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Weltweit Scholz: VWN-Standort Hannover muss sichergestellt werden
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Scholz: VWN-Standort Hannover muss sichergestellt werden
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09:54 22.05.2013
Eckhard Scholz zu Besuch bei der HAZ: Seit Herbst 2012 ist er Sprecher des Markenvorstands von VW Nutzfahrzeuge und gleichzeitig Entwicklingschef. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Herr Scholz, Sie sind als Skoda-Entwicklungschef an die Spitze von Volkswagen Nutzfahrzeuge gerückt. Was ist in Hannover anders als in Mlada Boleslav?

Zunächst einmal ist die Marke eine ganz andere. Sie verfügt über einen gewaltigen Spannungsbogen: Der Kern von VWN ist rational, nutzungsorientiert – doch gleichzeitig benötigen viele Menschen unsere Autos tagtäglich für Familie und Freizeit. Sie haben eine große emotionale Bindung zu unseren Fahrzeugen entwickelt. Es ist ein superspannendes Feld, in dem wir uns bewegen.

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Diese Stammkunden sitzen allerdings vorwiegend in Europa. Hier liegt das Autogeschäft am Boden, auch VWN verzeichnete auf dem Heimatkontinent zuletzt Absatzrückgänge.

Immerhin sind wir heute in vielen Wachstumsregionen dieser Welt schon sehr gut unterwegs, etwa in Südamerika. Richtig ist, dass wir bei der Internationalisierung noch deutlich aufholen müssen. VWN befindet sich da heute in einer ähnlichen Situation wie Volkswagen Pkw vor vielleicht 20 Jahren. Heute kommt unser Mutterkonzern auf einen globalen Marktanteil von fast 13 Prozent, wir liegen bei knapp über 3 Prozent. Da haben wir noch einen langen Weg vor uns. Das zeigt aber auch die Potenziale, die in der Marke VWN stecken. Es ist eigentlich ein El Dorado für einen Automobilmanager.

Und doch müssen Sie sich derzeit vor allem mit den Folgen der europäischen Absatzkrise herumschlagen. Wie stark leidet das hannoversche Stammwerk darunter?

Hannover ist mit der Produktion des Transporters, des Pick-ups Amarok und der lackierten Karosserie des Porsche Panamera gut ausgelastet. Die Mannschaft arbeitet 37,5 Stunden in der Woche, die Arbeitszeitkonten sind gut gefüllt. Der Grund liegt aber vor allem darin, dass wir auf die Rückgänge im Markt frühzeitig reagiert haben. Nachtschichten sind weggefallen, Werksferien rund um Feiertage wurden verlängert. Und zum Jahreswechsel haben wir 600 Zeitarbeiter abgegeben – vor allem ins Volkswagenwerk nach Wolfsburg. Im Gegensatz zu manchen Wettbewerbern, die komplette Standorte schließen mussten, sind wir in einer vergleichsweise komfortablen Situation.

Sehen Sie denn Licht am Ende des Tunnels?

Wir würden uns schon etwas mehr konjunkturellen Rückenwind in Europa wünschen. Und derzeit kann ich von dieser Seite keine Entwarnung geben.

Sie waren für Volkswagen in Tschechien, China und Russland. Wie erleben Sie Niedersachsens zweitgrößtes VW-Werk?

Hannover ist ein stolzer, ein selbstbewusster Standort. Durch die gewaltige Produktvielfalt bei den Transportern mit unterschiedlichen Längen, Ausstattungen und Karosserievarianten ist hier fast jedes Auto ein Einzelstück. Das unterscheidet das Werk von vielen anderen im Konzern. Aber es gibt Themen, an denen wir arbeiten müssen.

Die wären?

Die Kostenstruktur gehört dazu. Wir arbeiten an der Verbesserung der Produktivität – und das müssen wir auch tun. Mit dem Ausmaß der Nacharbeit an den Produkten bin ich nicht zufrieden. Und auch bei der Arbeitsergonomie haben wir noch Verbesserungspotenzial. Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover ist keine Insel. Der Konkurrenzdruck wächst. Wettbewerber greifen mit aggressiven Preisen an, und ihnen ist die Zukunft unseres Standortes egal. Wir müssen den Standort einfach wettbewerbsfähiger machen.

Die Konzernmutter will bis 2018 zehn Millionen Autos verkaufen und zur Nummer eins weltweit aufsteigen. Welche Ziele hat die Marke VWN für die nächsten fünf Jahre?

Unser wichtigstes Ziel muss es sein, profitabel zu wachsen. Ein Absatz von einer halben Million Fahrzeuge reicht auf Dauer nicht aus, um die Produktpalette immer wieder aus eigener Kraft zu erneuern. Da gerät jeder Neuanlauf zum Kraftakt. Wir müssen uns globaler aufstellen – auch um Marktschwankungen in einzelnen Regionen abzufangen. Und wir müssen die Abhängigkeit von unseren Brot-und-Butter-Modellen Transporter und Caddy verringern. Mit dem Amarok haben wir dazu schon einen wichtigen Schritt getan. Auch den Großtransporter Crafter wollen wir weiterentwickeln ...

... und von 2016 an nicht mehr bei Daimler bauen lassen, sondern selbst produzieren. Welche Chancen hat Hannover da als Fertigungsstandort?

Zunächst einmal steht die Entwicklung des Fahrzeugs im Vordergrund, die Standortfrage lässt sich erst später beantworten. Aber ganz unabhängig davon ist die Standortperspektive für Hannover sicherzustellen.

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