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Weltweit Starker Franken bringt Schuldner in Not
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Starker Franken bringt Schuldner in Not
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08:34 17.01.2015
Verunsicherte Stimmung: Auch in der Schweiz bildeten sich lange Schlangen vor Wechselbüros. Quelle: afp
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Warschau

Die Rückzahlungsraten seien „über Nacht um bis zu 20 Prozent“ in die Höhe geklettert, schrieb die serbische Zeitung „Novosti“. Der kroatische Finanzminister Boris Lalovac kam in Zagreb mit Bankenvertretern zusammen, um Maßnahmen für die gebeutelten Bürger zu beraten. Regierungschef Zoran Milanovic wollte sich mit dem Gouverneur der Nationalbank treffen, kündigte Lalovac an. Überlegt werde die Umwandlung der Franken-Immobilienkredite in Euro oder die heimische Währung Kuna, meldete die Zeitung „Novi list“. Betroffen sind Schuldnern in mehreren Ländern Osteuropas:

Kroatien: Hier gibt es nach Angaben des Finanzministeriums etwa 60 000 solcher Kredite. Betroffen sind nach Darstellung der Interessensvertretung „Udrugaa Franak“ (Franken-Gemeinschaft) rund 250 000 Menschen. Die Kreditsumme liege bei umgerechnet 2,8 Milliarden Euro. Die größte Oppositionspartei HDZ hat am Freitag ein „Moratorium“ für die Rückzahlung dieser Kredite verlangt.

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Polen: Aufregung herrscht auch bei polnischen Bankkunden. Rund 550 000 Polen haben Kredite in Schweizer Franken aufgenommen, weil sie auf die Stabilität der Eidgenossen-Währung ohne größere Kursschwankungen gesetzt hatten. Nun ist der Schrecken groß, denn die Raten für die Kredite stiegen um teilweise mehrere Hundert Zloty. „Drama einer halben Million polnischer Familien!“ schrieb die Boulevardzeitung „Fakt“ am Freitag.

Serbien: Beim EU-Kandidaten Serbien geht es um 22 000 Kredite mit FrankenBindung. „Schuldner in Panik“ und „Fluch der Frankenkredite“, titeln Zeitungen wie das Boulevardblatt „Informer“ am Freitag. Schon bisher waren die betroffenen Bürger durch die starke Schweizer Währung gebeutelt. Die größte Zeitung „Blic“ machte folgende Rechnung auf: Wer vor fünfeinhalb Jahren zur Wohnungsfinanzierung einen Kredit von 70 000 Schweizer Franken zu einem Zinssatz von 4,5 Prozent mit einer Laufzeit von 25 Jahren aufgenommen hatte, musste zu Beginn umgerechnet 158 Euro zurückzahlen. Am 15. Januar 2015 waren es 329 Euro und Freitag 389 Euro.

Rumänien: In Rumänien sind nach Schätzungen bis zu 150 000 Menschen betroffen. Der Verein der rumänischen Bankkunden (AURSF) verlangte, ein seit Langem geplantes Gesetz zum Schutz der Devisenschuldner müsse schnell verabschiedet werden. Der Entwurf liegt seit Monaten im Parlament. Er sieht vor, dass bei der Berechnung der Kreditraten der Kurszuwachs des Franken auf maximal 20 Prozent begrenzt wird.

Österreich: Die Österreichische Nationalbank (OeNB) hatte bereits am Donnerstag vor den Auswirkungen auf Kredite gewarnt, die von Landsleuten in Franken aufgenommen worden waren. Der Schritt der SNB sei „von erheblicher Relevanz“ für Kredite in Schweizer Franken, erklärte die OeNB. Sie habe seit Jahren vor den Risiken von Fremdwährungskrediten gewarnt. Die Aufnahme von Krediten in Franken war lohnend, weil der Zinssatz niedriger war als in anderen Währungen.

Ungarn: In Ungarn hatte die Regierung im November Umrechnungskurse für Euro- und Franken-Kredite festgesetzt, um die Risiken aus Währungsschwankungen zu reduzieren. Damit trifft die Schweizer-Franken-Aufwertung nur die Kreditgeber. Allerdings ist das ungarische Vorgehen rechtlich umstritten.

Albrecht Scheuermann 16.01.2015
16.01.2015
16.01.2015