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Weltweit VW erwartet Bewährungsprobe
Nachrichten Wirtschaft Weltweit VW erwartet Bewährungsprobe
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00:15 17.03.2013
Von Stefan Winter
Foto: „Mehr ins Zeug legen“: Martin Winterkorn will VW trotz Gegenwinds zur Nummer eins im Automarkt machen.
„Mehr ins Zeug legen“: Martin Winterkorn will VW trotz Gegenwinds zur Nummer eins im Automarkt machen. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Sichtbare Zeichen sind der Bau eines weiteren Werks in China und die Entwicklung eines Billigautos für solche Märkte, beides kündigte Winterkorn gestern an.

Über das sogenannte Budget-Car wurde intern monatelang diskutiert, jetzt ist zumindest die Entscheidung für die Entwicklung gefallen. Es werde „in absehbarer Zeit“ in China auf den Markt kommen, sagte Winterkorn. Welche Marke das Auto zum Preis von 6000 bis 7000 Euro tragen wird, sei noch offen – das VW-Logo wird es nach Meinung von Branchenexperten nicht sein. Winterkorn kündigte an, verstärkt Modelle auf regionale Märkte zuzuschneiden. Ein großer Teil der Investitionen fließe in die Internationalisierung.

Im vergangenen Jahr hat der Konzern bereits mehr als die Hälfte seiner Produktion außerhalb Europas verkauft. Allein in China waren es fast 3 Millionen Autos, mehr als doppelt so viel wie in Deutschland. Der Trend setze sich fort, sagte Winterkorn. In den kommenden Jahren seien zehn neue Werke geplant, sieben davon in China. Dennoch „ist und bleibt Europa die Heimat“ von Volkswagen, sagte Winterkorn. Der Konzern beschäftigt in Deutschland knapp die Hälfte seiner Mitarbeiter, weitere 150.000 im Rest Europas.

Auf dem heimischen Kontinent bleibt die Lage schwierig. „Europa bleibt ein Wackelkandidat“, sagte der Konzernchef, der allerdings „nicht in den allgemeinen Abgesang auf Europa einstimmen“ will. „Wir müssen uns mehr denn je ins Zeug legen“, sagte Winterkorn. „2013 wird für die gesamte Branche zum Jahr der Bewährung“. Dank eines starken Januars startete VW zwar mit Verkaufszuwachs, im Februar gab es aber schon Stagnation, und die Zwischenbilanz des ersten Quartals werde „klar unter Vorjahr“ liegen, sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch.

Das muss im Rest des Jahres ausgeglichen werden, denn insgesamt sollen Stückzahl und Umsatz gegenüber den Rekordwerten von 2012 steigen, beim operativen Gewinn will man das Niveau mindestens halten. Der hohe Nettogewinn von 2012 dürfte nicht wiederholbar sein, weil er unter anderem durch eine Neubewertung der Porsche-Beteiligung aufgebläht ist. Deshalb steigt die Dividende auch nicht so stark wie der Gewinn: 3,56 Euro je Vorzugsaktie sind 50 Cent mehr als im Vorjahr.

Zu den Risiken dieses Jahres zählt Finanzchef Pötsch die Unsicherheit in einigen Weltregionen, den schwachen Nutzfahrzeugmarkt, die Verschiebung zu billigeren Fahrzeugen und eine ungünstige Wechselkursentwicklung. Positiv wirkten der erwartete Mengenzuwachs und Kostensenkungen durch das gerade eingeführte Baukastensystem MQB. Für die Planung 2013 gab Pötsch die Devise „realistisch, nüchtern, vorsichtig“ aus. Dazu gehöre hohe Liquidität: 10 Milliarden Euro hatte der Konzern zum Jahresende zur Verfügung.

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