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Weltweit Vor Börsengang wird Talanx schweigsam
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Vor Börsengang wird Talanx schweigsam
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07:33 23.03.2012
Von Albrecht Scheuermann
Foto: Talanx-Chef Herbert Haas sieht gute Bedingungen für einen Börsengang.
Talanx-Chef Herbert Haas sieht gute Bedingungen für einen Börsengang. Quelle: dpa
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Hannover

Das interessanteste Thema beim hannoverschen Versicherungskonzern Talanx ist gegenwärtig der offenbar unmittelbar bevorstehende Börsengang. Doch dazu - wie zu allen die Zukunft betreffenden Fragen - wollte Talanx-Chef Herbert Haas am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz nichts sagen. Der Grund: Derartige Aussagen bergen Haftungsrisiken, wenn sich nach dem Börsengang die Dinge anders entwickeln als in Aussicht gestellt.

Immerhin ließ sich den Äußerungen von Haas entnehmen, dass der Zeitpunkt für die Markteinführung der Talanx-Aktie nicht mehr fernliegen dürfte. Das Börsenumfeld habe sich deutlich aufgehellt, und gerade Versicherungsaktien stünden derzeit bei Anlegern hoch im Kurs. Dies entspreche der insgesamt erfreulichen Entwicklung des Versicherungsgeschäfts.

"Ich trage eine grüne Krawatte, die Farbe der Hoffnung", dies demonstriere seine Zuversicht. Allerdings ließ sich der Konzernchef eine Hintertür offen: "Die Ampel für den Börsengang kann durchaus wieder auf Rot springen." Der Talanx-Vorstand habe eine dicke Haut, was die zu erwartenden öffentlichen Reaktionen auf eine neuerliche Verschiebung angehe. Damit spielte Haas auf die Tatsache an, dass der Börsengang des Unternehmens schon vor etwa 15 Jahren erstmals angekündigt wurde.

Immerhin müssen sich Neuaktionäre keine Gedanken darüber machen, wie Talanx einen möglichen Börsenerlös anlegen kann. Kürzlich hatte das Unternehmen die Übernahme der polnischen Versicherungsgruppe Warta verkündet, womit die Hannoveraner zur Nummer zwei auf dem polnischen Markt aufsteigen. Der Kaufpreis von 770 Millionen Euro sei mit Bankkrediten finanziert, hieß es. Einnahmen aus dem Börsengang würde man laut Haas dazu verwenden, die Kreditlinien zurückzuführen.

Pünktlich zu den nun konkret werdenden Börsenplänen präsentierte er das bislang zweitbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte. Unter dem Strich endete das Jahr 2011 mit einem Konzerngewinn von 520 Millionen Euro - im Vergleich zu 2010 mehr als eine Verdoppelung.

Haas beteuerte, dass dies keineswegs darauf zurückzuführen sei, dass sich das Unternehmen für den Aktienverkauf herausgeputzt habe. "Das Ergebnis hätte sich genau so auch ohne einen Börsengang ergeben." Mit einer zweistelligen Eigenkapitalrendite stehe man unter den europäischen Versicherungskonzernen weit vorn.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Jahr mit Erdbeben- und Flutkatastrophen in Japan, Neuseeland und Thailand eines der bisher schadenträchtigsten Jahre war. Insgesamt kosteten solche Großschäden den Konzern fast 1,2 Milliarden Euro gegenüber 760 Millionen Euro im Jahr 2010.

Gleichwohl zeigte sich der Talanx-Chef mit der Entwicklung in fast allen Konzernbereichen zufrieden. Die Beitragseinnahmen kletterten um 3,6 Prozent auf 23,7 Milliarden Euro, die gesamten Kapitalanlagen um 4,8 Prozent auf 87,5 Milliarden Euro.

Die zurzeit laufenden Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über einen drastischen Stellenabbau - insbesondere durch eine weitgehende Schließung des HDI-Gerling-Niederlassungsnetzes in Deutschland - befinden sich laut Vorstandsmitglied Christian Hinsch "in der heißen Phase". Er hoffe, dass es in einigen Wochen ein Ergebnis gebe.

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