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Weltweit Zulieferer baut 900 Stellen ab
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Zulieferer baut 900 Stellen ab
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00:17 09.03.2019
Fahnen mit dem Logo-Schriftzug der Schaeffler AG wehen vor der Zentrale. Quelle: dpa
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München

Der Conti-Großaktionär Schaeffler schließt fünf Standorte in Europa und baut 900 Stellen ab – den Großteil davon in Deutschland. Der Autozulieferer aus Herzogenaurach will dadurch effizienter werden und seine hohe Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor verringern. Die Investitionen werde man stärker auf das Zeitalter der Elektromobilität ausrichten, sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld am Mittwoch bei der Bilanzvorlage: „Wir müssen mehr Gas geben, gerade was das Zukunftsgeschäft mit Elektrifizierung und Digitalisierung betrifft.“

Branchenwandel trifft Schaeffler

Damit folgt Schaeffler dem Branchentrend – wenn auch verspätet. „Dabei müssen wir uns eingestehen, dass wir in der Vergangenheit nicht immer konsequent genug waren“, sagte Rosenfeld dem „Handelsblatt“. Den Spezialisten für Kupplungen, Getriebe und Wälzlager trifft der Wandel in der Autoindustrie stärker als andere Zulieferer, die weniger stark auf die Mechanik ausgerichtet sind. Auf der aktuellen Streichliste stehen in Herzogenaurach Produkte, für die es nachfrage- und technologiebedingt keine Zukunft mehr gibt – als Beispiele führt Rosenfeld Schaltgetriebe und Motorkomponenten an.

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Der Konzern hat in den vergangenen Jahren bereits mehrere Programme gestartet, um seine Profitabilität zu steigern. Beim Umbau der Wälzlager-Sparte fallen dem Vernehmen nach weltweit rund 950 Stellen weg, die Hälfte davon in Deutschland. In der Zuliefersparte für die Industrie und anderen kleinen Bereichen wurden fast 1000 Arbeitsplätze gestrichen.

Gewinn gesunken

Mit dem neuen Umbauprogramm unter dem Namen „Race“ reagiert Schaeffler auch auf die maue Auftragslage. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern seine Ziele verfehlt und zugleich die Prognosen bis 2020 kassiert. Unter dem Strich ist der auf die Anteilseigner entfallende Gewinn 2018 um rund 10 Prozent auf 881 Millionen Euro gesunken. Der Umsatz wurde vom starken Euro gebremst und stieg nur um 1,6 Prozent auf 14,2 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr rechnet Schaeffler mit noch weniger Schwung und hofft auf ein um Währungseinflüsse bereinigtes Wachstum von bis zu 3 Prozent.

Weltweit beschäftigt Schaeffler gut 92.000 Mitarbeiter – ein Drittel davon in Deutschland. Zuletzt hatte man die Belegschaft in Vertrauen auf eine anziehende Nachfrage sogar noch vergrößert. Nun kommt das Kommando zurück. Welche Standorte geschlossen oder verkauft werden sollen, will der Vorstand noch nicht verraten. Man werde erst mit Betriebsräten und der IG Metall sprechen, sagte Rosenfeld. Betriebsbedingte Kündigungen solle es nicht geben: „Wir werden nicht kalt schließen.“ Von den 900 Jobs sollen 700 in Deutschland wegfallen; Schaeffler erwartet Einsparungen von 90 Millionen Euro.

Schaeffler hält 46 Prozent an Conti

Trotz Stellenabbau und Gewinnschwund will der Vorstand die Dividende mit 55 Cent je Vorzugsaktie konstant halten. Das kommt vor allem der im Haus dominierenden Eigentümerfamilie Schaeffler zu Gute, an die allein rund 270 Millionen Euro ausgeschüttet werden. Der Kurs der Vorzugsaktie ist gestern zwischenzeitlich um 10 Prozent auf 7,25 Euro gefallen; am 18. März scheidet das Schaeffler-Papier aus dem M-Dax aus. Der Konzern ist seit 2009 mit 46 Prozent an Continental beteiligt. Diese Beteiligung ist jedoch in einer Holding gebündelt und fließt daher nicht in das Ergebnis des Unternehmens ein.

Von Thomas Magenheim