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Weltweit „Standort Hannover wird eher gestärkt“
Nachrichten Wirtschaft Weltweit „Standort Hannover wird eher gestärkt“
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22:49 30.11.2012
Von Albrecht Scheuermann
Der AWD-Vorstandsvorsitzende Manfred Behrens äußert sich zu den Gründen und den Folgen der AWD-Umbenennung. Quelle: Anastassakis
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Hannover

Manfred Behrens, Jahrgang 1955, ist in Stade geboren und nennt sich selbst ein „Nordlicht“. Er fühlt sich also in seiner norddeutschen Heimat besonders wohl, auch wenn er während seiner Zeit als Chef von Swiss Life Deutschland von 2004 bis 2008 auch die bayerische Hauptstadt schätzen gelernt hat. Der gelernte Jurist hat fast sein ganzes Berufsleben in der Versicherungswirtschaft verbracht. Vor dem Wechsel zu Swiss Life war er Vertriebsvorstand der Volksfürsorge in Hamburg. Im September 2008 wurde er neben Carsten Maschmeyer zweiter Vorstandsvorsitzender der Swiss-Life-Tochter AWD, im Frühjahr 2009 übernahm er die alleinige Führung. Vom 1. Januar 2013 an führt er das gesamte Geschäft von Swiss Life in Deutschland mit insgesamt fünf Gesellschaften. Behrens ist außerdem Mitglied der Swiss-Life-Konzernleitung in Zürich.

AWD ist als Marke bald Geschichte. Was versprechen Sie sich von der Umbenennung in Swiss Life Select?

Das ist eine völlig logische und strategisch konsequente Weiterentwicklung. Swiss Life stellt sich in Deutschland neu auf, und die neue Marke soll dies unterstützen. Wir gehören seit fast fünf Jahren zur Swiss-Life-Gruppe. Das wollen wir nun auch im Namen dokumentieren.

Warum?

Swiss Life ist eine starke Marke, und AWD hat ein starkes Geschäftsmodell – nämlich die Anbieter-unabhängige Beratung der Kunden nach dem Best-Select-Prinzip. Wir wollen nun beides miteinander verbinden, um so unsere Präsenz im Markt zu stärken.  

Was stört Sie an der Marke AWD?

Die Marke steht wie wohl keine andere für das Beratungsmodell Best Select. Auch künftig soll ein Kunde das jeweils beste Produkt in seiner Situation bekommen – auch wenn es sich um Angebote von konzernfremden Unternehmen handelt. Das war so und das bleibt so. Allerdings wurde die Marke in letzter Zeit von Veröffentlichungen und Gerichtsprozessen überlagert, in denen es um lange zurückliegende Vorgänge ging. Das hat nicht gerade geholfen, neue Berater und neue Kunden zu gewinnen. Aber das war, wie gesagt, nicht der Grund für den Markenwechsel.

Ihr Ruf leidet unter früheren Geschäften mit Geldanlagen, die den Kunden herbe Verluste bescherten. Es gibt viele Klagen und auch negative Schlagzeilen. Warum schaffen Sie dies nicht mit entsprechenden Angeboten aus der Welt?

Wir haben immer gesagt, dass wir uns jeden Fall ansehen und die Sache regulieren, wenn es tatsächlich Beratungsfehler gegeben hat. Jeder dieser Fälle tut uns leid. Eine pauschale Regelung lehnen wir dagegen ab, weil es keine systematische Fehlberatung gegeben hat. Übrigens haben wir bisher fast alle Gerichtsverfahren gewonnen. Außerdem haben wir das Geschäft mit geschlossenen Fonds, um das es bei den Verfahren meist geht, fast auf null heruntergefahren.

AWD, also die künftige Swiss Life Select, kommt unter ein Dach mit Swiss Life Deutschland. Wird das Unternehmen damit zu einem bloßen Anhängsel von Swiss Life?

Ganz und gar nicht. Die Logik der neuen Struktur besteht darin, dass für jedes Land eine eigene Gesellschaft zuständig ist. In Deutschland wird das die Swiss Life Deutschland Holding sein. Die bisherigen Deutschland-Gesellschaften der AWD-Gruppe, also AWD, tecis, Horbach und Proventus, kommen unter dieses Dach, genauso wie die Versicherungsgesellschaft Swiss Life Deutschland. Damit decken wir eine sehr große Spannweite an Produkten und Kundengruppen ab.

