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Weltweit Wärmeversorgung auf dem Kronsberg: Enercity unterliegt Avacon
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Wärmeversorgung auf dem Kronsberg: Enercity unterliegt Avacon
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00:16 04.05.2019
Anlieferung des Generators für das Blockheizkraftwerk auf dem Kronsberg 1999. Quelle: Herbert Rogge
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Hannover

Die Wärmeversorgung auf dem Kronsberg war ein Vorzeigeprojekt für die Stadtwerke Hannover: Unter der Überschrift „ökologische Optimierung" bekam die Tochter Enercity Contracting im Vorfeld der Weltausstellung Expo gemeinsam mit dem Partner Getec den Zuschlag für den Bau und Betrieb eines Nahwärmenetzes. Nun hat das Duo diese Konzession verloren – ausgerechnet an den Konkurrenten Avacon Natur aus Sarstedt. „Wir bedauern das sehr“, sagte ein Enercity-Sprecher.

Zuvor hatte die Stadt Hannover europaweit Angebote für die Versorgung eingeholt. „Mit der Entwicklung des neuen Wohngebietes Kronsberg-Süd und dem zeitgleichen Auslaufen der Betreiberverträge für Kronsberg-Mitte bietet sich jetzt die Chance einer Neuordnung, Erweiterung und Optimierung des Nahwärmesystems“, hatte es in der Ausschreibung geheißen. In einem „stark besetzten Bieterfeld“ habe sich Avacon „eine der aktuell attraktivsten Wärmekonzessionen in Deutschland“ sichern können, teilte die Eon-Tochter mit.

Bestehende Versorgungsverträge laufen aus

Auf dem Kronsberg versorgen Enercity und Getec aktuell zwei Wohngebiete mit insgesamt rund 3200 Wohneinheiten aus zwei Blockheizkraftwerken mit Wärme. Mit dem Neubaugebiet Kronsberg-Süd sollen weitere 3500 Wohneinheiten hinzukommen. Die bestehenden Versorgungsverträge laufen Ende dieses Jahres aus. Nach Angaben von Avacon geht es im Endausbau um eine Wärmeabsatzmenge von jährlich rund 42 Millionen Kilowattstunden. Das Unternehmen werde in den nächsten Jahren rund 8 Millionen Euro in die Versorgung investieren. Der Konzessionsvertrag läuft bis 2040.

Etliche Energieversorger sehen im Wärmemarkt Wachstumschancen. Während sie vor Ort darum kämpfen müssen, ihre angestammten Strom -und Gaskunden zu halten, können sie im Bereich Contracting expandieren: Dabei geht es um die Versorgung einer bestimmten Liegenschaft mit der benötigten Energie – der Auftrag kann die Lieferung von Kälte, Wärme, Strom oder Druckluft umfassen.

Avacon: „Wichtiger Schritt für unsere Wachstumspläne“

„Der Gewinn der Wärmekonzession am Kronsberg ist ein weiterer wichtiger Schritt für unsere Wachstumspläne im Geschäft mit dezentralen Energielösungen“, sagte Avacon-Chef Marten Bunnemann. Um sich das Prestige-Projekt zu sichern, soll die Eon-Tochter die Konkurrenten deutlich unterboten haben. Im Management von Enercity sorge das für nachhaltige Verärgerung, heißt es: Beide Unternehmen hatten lange auf Konkurrenz untereinander verzichtet – und bei der Ausbildung ihrer Lehrlinge sogar kooperiert.

Offiziell spielen die Stadtwerke Hannover den Verlust der Konzession auf dem Kronsberg herunter: Das Projekt sei nur eines von 1700 Contracting-Modellen. Zuletzt habe man zusammen mit dem Aluminiumhersteller Aurubis den Zuschlag für die deutlich größere Wärmeversorgung in der Hamburger Hafencity erhalten, die 8000 Haushalte bedienen kann.

Gleichwohl habe man sich Avacon für eine Revanche vorgemerkt, heißt es bei Enercity. Eine erste Gelegenheit dafür ergibt sich bei den Verhandlungen über den Preis für Teile der vorhandenen Infrastruktur auf dem Kronsberg, die der Wettbewerber den Stadtwerken abkaufen muss.

 

Von Jens Heitmann

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