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Weltweit Schaeffler macht Conti-Aktien zu Geld
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Schaeffler macht Conti-Aktien zu Geld
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21:59 17.09.2013
„Wichtiger Schritt für die erfolgreiche Weiterentwicklung“: Die Conti-Aktionäre Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler bei der Hauptversammlung im Frühjahr in Hannover. Quelle: dpa
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Hannover

Damit fällt der Anteil des Großaktionärs von zuletzt 49,9 auf 46 Prozent. Die Papiere gingen „an eine breite internationale Investorenbasis“, teilte Schaeffler am Dienstag mit. Die Käufer zahlten pro Aktie 122,50 Euro, mit einem vergleichsweise niedrigen Abschlag von 3,5 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von Montag.

Die Einnahmen steckt das Familienunternehmen aus Herzogenaurach in den Schuldenabbau. Zusammen mit einer Sondertilgung aus frei verfügbaren Mitteln werde man die Belastung um 1,275 Milliarden Euro drücken, teilte Schaeffler mit. Dies sei „ein wichtiger Schritt für die erfolgreiche Weiterentwicklung unserer Unternehmensgruppe“, sagten Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler. An der Conti-Beteiligung wolle man trotz der Aktienverkäufe festhalten, betonten Mutter und Sohn. „Sie ist für uns von langfristig strategischer Bedeutung.“ Finanzvorstand Klaus Rosenfeld ergänzte, nach den Anteilsverkäufen sei nun das Niveau erreicht, das die Familie langfristig halten werde. Damit sei eine Mehrheit bei Hauptversammlungen sicher.

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Für die Schaefflers war der Zeitpunkt der Platzierung günstig. Conti hatte im Deutschen Aktienindex (Dax) erst wenige Tage zuvor mit mehr als 127 Euro ein Rekordhoch markiert. Das Papier ist heute gut zehnmal so viel wert wie kurz nach dem Vollzug der Schaeffler-Übernahme Anfang 2009. Das Problem für die Franken damals: Ihr Angebot stammte noch aus der Zeit vor der Finanzkrise und war mit 75 Euro entsprechend hoch. In der Folge wurden dem Hersteller von Wälzlagern, der ursprünglich nur rund 40 Prozent der Anteile erwerben wollte, 90 Prozent angedient.

Plötzlich saß das Familienunternehmen auf einer gigantischen Schuldenlast von gut 12 Milliarden Euro. Davon sind die Franken auch fünf Jahre nach der Übernahmeschlacht noch nicht wesentlich heruntergekommen. Mit dem gestrigen Schritt werde man die Schulden von 10,3 auf 9 Milliarden Euro senken, teilte Schaeffler mit. Mit anderen Worten: In den vergangenen Jahren hat sich der Schaeffler-Anteil an Conti durch diverse Verkäufe und eine Kapitalerhöhung halbiert. Der Schuldenberg ist aber nur um gut ein Drittel abgetragen worden.

Die Franken haben die Last innerhalb der Gruppe auf zwei Schultern verteilt. Die Schaeffler AG, die für das operative Geschäft steht, trägt 5,8 Milliarden Euro der Schulden – im Gegenzug hält sie nun noch 34,2 Prozent der Conti-Aktien (mit einem Gesamtwert von derzeit gut 8,3 Milliarden Euro). Die Familienholding muss noch 3,2 Milliarden Euro zurückzahlen – auf sie entfallen gleichzeitig 11,8 Prozent der Conti-Aktien, die gut 2,9 Milliarden Euro wert sind.

Die Börse war von dem Verkauf wenig begeistert – schließlich sind nun mehr Conti-Aktien im Umlauf, was den Kurs verwässert. Das Papier war gestern Tagesverlierer im Dax mit einem Minus von 3 Prozent.

Babenhausen wird ausgedünnt

Continental und Belegschaft haben sich am Multimedia-Standort im hessischen Babenhausen auf einen Ergänzungstarifvertrag geeinigt. Er sieht bis 2019 den Abbau von bis zu 450 der aktuell 2300 Arbeitsplätze ohne betriebsbedingte Kündigungen sowie umfangreiche Zugeständnisse der Beschäftigten bei Arbeitszeit, Mehrarbeitszuschlägen und Tarifanpassungen vor. So werden die Mitarbeiter bis Ende 2017 ohne Entgeltausgleich 1,75 Stunden in der Woche mehr arbeiten als im Tarifvertrag geregelt.

Die Beschäftigten haben dem Kompromiss nach Angaben von Unternehmen und IG Metall am Montag mehrheitlich zugestimmt, es fehlt noch das Plazet der Gewerkschaftsspitze. In vielen Metall-Standorten von Conti gibt es seit der Krise 2009 Ergänzungstarifverträge – unter anderem auch in Gifhorn. Offenbar wollen die Hannoveraner nun vielerorts über eine Verlängerung reden. Auch im Standort Karben, der Babenhausen zuliefert, laufen bereits entsprechende Verhandlungen. Dort sind 1000 Mitarbeiter beschäftigt.

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