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Weltweit Spielwarenbranche vor Rekordjahr
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Spielwarenbranche vor Rekordjahr
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20:35 30.11.2011
Leere Regale sind im Weihnachtsgeschäft nicht zu befürchten, verspricht der Handel. Quelle: dpa
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München

„Wir werden am Ende des Jahres bei 3 Prozent plus liegen“, schätzt der Geschäftsführer des Bundesverbands Spielwareneinzelhandel, Willy Fischel. Sogar 5 bis 6 Prozent mehr erwarten auf die Branche spezialisierte Konsumforscher.Damit dürfte das dritte Wachstumsjahr der Spielwarenbranche in Folge dafür sorgen, dass sie hierzulande erstmals mehr als 2,6 Milliarden Euro umsetzt. Das ist nicht schlecht für eine Branche, die wie sonst kaum eine unter rückläufigen Geburtenraten und der Überalterung der Bevölkerung leidet. Woher der plötzliche Erfolg nach zuvor einem Jahrzehnt Talfahrt kommt, wissen Händler und Hersteller selbst nicht so genau.

Begonnen hat die Branchenkonjunktur ausgerechnet im „Krisenwunderjahr“ 2009, schwärmt Ulrich Brobeil, Vizechef des Spielwarenindustrieverbands DVSI. Das brachte 4 Prozent Wachstum. Danach folgte ein Plus von 5 Prozent im Jahr 2010, und jetzt sorgt 2011 für anhaltende Euphorie.
Die Kunden kaufen zunehmend Marken und qualitätsbewusst, sagen Experten wie Fischel und Brobeil. Lernspielzeug sei mit den für Deutschland schlechten Pisa-Tests in Mode gekommen. Schließlich sei Elektronik ein Wachstumstreiber. Neuheiten, die maximal zwei Jahre am Markt sind, sorgen für die Hälfte aller Umsätze. Und 14 Prozent aller Spielwaren kaufen Erwachsene für sich selbst. Aber all das hat schon vor 2009 gegolten. Und  Sprüche wie „bei Kindern wird zuletzt gespart“, hört man auch schon immer.

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Für eine andere Veränderung in der Branche haben die Fachleute dagegen gute Erklärungen. Bislang galt China als die Spielwarenfabrik der Welt – wird das aber nicht mehr lange sein, wenn die jüngsten Trends anhalten. Drei Viertel allen Spielzeugs ist noch vor drei Jahren in China produziert worden. Heute sind es noch 60 Prozent, schätzt Brobeil. Allein 2010 sei der Importwert chinesischer Spielwaren um gut ein Fünftel gesunken, und dieses Jahr bröckelt er weiter.

„Deutsche Hersteller kehren nach Europa zurück, und dieser Trend wird sich fortsetzen“, erklärt der DVSI. Begonnen hat das mit dem Plüschtierhersteller Steiff, der nach Portugal verlagert hat. Die fränkische Simba-Dickie-Gruppe lässt hölzerne Bauklötze jetzt sogar wieder im Bayerischen Wald oder Holzeisenbahnen in Tschechien fertigen. Vor allem Osteuropa ist eine Region, in die von China verlagert wird, sagen Fachleute.

Grund dafür ist zum einen, dass Chinas Spielwarenfabriken das Personal ausgeht. Andere Branchen wie die Elektro- oder Autoindustrie zahlen höhere Löhne. Zum anderen haben in den vergangenen Jahren Skandale um schadstoffbelastete Spielwaren speziell aus China die Trendwende in der Produktion erzwungen.

China hat vielen Spielwarenfabriken als Reaktion die Exportlizenz entzogen, um Imageschäden für das Land in Grenzen zu halten. In der EU gilt seit diesem Juli eine verschärfte Spielzeugrichtlinie. Die durch steigende Qualitätsanforderungen wachsenden Produktionskosten seien ein weiterer Grund, warum sich Hersteller in China umorientieren, sagen Experten.

Die veränderte Beschaffung und auch steigende Rohstoffkosten könnten dafür sorgen, dass Spielwaren nächstes Jahr knapp ein Zehntel teuerer werden, sagen Handel und Industrie. Aber schon im Vorjahr waren Preissteigerungen angekündigt, haben sich dann aber nicht durchsetzen lassen. Für das Weihnachtsgeschäft 2011 gelten ohnehin stabile Preise. Und auch die Regale sollen dieses Jahr anders als im Vorjahr, wo Renner rasch ausverkauft waren, bis zum 24. Dezember gut gefüllt bleiben, verspricht der Handel.

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