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Weltweit 90 Prozent der Spanier schaffen die Ausbildung in Hannover
Nachrichten Wirtschaft Weltweit 90 Prozent der Spanier schaffen die Ausbildung in Hannover
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00:16 21.12.2017
Pedro Concha Campusano (22) und Jhumalyn Cruz Gonatize (23) aus Katalonien machen zurzeit ein Praktikum bei Talanx. Quelle: HAZ
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Hannover

Seit fünf Jahren bringt die Industrie- und Handelskammer Hannover (IHK) junge Spanier mit Arbeitgebern in der Region Hannover zusammen. Nun hat sie eine positive Zwischenbilanz ihres Projekts „Adelante“ („Vorwärts“) gezogen: Bislang haben 62 junge Fachkräfte aus Spanien hier eine Ausbildung oder Zusatzqualifikation begonnen. 90 Prozent von ihnen haben diese auch abgeschlossen; 75 Prozent arbeiten und leben immer noch hier.

Im Vergleich zu anderen Projekten für junge spanische Fachkräfte in Deutschland seien das sehr gute Werte, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Horst Schrage am Montag. Ein wichtiger Faktor ist aus seiner Sicht die Betreuung der jungen Leute auch in der Freizeit. In Hannover hätten sich Partner wie die Caritas und die Deutsch-Spanische Gesellschaft sehr gut darum gekümmert. „Es geht nicht nur um die Sprachkenntnisse, sondern auch um das Soziale“, betonte Schrage.

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In den ersten Jahren des Projekts absolvierten die meisten jungen Spanier eine komplette Berufsausbildung bei den hannoverschen Unternehmen. Mittlerweile hat die IHK das System geändert: Die Spanier arbeiten in der Regel ein Jahr in ihrer neuen Firma und absolvieren Sprachkurse. Danach erkennt die IHK ihre vorhandenen Berufsabschlüsse aus Spanien an. Sie hätten bereits sehr gute Theoriekenntnisse und bräuchten nur mehr Praxiserfahrung, erklärte Schrage.

Im Januar fangen 60 junge Spanier in Niedersachsen an

2018 übernehmen weitere niedersächsische Regionen das Modell, das zuerst in Hannover und Göttingen erprobt wurde. Neu hinzu kommen Wilhelmshaven und die umgebenden Landkreise sowie Diepholz. In den vier Regionen startet im Januar ein neuer Adelante-Jahrgang: 60 junge Spanier fangen dann bei ihren neuen deutschen Arbeitgebern an. Sie verdienen mindestens 850 Euro netto.

Die beiden Adelante-Teilnehmer und ausgebildeten Versicherungskaufleute Pedro Concha Campusano (22) und Jhumalyi Cruz Gonatize (23) aus Katalonien absolvieren schon seit November ein Praktikum beim hannoverschen Versicherungskonzern Talanx. „Ich würde auch in Barcelona eine Stelle finden, aber die Arbeitsbedingungen wären schlechter und das Gehalt niedriger als in Deutschland“, sagt Concha Campusano

Er möchte auch nach Abschluss des Projektes in Hannover bleiben und weiter hier arbeiten oder studieren. „Deutschland und Hannover sind eigentlich wie Spanien, nur ein bisschen kälter“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Wenn er etwas vermisse, dann seine Familie.

Bundesland fördert Adelante

Das Land Niedersachsen fördert die Projekte für die spanischen Nachwuchs-Fachkräfte mit insgesamt 430.000 Euro, die aus EU-Mitteln stammen. „Es ist ein Gewinn für beide Seiten“, erklärte Staatssekretär Berend Lindner vom niedersächsischen Wirtschaftsministerium. In Deutschland werde der Fachkräftemangel immer größer. „Deshalb brauchen wir qualifizierte und gesteuerte Zuwanderung.“ EU-Länder wie Spanien seien dafür in besonderer Weise geeignet.

Auch Montse Blanes, Leiterin des Bereichs Berufsausbildung der Stadt Barcelona, lobte das Projekt. Es sei das erste, in dem die spanischen Berufsabschlüsse anerkannt werden. „Das ist für uns in Barcelona besonders wichtig, denn für uns ist das deutsche duale Ausbildungsmodell ein Vorbild“, sagte sie.

Von Christian Wölbert