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Weltweit Reebok bremst Adidas aus
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Reebok bremst Adidas aus
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14:42 21.09.2012
Foto: Die Adidas-Tochter Reebok trübt die Bilanz des deutschen Schuhherstellers.
Die Adidas-Tochter Reebok trübt die Bilanz des deutschen Schuhherstellers. Quelle: dpa
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Herzogenaurach

 Die Kulisse ist perfekt gewählt: Im sonnigen Kalifornien, nur einen kurzen Spaziergang vom Pazifik entfernt, preist Adidas-Chef Herbert Hainer vor ausgesuchten Investoren die Leistungen seines Konzerns an. Treffpunkt ist die schicke, von Palmen umrahmte Zentrale von TaylorMade-adidas Golf - die Tochter ist ein Schmuckstück der Gruppe mit ausgezeichneten Wachstumsraten. Ein Rundgang durch die Produktion soll Eindruck schinden. Und vielleicht auch vergessen machen, dass es für Adidas auf dem US-Markt nicht in allen Sparten so gut läuft wie im Golf-Segment. Von drei auf zwei Milliarden Euro kappte Hainer am Freitag die mittelfristige Wachstumsprognose für die Fitness-Tochter Reebok.

Das dürfte den agilen Manager kräftig wurmen, denn eigentlich läuft es für seinen weltweit agierenden Dax-Konzern glänzend: Seit Jahren geht es rasant bergauf, 2012 sollen Umsatz und Gewinn schon wieder neue Rekordwerte erreichen. Nur die Baustelle Reebok, die lässt die Franken nicht zur Ruhe kommen: Seit der Übernahme vor inzwischen sechs Jahren will es mit der Neuausrichtung nicht recht klappen.

Dabei war der 3,1 Milliarden Euro teure Zukauf damals als „strategischer Meilenstein“ gefeiert worden. Adidas wollte mit Reebok seine Präsenz auf dem wichtigen Markt in Nordamerika stärken und näher an Weltmarktführer Nike heranrücken. Doch die Marke musste erst einmal neu ausgerichtet und ihr Profil gestärkt werden. Dazu griffen die Manager auf die verkümmerten Wurzeln im Fitness-Sektor zurück.

Mit sogenannten Toning-Produkten, die den Muskelaufbau unterstützen sollen, konnten sie einen neuen Trend setzen. Doch der ist inzwischen abgeflaut. Seither reißen die kritischen Stimmen nicht ab. „Es dauert alles viel länger, als wir gedacht haben“, beklagte etwa Aktionärsschützerin Daniela Bergdolt im Mai auf der Hauptversammlung.

Es sind nicht nur die für Reebok schwer zugänglichen US-Konsumenten, die den Managern das Leben schwer machen, sondern auch so manches hausgemachte Problem. So wurden im April kriminelle Machenschaft in Indien bekannt, die die Bilanz des Gesamtkonzerns beim Ergebnis vor Steuern mit bis zu 125 Millionen Euro belasten.

„Wir können nicht behaupten, dass wir bereits auf dem Pfad hin zu einem nachhaltigen weltweiten Erfolg sind“, räumt Hainer in Carlsbad denn auch freimütig ein. Er glaube dennoch, dass Reebok das Zeug zu einer mächtigen globalen Marke habe.

Die Weichen dafür sieht er gestellt: Zum einen wurde gerade das Reebok-Führungsteam umgebaut; der erfahrene Adidas-Markenchef Erich Stamminger soll jetzt ein scharfes Auge auch auf Reebok haben. Zum anderen gleicht die Organisationsstruktur jetzt der der Konzernmutter. Und seit geraumer Zeit wird Reebok noch stärker auf die Fitness-Sportarten wie Yoga oder Zumba ausgerichtet - deshalb hatte sich die Marke auch aus dem umsatzstarken Geschäft mit der National Football League (NFL) verabschiedet. Und noch etwas ist Hainer bei der strategischen Ausrichtung von Reebok wichtig: „Profitabilität statt Wachstum in margenschwächeren Ländern wie Indien und Lateinamerika.“

Doch soll der Umschwung endlich klappen, braucht Reebok vor allem eine neue Erfolgsstory. Das Problem dabei hatte Hainer kürzlich der Nachrichtenagentur dpa selbst geschildert: „Es gibt derzeit zu viele Toning-Produkte im Markt.“ Deshalb halte Reebok sich im Moment zurück, bis der Markt bereinigt sei. „Dann werden wir mit neuen Konzepten zurückkommen.“

dpa

21.09.2012
Stefan Winter 20.09.2012