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Weltweit VW-Konzern setzt Rotstift beim Transporter an
Nachrichten Wirtschaft Weltweit VW-Konzern setzt Rotstift beim Transporter an
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00:19 11.03.2019
Das Logo von Volkswagen glänzt an der Heckklappe des neuen Transporters Buzz Cargo. Quelle: dpa
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Hannover

Volkswagen plant im Zuge eines neuen Sparprogramms offenbar den Abbau von bis zu 7000 Stellen. Vorstandschef Herbert Diess wolle bei der Kernmarke VW bis 2023 die Kosten um knapp 6 Milliarden Euro senken, um rentabler zu werden, berichtete das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Konzernkreise. Die Jobs sollen vor allem in der Verwaltung wegfallen. Volkswagen wollte dazu am Freitag keine Stellung nehmen.

Vor drei Jahren hatte die Marke Volkswagen, zu der die Modelle Golf, Passat und Tiguan gehören, sich mit dem Betriebsrat auf Einsparungen von 3,7 Milliarden Euro bis 2020 verständigt. Weltweit sollen auf der Basis dieses „Zukunftspaktes“ 30.000 Stellen wegfallen – davon 23.000 in Deutschland. Im Gegenzug will der Konzern zahlreiche Jobs in neuen Bereichen schaffen. Auf die Pläne zu einem weiteren Arbeitsplatzabbau reagierte der Konzernbetriebsrat gestern schmallippig: „Wir erinnern an die vereinbarte Beschäftigungsgarantie, die betriebsbedingte Kündigungen mindestens bis 2025 ausschließt.“

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T7 wird doch nicht voll elektrisch

Aber auch bei der Modellpalette von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) will Konzernchef Diess den Rotstift ansetzen. So soll die neue Generation des Transporters (T7) anders als ursprünglich geplant nicht als komplett batteriegetriebene Version auf den Markt kommen, sondern nur in den Varianten Verbrenner und Hybrid, also teil-elektrisch. Der Grund dafür seien Engpässe in der Entwicklung, sagte ein VWN-Sprecher: „Vor diesem Hintergrund galt es, eine neue Priorisierung der anstehenden Fahrzeug- und Antriebsvarianten vorzunehmen.“

Diese Entscheidung stößt bei den Arbeitnehmervertretern auf heftige Kritik. Erst vor wenigen Monaten habe man mit der Unternehmensseite einen Standortvertrag für die zukünftige Ausrichtung des VWN-Werkes in Hannover geschlossen. „Das Vorhaben, den batteriegetriebenen T7 nicht zu fertigen, bricht diese Vereinbarung“, sagte die Betriebsratsvorsitzende Bertina Murkovic: „Die Arbeitnehmerseite erwartet deshalb jetzt eine alternative Lösung, wie ein Ausfall dieses Modells kompensiert werden kann.“

Werk Stöcken spielt wichtige Rolle bei Elektrifizierung

Für VWN kommt die neue Vorgabe aus Wolfsburg zu einem heiklen Zeitpunkt: Dem Stöckener Werk ist bei der anstehenden Elektrifizierung des Konzerns eine wichtige Rolle zugedacht. So soll hier 2022 der Bau der ID-Buzz-Familie beginnen – einer Elektroversion des heutigen Multivans. Die aktuelle Transporter-Generation wird noch bis 2024 in Hannover produziert; der Start des Nachfolge-Modells T7 ist für 2020 vorgesehen. Im Zuge der Umstellung auf Elektrofahrzeuge soll die Zahl der Stellen bei VWN bis 2028 von heute 14.000 auf rund 10.000 sinken – ohne Kündigungen.

Nach HAZ-Informationen sollten in Stöcken über einen Zeitraum von fünf Jahren etwa 25.000 komplett batteriegetriebene T7-Modelle gebaut werden. Das hätte bis zu 200 Jobs gesichert, hieß es. Man arbeite bereits „mit Hochdruck“ an einer Kompensation, verlautete aus Kreisen des Managements. Auch die Landesregierung habe deutlich gemacht, dass sie eine komplette Auslastung des Standortes erwarte.

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Von Jens Heitmann