Wo wird die Deutschland-Holding ihren Sitz haben?

Das ist noch nicht entschieden. Klar ist aber, dass Hannover und München künftig unsere Hauptstandorte in Deutschland sein werden. Der Vorstand wird deshalb jeweils in Hannover und in München ein Büro haben. Und von den sechs Sitzen im Vorstand werden drei von heutigen AWD-Führungskräften besetzt.

Aber Hannover dürfte doch an Bedeutung verlieren?

Ganz und gar nicht. Der Standort Hannover wird sogar eher gestärkt. Im Rahmen des Programms Swiss Life 2015 soll der Vertrieb in Deutschland von Hannover aus gesteuert werden, während in München das Versicherungsgeschäft betrieben wird.

Swiss Life hat den Abbau von bis zu 300 Stellen in Deutschland in den nächsten drei Jahren angekündigt. Wie viele Arbeitsplätze werden in Hannover wegfallen?

Wir wollen mit unserer neuen Strategie auch Synergien heben. Bislang werden manche Aufgaben an den fünf Standorten der Gruppe parallel erledigt, das ist nicht effektiv. Wie viele Stellen in Hannover – als einem unserer Hauptstandorte – betroffen sein werden, lässt sich noch nicht sagen. Wir werden diesen Prozess mit großer Umsicht angehen.

Können Sie Entlassungen ausschließen?

Das kann ich nicht ausschließen. Allerdings wollen wir dies nach Möglichkeit vermeiden, indem wir die normale Fluktuation, Vorruhestand oder Altersteilzeit und den internen Stellenmarkt nutzen.

Sie arbeiten mit anderen Versicherungsunternehmen zusammen, deren Finanzprodukte Ihre Vertreter vermitteln. Wie finden diese das eigentlich, dass AWD künftig den Namen eines Konkurrenten trägt?

Es ist richtig, dass wir zum Beispiel auch Versicherungen von Allianz, Talanx, Nürnberger oder Volkswohlbund vermitteln. Daran wird sich nichts ändern, und es gibt ein großes wechselseitiges Vertrauen. Deshalb haben unsere Produktpartner positiv reagiert. Sie haben kein Problem mit dem neuen Namen, zumal wir für sie als Vertriebspartner ja nicht ganz unwichtig sind.

Und was sagen Ihre eigenen Mitarbeiter?

Ich glaube, man kann insgesamt von einer Stimmung gespannter Erwartung sprechen – und auch von Aufbruchstimmung. Das haben wir vor wenigen Tagen bei einer Mitarbeiterversammlung gespürt. Am (heutigen) Samstag haben wir unsere Beraterinnen und Berater nach Hannover in die Eilenriede-Halle eingeladen, um sie von den neuen Chancen zu überzeugen. Ich freue mich schon darauf.

In Hannover ist man gespannt, wie die AWD-Arena künftig heißen wird ...

Sie wird Swiss-Life-Arena heißen. Wir stehen in Verhandlungen mit 96-Präsident Martin Kind über eine langfristige Verlängerung des Mitte 2013 auslaufenden Vertrages. Die Gespräche sind auf gutem Weg, ich bin zuversichtlich, dass der Vertrag noch vor Weihnachten unter Dach und Fach kommt. Swiss Life hat ein großes Interesse daran, Sponsor zu bleiben. Das passt wegen unseres Firmenlogos auch gut: Dann spielen die Roten künftig in einer roten Arena. Übrigens wollen wir auch die AWD-Hall unter neuem Namen weiter sponsern. Das zeigt, dass wir es mit dem Standort Hannover wirklich ernst meinen.

Und was wird mit dem AWD-Platz?

Wir würden uns freuen, wenn die Umbenennung in Swiss-Life-Platz genehmigt wird.

Welche Ziele wollen Sie mit Swiss Life Select erreichen?

Wir streben zunächst eine Stabilisierung und Trendwende beim Geschäft an – mit einem moderat steigenden Umsatz. Die operative Umsatzrendite soll zweistellig bleiben. Die Zahl der Berater wollen wir auf 3600 steigern. Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Ziele erreichen können.

Interview: Albrecht Scheuermann

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