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Weltweit Rheinmetall blitzt bei Krauss-Maffei ab
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Rheinmetall blitzt bei Krauss-Maffei ab
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20:35 15.07.2014
Quelle: dpa
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München

In der Firmenwelt zählen Rüstungs- und Familienbetriebe zu einer besonders verschwiegenen Spezies. Bei Krauss-Maffei Wegmann (KMW) kommt beides zusammen: Die Münchener bauen Panzer – und werden von der Unternehmerfamilie Bode geführt. Schon deshalb sorgte es für Aufsehen, als die Bayern Anfang Juli ihre Pläne für einen Zusammenschluss mit dem französischen Staatsbetrieb Nexter bekannt gaben. Plötzlich wurde die Branche ungewohnt redselig, denn nun wollte das „Handelsblatt“ von einer alternativen Fusion zwischen KMW und der Düsseldorfer Rheinmetall erfahren haben.

Und wohin geht die Reise nun wirklich? Offiziell wird in der Branche auch zu dieser Frage geschwiegen. Hinter den Kulissen aber geben sich Beteiligte gesprächiger – kein Wunder, denn neben den Unternehmen reden dann, wenn es um das Thema Rüstung geht, immer auch Politiker mit. Quintessenz: Die Variante mit Rheinmetall gilt als bloßes Störmanöver – die Priorität liege beim Schulterschluss von KMW und Nexter, verlautet aus informierten Kreisen.

Das mag auf den ersten Blick verwundern, weil die Franzosen dem Staat gehören und KMW bei einem Zusammenschluss damit am politischen Gängelband hinge – in Paris wohlgemerkt. Hinzu kommt, dass KMW und Rheinmetall bereits seit Längerem bei wichtigen Projekten wie dem Schützenpanzer Puma kooperieren, was sie wie natürliche Partner aussehen lässt. Aber diese Sicht blendet offenbar einen wichtigen Aspekt aus: „Prämisse für den Deal zwischen KMW und Nexter ist eine Privatisierung der Franzosen“, heißt es in der Branche.

Die Probleme liegen jedoch – wie so oft – im Detail. Die Deutschen geben sich dem Vernehmen nach energisch. So habe KMW für Nexter ein Privatisierungsgesetz binnen sechs Monaten zur Bedingung gemacht. Sonst platze die Idee einer gemeinsamen Dachgesellschaft für beide Unternehmen, heißt es. Ein politisches Veto werde Frankreich nur für die Nexter-Bereiche Munitionsherstellung und Artillerie zugestanden; KMW dürfe deren Produktion weder einstellen noch nach Deutschland verlagern. Bei anderen Produkten wie Kampfpanzern sei mittelfristig eine gemeinsame Linie geplant, wobei Nexter-Technologie in künftige Leopard-Panzer einfließen könne – hier gilt sie als überlegen.

Allgemein gibt es zwischen KMW und Nexter wenig Überschneidungen, weil die beiden Produktportfolien unterschiedliche Märkte bedienen. KMW-Waffen seien in der Regel hochwertiger und teurer, Nexter-Produkte dagegen einfacher und billiger, sagen Experten. Beschlossen aber ist die deutsch-französische Firmenehe noch nicht. Sie habe zwar den Segen der Regierungen in Deutschland und Frankreich, beim gegenseitigen Blick in die Bücher könnten aber immer Probleme auftauchen, betonen Beteiligte. Das gilt auch für den noch offenen Sitz einer gemeinsamen Holding. Geht alles gut, könnte dabei am Ende ein Gebilde mit rund 2 Milliarden Euro Umsatz, 6,5 Milliarden Euro Auftragsbestand und gut 6000 Beschäftigten entstehen.

Sparzwänge führen zu Fusionen

Branche rückt zusammen: In Zentraleuropa ist der Kalte Krieg schon lange Geschichte – schon deshalb sparen sich viele Regierungen die hohen Ausgaben für die Verteidigung. Hinzu kommen die Zwänge der Finanzkrise, die den Haushalten ebenfalls eine höhere Ausgabendisziplin abverlangt. Das hat Konsequenzen für die Rüstungsbranche: Die Unternehmen müssen europaweit konsolidieren, weil ihre Heimatmärkte immer kleiner werden. Bei Panzerbauern gilt der Markt als besonders überbesetzt. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall hat in der Vergangenheit schon mehrmals versucht, mit Krauss-Maffei Wegmann (KMW) in München zusammenzukommen – er ist aber stets gescheitert. Beide arbeiten nur auf Basis einzelner Rüstungsprojekte zusammen. Das Familienunternehmen KMW kommt wie Nexter auf rund eine Milliarde Euro Jahresumsatz. Es beschäftigt 3200 Mitarbeiter, bei Nexter sind es rund 2800 Beschäftigte. KMW erzielte zuletzt 80 Millionen Euro Gewinn, Nexter 74 Millionen Euro. Rheinmetall ist mit rund 4,6 Milliarden Euro Umsatz insgesamt deutlich größer als KMW und Nexter zusammen.  

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