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Weltweit ZF will Bremsspezialisten Wabco kaufen
Nachrichten Wirtschaft Weltweit ZF will Bremsspezialisten Wabco kaufen
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00:20 31.03.2019
Wabco-Zentrale in Hannover Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen will den Bremsenspezialisten Wabco für rund 6,2 Milliarden Euro übernehmen. Beide Konzerne hätten eine bindende Vereinbarung unterzeichnet, teilten die Unternehmen am Donnerstag mit. Die Wabco-Aktionäre und die Wettbewerbsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Man rechne damit, dass die Übernahme Anfang 2020 abgeschlossen sein werde, erklärte ZF. Zusammen kämen die beiden Unternehmen auf einen Umsatz von rund 40 Milliarden Euro.

Übernahme vor acht Jahren gestoppt

Bereits vor zwei Jahren hatte der Fahrwerks- und Getriebehersteller vom Bodensee die Übernahme des amerikanisch-belgischen Konzerns vorbereitet – die Pläne wurden damals jedoch von den ZF-Eigentümern gestoppt. Die 1915 in Friedrichshafen gegründete „Zahnradfabrik“ zählt mit 146.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 36 Milliarden Euro zu den großen Autozulieferern. Die 1869 als „Westinghouse Air Brake Company“ entstandene Wabco beschäftigt aktuell rund 13.000 Mitarbeiter und hat 2018 einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro erzielt.

ZF möchte schon seit Längerem ins Lkw-Bremsengeschäft einsteigen; der Konzern will sich als Systemlieferant für Elektromobilität und autonomes Fahren etablieren – Bremsen unterstützen mit ihrer Sensorik die Fahrerassistenzsysteme. „Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit Wabco den weltweit führenden Systemanbieter für Nutzfahrzeugtechnik bilden können“, sagte ZF-Vorstandschef Wolf-Henning Schneider am Donnerstag. Basis für eine gemeinsame Zukunft seien gleiche Werte wie „kompromisslose Exzellenz, Leidenschaft für Innovationen und außergewöhnliche Kundenorientierung“, ergänzte Wabco-Chef Jacques Esculier.

Tiefe Wurzeln in Niedersachsen

In Niedersachsen sind die beiden Unternehmen seit Langem verwurzelt. Seit der Übernahme der Lemförder Metallwaren unterhält ZF acht Standorte rund um den Dümmer mit aktuell rund 3600 Mitarbeitern. In Damme, Diepholz, Dielingen und Wagenfeld werden unter anderem Spurstangen, Lenker, Gummi-Metall-Komponenten, Schaltsysteme und Lkw-Teile produziert. Wabco hat seinen ersten Standort in Hannover 1884 gegründet und am Lindener Hafen erst im vergangenen Jahr sein neues Entwicklungszentrum eröffnet. Rund 750 Ingenieure arbeiten hier an Antiblockiersystemen, Abbiegeassistenten und weiteren Komponenten für Lkw und Busse. Insgesamt beschäftigt Wabco in der Landeshauptstadt rund 2600 Mitarbeiter, an den Standorten Gronau und Mannheim arbeiten jeweils 300 Beschäftigte.

Die Arbeitnehmervertreter von Wabco begrüßen die Übernahme. „Wir sehen darin deutlich mehr Chancen als Risiken für die Belegschaften in Deutschland“, heißt es in einer Erklärung der Betriebsräte: „Beide Unternehmen ergänzen sich in wesentlichen Produktbereichen und in ihrem technischen Know-how für die Nutzfahrzeugindustrie hervorragend.“ Die Produktpalette weise kaum Überschneidungen auf. Positiv sei auch, dass die Übernahme die finanzielle Basis verbessere, um stärker in Zukunftstechnologien wie autonomes Fahren und Elektrifizierung investieren zu können.

Kommentar: Roter Teppich für ZF

Von Jens Heitmann

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