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Weltweit VW will 10 Milliarden einsammeln
Nachrichten Wirtschaft Weltweit VW will 10 Milliarden einsammeln
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22:02 16.10.2009
Von Lars Ruzic
Das „Autoreich VW“ mit seiner Hauptstadt Wolfsburg und ihren Auslieferungstürmen wird bald um Porsche erweitert. Quelle: lni
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Damit könnte VW nach heutigem Kurs mehr als 10 Milliarden Euro einspielen, die Zahl der Anteilsscheine ohne Stimmrecht würde sich mehr als verdoppeln. Der Konzern hatte die Ausgabe neuer Aktien bereits angekündigt, das Ausmaß der Kapitalerhöhung überraschte jedoch die Börsianer. Die Vorzüge verloren fast 6 Prozent an Wert.

Das frische Geld, das sich VW voraussichtlich in mehreren Schritten holen will, soll zunächst in die Porsche-Übernahmen fließen. Ein erster Schritt im Umfang von rund 4 Milliarden Euro ist bereits für den Beginn des kommenden Jahres avisiert. Dann wollen die Wolfsburger wie vereinbart 42 Prozent am Stuttgarter Sportwagengeschäft von Porsche übernehmen und dafür bis zu 3,3 Milliarden Euro hinblättern. 2011 soll dann der Erwerb der Porsche Holding Salzburg erfolgen, Europas größter Autohändler. Hier könnten abermals bis zu 3,5 Milliarden Euro fällig werden. Das Ausmaß der Kapitalerhöhung biete noch Spielraum für weitere Akquisitionen, mutmaßten Börsianer. „Das reicht nicht nur bis Stuttgart, sondern auch bis München“, sagte der Autoexperte der Nord/LB, Frank Schwope, mit Blick auf den in der bayerischen Landeshauptstadt ansässigen MAN-Konzern. An dem Lastwagenbauer halten die Wolfsburger schon länger 30 Prozent, gleichzeitig sind sie Mehrheitsaktionär beim schwedischen MAN-Konkurrenten Scania.

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VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hatte zuletzt mehrfach angedeutet, dass man sich nach dem Ende des Gezerres um Porsche nun wieder verstärkt dem Lkw-Markt widmen könne. Zudem ist VW an einer Beteiligung beim Kleinwagenhersteller Suzuki interessiert, um auf dem japanischen Markt einen Fuß in die Tür zu bekommen. Porsche hatte sich mit seinem Versuch verhoben, VW zu übernehmen. Dem Traditionskonzern blieb am Ende keine Alternative, als unter das Dach der Tochter zu schlüpfen. Der Porsche SE, in der die 50,8-prozentige Beteiligung an VW sowie das Sportwagengeschäft versammelt wird, sitzt heute bereits VW-Chef Martin Winterkorn vor. Weitere Optionen auf VW-Stammaktien, die Porsche noch vor dem Zusammenbruch seiner Finanzierung vereinbart hatte, wurden an Katar verkauft. Das Emirat hält inzwischen 6,8 Prozent an VW, der Anteil soll auf rund 17 Prozent steigen. Die Scheichs sollen nach Ende der Rettungsaktion drittgrößter Aktionär nach den Familien Porsche und Piëch (40 bis 50 Prozent) und dem Land Niedersachsen (rund 20 Prozent) sein.

Die Staatskanzlei in Hannover hatte den Beteiligten bei den Verhandlungen im Sommer weitreichende Zugeständnisse abgerungen. Sie soll die Hauptversammlung im Dezember ebenfalls beschließen. Danach wird dem Land künftig in der Unternehmenssatzung das Recht zugesprochen, zwei Aufsichtsräte zu stellen, selbst wenn sein VW-Anteil auf 15 Prozent fallen sollte. Damit gehe man „auf Nummer sicher“, sagte eine Sprecherin. Ein Aktienverkauf durch das Land stehe allerdings nicht an.

Ebenfalls festgeschrieben wird, dass bei weitreichenden Beschlüssen auf Aktionärstreffen eine Mehrheit von 80 Prozent der Aktien notwendig ist. Somit kann keine Grundsatzentscheidung gegen das Land gefällt werden – künftig aber auch nicht gegen die Familien Porsche und Piëch. Die Entsenderechte des Landes wie auch die Sperrminorität waren einst im VW-Gesetz festgeschrieben, das Porsche bis zuletzt bekämpft hatte.