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Weltweit Knapp die Hälfte aller Großstädter soll Anspruch auf Sozialwohnung haben – Verbände fordern Milliarden
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Knapp die Hälfte aller Großstädter soll Anspruch auf Sozialwohnung haben – Verbände fordern Milliarden
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14:39 09.05.2019
Wohnungen entstehen auf einer Baustelle. Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa
Berlin

Neue Wohnungen in Deutschland sind nach einer Studie aktuell deutlich kleiner als vor Jahren. In den vergangenen sechs Jahren sei die durchschnittliche Wohnfläche von Neubauwohnungen um 11 Quadratmeter und damit um knapp zehn Prozent gesunken, heißt es in einer Studie des privaten Prognos-Instituts für Verbände der Bau- und Wohnungswirtschaft, die am Donnerstag in Berlin vorgelegt wurde. Als Ursachen nennt die Untersuchung erheblich gestiegene Bau- und Kaufpreise, aber auch eine wachsende Nachfrage nach kleineren Wohnungen.

Verbände fordern dichteres Bauen, um Mietanstieg zu bremsen

Die durchschnittliche Wohnfläche je Einwohner über alle Wohnungen hinweg blieb in den vergangenen Jahren allerdings konstant. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts lag sie von 2011 bis 2017 jeweils zwischen 46,1 und 46,5 Quadratmeter, mit leicht steigender Tendenz. Das wird auf die wachsende Zahl von Einpersonenhaushalten zurückgeführt.

Die Verbände kritisierten, es werde zu wenig und zu teuer gebaut. Notwendig seien etwa deutlich mehr neue Sozialwohnungen. 80.000 müssten pro Jahr entstehen, dreimal so viele wie zuletzt. Um den Mietanstieg zu bremsen, müsse außerdem dichter gebaut werden.

Studie: Wohnungsmärkte in vielen Landkreisen angespannt

Aus Sicht der Baugewerkschaft IG BAU sollten Bund und Länder deutlich mehr Geld für neue Sozialwohnungen ausgeben. „Mindestens sechs Milliarden Euro sind für den sozialen Wohnungsbau pro Jahr dringend notwendig“, teilte der Vorsitzende Robert Feiger mit.

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In 138 der rund 400 Landkreise und kreisfreien Städte seien die Wohnungsmärkte angespannt, ergab die Untersuchung des privaten Forschungsinstituts Prognos. Auftraggeber ist ein Bündnis von Verbänden, deren Mitglieder profitieren, wenn mehr gebaut wird oder das Bauen erleichtert wird. Dazu zählen der Zentralverband Deutsches Baugewerbe, der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel und der Deutsche Mieterbund.

Knapp die Hälfte aller Großstädter soll Anspruch auf Sozialwohnungen haben

„Mindestens 80.000 neue Sozialmietwohnungen werden pro Jahr gebraucht“, sagte Feiger. „Mit der bisherigen Fördersumme von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr vom Bund ist der enorme Schwund, den es bei den Sozialmietwohnungen gibt, nicht aufzuhalten.“

Feiger vertrat die Auffassung, dass wegen der gestiegenen Mieten zwischen einem Drittel und der Hälfte aller Großstädter theoretisch Anspruch auf eine Sozialwohnung hätten. Es gibt aber weniger Sozialwohnungen, weil immer mehr nach der festgesetzten Zeit aus der Förderung fallen. Zuständig für neue Sozialwohnungen sind seit 2007 die Länder. Als Kompensation erhalten sie Geld vom Bund, das sie mit eigenen Mitteln aufstocken müssen.

Forscher: Ohne Wohnungsmangel würden viele deutsche Städte noch stärker wachsen

Neben dem sozialen Wohnungsbau seien „bezahlbare Wohnungen die zweite GroKo-Baustelle beim Wohnen“, sagte Feiger. Dafür seien mindestens drei Milliarden Euro pro Jahr notwendig, vor allem zugunsten von Durchschnittsverdienern in den Metropolregionen. „Hier steckt enormer sozialer Sprengstoff drin“, warnte der Gewerkschafter.

Weil die Mieten hoch seien, zögen immer mehr Menschen ins Umland, sagte der Bevölkerungsforscher Reiner Klingholz. Ohne den Wohnungsmangel würden viele deutsche Städte noch stärker wachsen. „Das ist ein bremsender Faktor“, sagte der Leiter des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Attraktive Städte wie Hamburg, Berlin, Leipzig, Düsseldorf und Köln wüchsen weiter, auch wenn der Zuzug zuletzt abgenommen habe. „Die Städte kommen mit dem Wohnungsbau nicht hinterher.“

Bevölkerungsforscher warnt davor, Wohnungen an der falschen Stelle zu bauen

In Städten mit Bedarf sei es sinnvoll, mehr Sozialwohnungen zu bauen, sagte Klingholz. Es dürfe aber nicht an der falschen Stelle gebaut werden. So gebe es unter den Wachstumsstädten Orte, deren Umland schrumpfe, etwa Bremen, Düsseldorf, Köln, Dresden, Leipzig, Erfurt und Jena. „Solche Städte wie Bremen, da kann es in der Peripherie passieren, dass zu viel gebaut wird“, sagte Klingholz.

Wenn Landgemeinden, die eigentlich kein Wachstum erwarten können, Neubaugebiete auswiesen, drohten dort Immobilienblasen mit der Gefahr von Leerstand in der nächsten Generation.

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Von RND/dpa

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