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Weltweit Corona-Krise: Volkswagen stoppt die Produktion in Europa
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Corona-Krise: Volkswagen stoppt die Produktion in Europa
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20:21 17.03.2020
Am Donnerstag soll die letzte Schicht laufen. Danach setzt VW die Produktion in vielen Werken aus. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Wolfsburg/Hannover

Das Coronavirus legt auch Volkswagen lahm. Der weltgrößte Autobauer will die meisten Werke in Europa in den nächsten Tagen für voraussichtlich zwei bis drei Wochen schließen. Für VW habe es jetzt Priorität, die Ausbreitung des Krankheitserregers einzudämmen, sagte Vorstandschef Herbert Diess am Dienstag bei der Bilanzvorlage. An den europäischen Standorten – darunter ist auch das Stammwerk in Wolfsburg – werde am Donnerstag die letzte Schicht laufen, teilte der Konzern am Abend mit.

Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) will die Bänder am Standort Hannover und in den beiden polnischen Werken von Freitag an für voraussichtlich zehn Werktage stoppen. „Die nächste Zeit wird herausfordernd“, hieß es in einem gemeinsamen Schreiben von Vorstand und Betriebsrat an die Belegschaft: „Niemand kann heute seriös sagen, wie die kommenden Wochen verlaufen, wann Leben und Arbeiten sich wieder normalisieren.“

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Autoexperte rechnet mit Verstaatlichungen

Volkswagen steht mit den Schließungen nicht alleine da. Die französische Opel-Mutter PSA macht überall in Europa ihre Produktionsstätten vorübergehend dicht. Daimler, Fiat und Renault unterbrechen ebenfalls die Fertigung. „Es gab noch nie eine so große Krise wie jetzt“, sagte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Hochschule St. Gallen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Er rechnet damit, dass Autobauer tief in die roten Zahlen rutschen, Beschäftigte entlassen werden und Unternehmen in Europa teilverstaatlicht werden können.

Branche im „Schockzustand“

„Die ohnehin angeschlagene Autoindustrie befindet sich im Schockzustand“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Niedersachsen-Metall, Volker Schmidt. Die Lage bei den Zulieferern sei ohnehin schon angespannt. „Produktionsstillstände bei VW führen zu Auftragseinbrüchen, und das wiederum führt zu Umsatzeinbrüchen und Zahlungsausfällen – die nächsten Monate werden stürmisch.“ Bei Continental hofft man darauf, dass die Produktion weiterläuft. „Die vorübergehende Schließung von Werken ist die Ultima Ratio und erfolgt nur in Extremfällen sowie auf behördlichen Beschluss“, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

VW-Vorstand wagt keine Prognose

Volkswagen stehe vor einem sehr schwierigen Jahr, sagte Konzernchef Diess. „Die Corona-Pandemie stellt uns vor ungekannte operative und finanzielle Herausforderungen.“ Im vergangenen Jahr konnte der Konzern den Gewinn unter dem Strich um 12,8 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro steigern. Der Umsatz legte um 7,1 Prozent auf 252,6 Milliarden Euro zu. Für 2020 wollte Finanzvorstand Frank Witter keine konkreten Vorhersagen wagen. „Eine verlässliche Prognose ist nahezu unmöglich.“

Bei den Volkswagen-Beschäftigten in den deutschen Werken sind bisher vereinzelte Corona-Infektionen nachgewiesen worden. Am Wochenende wurden mehrere Fälle im Wolfsburger Stammwerk sowie in der Fabrik in Baunatal bei Kassel publik. Der Konzern hatte zuletzt die Hygienevorschriften verschärft. Kantinen sollen geschlossen werden, Dienstreisen sind weitgehend untersagt, und größere Versammlungen wurden vertagt. „In Zeiten, in denen die Menschen nicht mehr auf Spielplätze, zu Konzerten oder abends ins Restaurant dürfen – und auch keine Autos mehr kaufen, kann die Produktion nicht einfach weiterlaufen, als wäre nichts passiert“, sagte Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh.

Die Gewerkschaft sieht das genauso. Die Arbeitgeber müssten sicherstellen, „dass sozialstaatliche Schutzregelungen zur Anwendung kommen und die Einkommen bei Arbeitsausfällen gesichert werden“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall in Niedersachsen, Thorsten Gröger. „Gesundheitsschutz und Entgeltsicherung für die Beschäftigten stehen an oberster Stelle.“

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Von Frank-Thomas Wenzel und Jens Heitmann

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