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Weltweit VWN will in die Ferne schweifen
Nachrichten Wirtschaft Weltweit VWN will in die Ferne schweifen
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12:12 06.06.2013
Von Lars Ruzic
Will „die Abhängigkeit von den europäischen Märkten verringern“: VW-Nutzfahrzeugchef Eckhard Scholz.Kleinschmidt
Will „die Abhängigkeit von den europäischen Märkten verringern“: VW-Nutzfahrzeugchef Eckhard Scholz. Quelle: Tobias Kleinschmidt
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Hannover

„Die Erfahrungen der vergangenen Monate haben gezeigt, wie wichtig es ist, die Abhängigkeit von den europäischen Märkten zu verringern.“

In ihrer Heimatregion haben die Hannoveraner zuletzt deutliche Absatzeinbußen hinnehmen müssen. Weil die Lage vor allem in Südeuropa nicht besser wird, rechnet Vertriebschef Bram Schot nun zusätzlich mit Preiskämpfen: „Die Aggressivität wird zunehmen.“ Die Europa-Flaute hat den Absatz der Marke in den ersten beiden Monaten 2013 um fast 7 Prozent schrumpfen lassen.

Das Hauptwerk in Hannover, in dem der Transporter und der Pick-up Amarok vom Band laufen, ist davon bislang nur geringfügig betroffen. „Ich sehe im Moment keinerlei Schwierigkeiten, den Standort auszulasten“, sagte Produktionschef Jens Ocksen. Hannover mit seinen gut 12500 Beschäftigten hat im vergangenen Jahr rund 171000 Fahrzeuge produziert - davon rund 8000 Amarok. Der Standort arbeite immer noch 37,5 Stunden, sagte Ocksen. Die Zeitkonten der Beschäftigten seien noch immer gut gefüllt. Allerdings hatte man in der VWN-Zentrale zuletzt die Nachtschicht gestrichen, Produktionspausen in den Ferien verlängert und einige Zeitarbeiter nach Wolfsburg abgegeben.

Markenchef Scholz will offenbar vor allem das Geschäft in den USA vorantreiben. Dort sehe man „noch größere Perspektiven“ als im durch Billigmodelle dominierten chinesischen Markt, sagte er. Die nächste Generation der VWN-Modelle soll demnach so geplant werden, dass sie auch die Anforderungen des US-Marktes erfüllen. Für die kommende Crafter-Generation, die in drei, vier Jahren auf den Markt kommen dürfte, soll das bereits gelten.

Ob der Großtransporter, den die Hannoveraner noch bis 2016 bei Daimler produzieren lassen, künftig wieder in Hannover vom Band laufen könnte, ließ Scholz offen. Man entwickle mit Hochdruck ein eigenes Modell, über den Produktionsstandort sei jedoch noch nicht entschieden. Der Markenvorstand sei aber „an einer Standortperspektive für Hannover interessiert“. Zuletzt waren auch andere Werke in Osteuropa oder der Türkei ins Spiel gebracht worden.

Bei den Perspektiven für 2013 blieb der Markenvorstand vorsichtig. Man wolle weitere Marktanteile gewinnen, hieß es lediglich. Das war den Hannoveranern im vergangenen Jahr vor allem in Europa geglückt, weil sie den Absatz hier gegen den Trend stabil halten konnten. Weltweit verkaufte VWN mit 550370 Stadtlieferwagen, Transportern und Pick-ups (plus 4 Prozent) so viele Fahrzeuge wie noch nie. Der Umsatz wuchs um 5 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro, das operative Ergebnis gab dagegen um 6 Prozent auf 421 Millionen Euro nach.