Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit So hart würde ein No-Deal-Brexit Niedersachsen treffen
Nachrichten Wirtschaft Weltweit So hart würde ein No-Deal-Brexit Niedersachsen treffen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 17.01.2019
LKW-Kolonne in Südengland Anfang Januar: Um sich für einen harten Brexit zu wappnen, simulierte die britische Regierung bereits Staus an den Häfen. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Vor der entscheidenden Brexit-Abstimmung in London blicken Politik und Wirtschaft aus Niedersachsen voller Spannung nach Großbritannien. Sie hoffen, dass sich das Parlament am Dienstag doch noch für einen geregelten EU-Ausstieg entscheidet. Durch einen harten Brexit ohne Abkommen drohten Produktionsketten zusammenzubrechen, warnte Niedersachsens Europaministerin Birgit Honé (SPD) am Montag. Exporte deutscher Autos nach Großbritannien könnten um 10 Prozent teurer werden. „Aber noch hoffen wir, dass es anders kommt.“

Die Unternehmen hätten versucht, sich vorzubereiten, sagte Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Niedersachsen. „Aber ein harter Brexit ist leider in Teilen unberechenbar.“ Niemand wisse, wie stark Großbritannien künftig von EU-Regeln abweiche.

Großbritannien ist das drittwichtigste Zielland für niedersächsische Exporte, 2017 wurden Waren im Wert von über sechs Milliarden Euro dorthin exportiert. Grenzkontrollen würden diese Lieferungen verzögern, Zölle würden die Preise steigen lassen – beides würde die Nachfrage belasten. Folgende Branchen wären besonders stark betroffen:

Autoindustrie: Autos stehen für die Hälfte der niedersächsischen Exporte nach Großbritannien. Dahinter steckt fast ausschließlich der VW-Konzern, der im vergangenen Jahr über eine halbe Million Fahrzeuge auf die Insel lieferte. Zölle würden VW härter treffen als viele andere Hersteller – denn direkt auf der Insel produziert nur die Luxus-Tochter Bentley. „Wir sind bestmöglich auf verschiedene Brexit-Szenarien vorbereitet, unter anderem haben wir die Lagerung und operative Prozesse entsprechend angepasst“, sagte Vertriebschef Christian Dahlheim.

Ernährungswirtschaft: An zweiter Stelle der Statistik stehen Nahrungsmittel wie Fleisch und Milchprodukte. Bei Chaos an den Grenzen würden „die Briten Versorgungsprobleme bekommen – und wir Absatzschwierigkeiten“, sagte E. Michael Andritzky vom Verband der Ernährungswirtschaft. Indirekt wären auch die Bauern betroffen. Man hoffe, dass Exporte zollfrei bleiben und weiterhin EU-Standards gelten, sagte eine Sprecherin des Landvolks. Da mit Großbritannien einer der größten Beitragszahler ausscheidet, müssen die Bauern außerdem vermutlich bald mit weniger Subventionen aus Brüssel auskommen.

Fischerei: Im Fall eines harten Brexit verlieren deutsche Fischer den Zugriff auf die traditionellen Heringfanggebiete in britischen Gewässern. Selbst wenn die britische Premierministerin Theresa May ihr Austrittsabkommen durchsetzt, müssten schnell weitere Verträge geschlossen werden. Denn die Fischerei ist von einer im Abkommen vorgesehenen Notlösung ausgenommen.

Flugverkehr: Die Fluglinien von Tui könnten durch einen harten Brexit im Extremfall ihre Verkehrsrechte verlieren, da der hannoversche Konzern dann voraussichtlich mehrheitlich Aktionären von außerhalb der EU gehört. Man habe dafür Vorkehrungen getroffen, sagte ein Tui-Sprecher, ohne Details zu nennen.

Von Christian Wölbert und Michael B. Berger

Die Wirtschaft geht nach einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik pragmatischer mit dem bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der EU um als viele denken. DGAP-Vorsitzende Daniela Schwarzer sagt, das liege auch am Beispiel Italien.

14.01.2019

Es wird ein Chaos-Tag: An acht deutschen Flughäfen – darunter am größten Airport des Landes – legt das Sicherheitspersonal am Dienstag die Arbeit nieder. Hunderttausende Reisende werden betroffen sein.

14.01.2019

Bereits im Dezember hatten sich Bahn und der EVG im Tarifstreit geeinigt. Nun ist der Deal perfekt, denn auch der Bundesvorstand der Gewerkschaft hat der Einigung nun zugestimmt.

14.01.2019