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Weltweit Wechsel mit Signal bei Bosch
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Wechsel mit Signal bei Bosch
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23:03 31.03.2012
Von Lars Ruzic
Foto: Wechsel an der Spitze von Bosch: Franz Fehrenbach (links) geht in den Aufsichtsrat, Volkmar Denner übernimmt die operative Führung.
Wechsel an der Spitze von Bosch: Franz Fehrenbach (links) geht in den Aufsichtsrat, Volkmar Denner übernimmt die operative Führung. Quelle: Marc Müller
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Stuttgart

Zwar ist Denner wie seine Vorgänger ein Autoexperte. Gleichzeitig symbolisiert der Manager aber den Wandel des Unternehmens, für das Zukunftsfelder wie erneuerbare Energien und das Internet immer wichtiger werden.

Denner gehörte dem Vernehmen nach durchaus zum engen Kandidatenkreis für die Fehrenbach-Nachfolge. Doch viele hatten eher einen anderen auf dem Zettel: Bernd Bohr. Der 55-Jährige ist einflussreicher Chef der nach wie vor wichtigsten Bosch-Sparte Kraftfahrzeugtechnik. Mit der Ernennung des gleichaltrigen Denner schwinden die Chancen für Bohr drastisch, irgendwann noch den Sprung an die Bosch-Spitze zu schaffen. Denn der Traditionskonzern setzt seit jeher auf eine langfristige Personalplanung. So ist Fehrenbach erst der sechste Unternehmenschef der 126-jährigen Geschichte.

Auf Denner, der wie auch Fehrenbach und Bohr als Ziehsohn des langjährigen Unternehmenschefs und einflussreichen Aufsichtsratschefs Hermann Scholl gilt, warten große Herausforderungen. Bereits seit Jahren arbeitet Bosch daran, unabhängiger vom Autogeschäft zu werden, das 2011 noch immer für knapp 60 Prozent des Umsatzes von insgesamt 51,4 Milliarden Euro stand.

Denner soll den von Fehrenbach bereits eingeschlagen Weg zu einem grünen, vernetzten Technologiekonzern nun schnellen Schrittes weitergehen. Zwar will Bosch auch in Zukunft Einspritzsysteme, Kühlschränke und Bohrhämmer verkaufen. „Aber: Uns ist bewusst, dass unsere Geschäftsmodelle vor einem tiefgreifenden Wandel stehen“, schreibt Denner in einem am Freitag veröffentlichen Beitrag für die „Börsen-Zeitung“. Vor allem eines hat er dabei fest im Blick: „Einer der mächtigsten globalen Trends, die Vernetzung über das Internet, wird von vielen Unternehmen noch stark unterschätzt.“

Der derzeit für Forschung und Entwicklung zuständige Geschäftsführer kümmert sich seit einigen Jahren bei Bosch um dieses Thema. So berichtet die Hildesheimer Sparte Car Multimedia an den Physiker, die die Vernetzung des Autos vorantreibt. Zuvor hat er die Halbleitersparte mit aufgebaut und elektrische Motorsteuergeräte entwickelt. Der 55-Jährige arbeitet bereits seit 1986 bei Bosch, seit 2006 sitzt er in der Geschäftsführung.

Beim „Internet der Dinge und Dienste“ geht es für Bosch um die Idee, die Technik des Konzerns fit für eine ganz neue Welt zu machen, in der Maschinen weitgehend eigenständig und intelligent kommunizieren. „Konkret heißt das: Wir stellen nicht nur Dinge her, sondern sorgen dafür, dass diese Dinge über das Internet vernetzt sind und bieten ergänzende internetbasierte Dienste mit Mehrwert für Kunden“, schreibt Denner in der „Börsen-Zeitung“. „Diese vernetzten Dinge können Fahrzeuge sein, die Daten über das Verkehrsaufkommen in ihrer Umgebung sammeln und sich gegenseitig über Staus informieren. Oder Waschmaschinen, die Informationen über aktuelle Strompreise empfangen und sich erst dann einschalten, wenn der Strom am billigsten ist.“

Das Geschäftsleben werde sich durch das Internet der Dinge und Dienste grundlegend verändern, schreibt Denner. „Darin liegen große Chancen und große Herausforderungen - nicht nur für Bosch.“ Die Schwaben konkurrieren in diesem Bereich nicht nur mit Autozulieferern wie Continental, sondern auch mit Internet- und Softwarekonzernen. Geduld und Durchhaltevermögen wird Denner aber auch bei anderen wichtigen Zukunftsthemen brauchen - zum Beispiel bei Elektromobilität und alternativen Energien. Hohe Anschubinvestitionen in diesen Bereichen haben den Konzern im vergangenen Jahr belastet. Doch Fehrenbach zeigte sich zuletzt optimistisch, dass sich diese Vorleistungen langfristig auszahlen werden.

Denners Aufgaben in der Geschäftsführung wird vom 1. Juli an ein Niedersachse übernehmen. Der gebürtige Hamelner Dirk Hoheisel rückt dafür in die Spitzenmannschaft auf. Der 53-jährige Elektrotechnik-Ingenieur war viele Jahre im Hildesheimer Bosch-Werk in verantwortlicher Position tätig, zuletzt als Entwicklungschef des Bereichs Car Multimedia. Die Sparte ist die einzige im Automobilbereich, die nicht von Stuttgart aus geführt wird. In Hildesheim arbeiten mehr als 3000 Menschen für Bosch.

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