kommission die Rechtmäßigkeit des VW-Gesetzes möglicherweise erneut prüfen. Ein Kommissionssprecher habe gesagt, seine Behörde werde im September beraten, ob sie Deutschland wegen des Gesetzes zum zweiten Mal nach 2007 vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Das Gesetz war auch ausschlaggebend dafür, dass der Versuch von Porsche, VW zu kaufen, scheiterte. Die Bundesregierung besserte die Regelung nach, die Sperrminorität von Niedersachsen blieb aber erhalten.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sagte dem „Spiegel“, in der Sache des VW-Gesetzes sei „das letzte Wort noch nicht gesprochen“. Es sei ein „grober Verstoß gegen die Prinzipien der Marktwirtschaft“.

ddp