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Weltweit Tuifly prüft Expansion im Geschäft mit Fernflügen
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Tuifly prüft Expansion im Geschäft mit Fernflügen
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21:04 07.10.2019
Tuifly-Maschinen könnten künftig auch für lange Strecken starten. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Die Ferienfluggesellschaft Tuifly will die Schwäche der Konkurrenz zur Expansion nutzen. Nach den Insolvenzen von Air Berlin und Germania sowie angesichts der unsicheren Zukunft von Condor prüft der Tui-Konzern die Möglichkeit, künftig auch von Deutschland aus Langstreckenflüge anzubieten. Man sei dabei, „alle Szenarien für Wachstum im Ferienflugmarkt wirtschaftlich und strategisch zu bewerten“, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag in Hannover.

Während der Konzern aus Großbritannien, den Niederlanden, Belgien und Skandinavien bereits mit eigenen Maschinen Ziele in Mexiko, der Karibik und in Asien anfliegt, ist die deutsche Tuifly vorrangig auf Strecken Richtung Mittelmeer und Kanarische Inseln aktiv. Als ferneres Ziel steht bisher nur Dubai im Flugplan. Angebote für die Langstrecke seien hierzulande aus zwei Gründen bisher kein Thema gewesen, hieß es: Zum einen seien Condor und die Lufthansa starke Wettbewerber, zum anderen könne man bei den Kosten noch nicht mit den anderen Anbietern konkurrieren.

Betriebsräte sind zu Zugeständnissen bereit

Das sehen die Betriebsräte ähnlich. „Wir dürfen an dieser Stelle nicht die Augen davor verschließen, dass unsere Tuifly seit Jahren bei Marktpreisen defizitär ist“, heißt es in einer Mitteilung der Arbeitnehmervertreter im Tuifly-Aufsichtsrat. Wenn der Konzern bereit sei, einen dreistelligen Millionenbetrag in neue Flugzeuge zu investieren, müsse man zu Kompromissen bereit sein, um dauerhaft profitabel zu werden. „Denn eines haben uns die vielen Insolvenzen unserer ehemaligen Mitbewerber bewiesen: Langfristig prosperierende Tarifverträge sind nur in einem prosperierenden Unternehmen garantiert“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Bei Verhandlungen zwischen dem Management und Vertretern der Belegschaft soll es dem Vernehmen nach vor allem um die Arbeitszeit der Piloten gehen. Im langjährigen Durchschnitt kämen die Cockpit-Besatzungen von Tuifly auf etwa 600 Flugstunden im Jahr, verlautete aus Unternehmenskreisen. „Um auf der Langstrecke mithalten zu können, muss die Produktivität deutlich steigen – folglich müssen die Piloten mehr fliegen.“ Die Arbeitszeiten der Kollegen in der Kabine seien schon erheblich flexibler.

Flotte könnte um sechs Maschinen wachsen

Derzeit besteht die Tuifly-Flotte aus 39 Maschinen – im ersten Schritt könnten zwei bis drei Flugzeuge für lange Strecken hinzukommen, hieß es. Mittelfristig seien bis zu sechs neue Flugzeuge denkbar. Als Modell für die Langstrecke ist die Boeing 787 vorgesehen. 17 Maschinen dieses Typs sind für den Konzern bereits bei anderen Landesgesellschaften im Einsatz. Das Flugzeugmodell bietet 300 Passagieren Platz.

Der Großteil der Tuifly-Flotte besteht derzeit aus Boeing 737 Next Generation mit 148 beziehungsweise 189 Sitzen. Das Nachfolgemodell 737 Max darf wegen Sicherheitsbedenken zurzeit nicht starten.

Tuifly steht unter Zeitdruck: Wenn die Airline mit dem nächsten Winterflugplan auf der Langstrecke aktiv werden wolle, müssten die nötigen Maschinen bald bestellt werden, heißt es im Schreiben der Arbeitnehmervertreter: „Das für die Finanzierung und Umsetzung vorhandene Zeitfenster ist sehr klein und beträgt wenige Wochen.“ Bereits für nächste Woche sollen Gespräche mit dem Management über eine mögliche Expansion anberaumt sein.

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